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Medizin

Studie: Statine verbessern Darmflora von adipösen Menschen

Freitag, 29. Mai 2020

/roger ashford, stock.adobe.com

Löwen/Belgien − Eine Behandlung mit Statinen, dem Standardmedikament zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte, kann offenbar die Darmflora von adipösen Menschen normalisieren. Dies kam in 2 Kohortenstudien in Nature (2020; doi: 10.1038/s41586-020-2269-x) heraus.

Der Einfluss der Darmflora auf die Gesundheit ist in den letzten Jahren in den Fokus der Forschung geraten. Die Zusammensetzung des Mikrobioms wurde mit verschiedenen Gesundheitsstörungen in Verbindung gebracht, angefangen von der Fettleibigkeit und einem Typ-2-Diabetes über entzündliche Darm­er­krank­ungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn bis hin zu Depressionen, Schizophrenie, Autismus und Morbus Parkinson.

Darüber hinaus ist bekannt, dass eine ungesunde Ernährung und die Verwendung einiger Medikamente, beispielsweise der Säureblocker (Protonenpumpeninhibitoren), die Zusammensetzung der mikrobiellen Gemeinschaften im Darm verändern kann.

Vor einigen Jahren hat ein Team um Jeroen Raes von der Katholischen Universität in Löwen den Versuch unternommen, die Vielfalt der Darmflora in Gruppen einzuteilen. Die Forscher unterscheiden 3 Enterotypen, die nach einem Leitbakterium benannt sind. Einer der 3 Enterotypen, „Bact2“, zeichnet sich durch ein häufiges Auftreten von Bacteroides-Arten aus. Diese Bakterien spalten Kohlehydrate stärker als andere Bakterien. Die Folge könnte eine vermehrte Resorption von Einfachzuckern sein. Der Enterotyp „Bact2“ könnte erklären, warum manche Menschen besonders gute “Futterverwerter” sind und deshalb eher zur Adipositas neigen als andere.

Eine Analyse der Metacardis-Kohorten, die die Darmflora von 888 Personen aus Frankreich, Dänemark und Deutschland untersucht hat, ergab jetzt, dass der Body-Mass-Index (BMI) den Enterotyp beeinflusst. Die adipösen Teilnehmer mit einem BMI von 30 oder höher wiesen zu 17,73 % den Enterotypen „Bact2“ auf. Bei den normalgewichtigen Teilnehmern (BMI 18,5 bis 30) lag der Anteil dagegen nur bei 3,90 %. Die Ergebnisse konnten durch eine Analyse von 2.350 Teilnehmern des „Flemish Gut Flora Project“ bestätigt werden.

Die Forscher beobachteten außerdem, dass eine Behandlung mit Statinen die Darmflora beeinflusst. Adipöse Teilnehmer, die Statine einnahmen, hatten nur zu 5,88 % den Enterotyp „Bact2“, also nicht wesentlich häufiger als schlanke Personen. Wie die oral verabreichten Statine die Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen, ist unklar. Neben einer direkten Wirkung auf die Darmbakterien ist auch eine indirekte Rückwirkung über eine verminderte Entzündungsreaktion im Körper möglich. Es ist bekannt, dass eine Behandlung mit Statinen die Entzündungsparameter im Blut senkt.

Allzu weitreichende Spekulationen verbieten sich, da die Aussagekraft der Querschnitt­studie begrenzt ist. Eine Kausalität kann sie nicht herstellen. Es könnte durchaus sein, dass Menschen, die sich für eine Statintherapie entscheiden, auch in anderen Lebensbereichen ihr Verhalten ändern und sich beispielsweise gesünder ernähren, was sich dann auf den Enterotyp auswirken könnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #830605
Christian Alexander Tietgen
am Freitag, 29. Mai 2020, 21:41

Darmflora

Eine gute Darmflora ist das A&O.
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