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Weltärztebund: Fragen am Lebensende

Dtsch Arztebl 2017; 114(49): A-2342 / B-1955 / C-1909

Parsa-Parsi, Ramin

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Der Weltärztebund diskutierte bei der europäischen Regionalkonferenz im Vatikan über Fragen zu Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid.

Frank Ulrich Montgomery lobte die weltoffene und vorurteilsfreie Diskussion. Foto: The World Medical Associaton, Inc. All Rights reserved.

Sind Euthanasie und assistierter Suizid ärztliche Aufgaben oder handeln Ärztinnen und Ärzte, die sich zu diesen Verfahren bekennen, unethisch? Etwa 150 Ärztinnen und Ärzte, Patientenvertreter, Juristen, Experten der Palliativmedizin und Medizinethik, Philosophen, Theologen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften kamen in der „Aula Vecchia del Sinodo“ in den Mauern des Vatikans zusammen. Ziel war, das gesamte Spektrum der Problematik mit den verschiedenen medizinischen, theologischen, rechtlichen und ethischen Ansätzen offen zu diskutieren und vor dem Hintergrund wachsender medizin-technischer Möglichkeiten interkulturell ethische Standards in der ärztlichen Behandlung am Lebensende zu beraten.

Nachdem bereits Symposien für den asiatischen und südamerikanischen Raum in Tokio und Rio de Janeiro durchgeführt wurden, veranstaltete die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) das Treffen gemeinsam mit dem Weltärztebund (WMA) und der pontifikalen Akademie „pro Vita“ des Vatikans am 16. und 17. November im Vatikan.

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Wie alle Stellungnahmen des WMA unterliegen auch die Resolutionen und Erklärungen zu den verschiedenen Fragen am Lebensende der regelmäßigen Überarbeitung. Deshalb befasst sich der WMA-Ethikausschuss derzeit erneut mit den Themen Euthanasie und ärztlich assistierter Suizid. Um den Stand der Debatte in den verschiedenen Teilen der Welt besser abbilden und die Diskussion auf globaler Ebene adäquat begleiten zu können, werden WMA-Fachkonferenzen auf möglichst allen Kontinenten abgehalten.

In einigen europäischen Staaten wie zum Beispiel in den Niederlanden oder Belgien sind Euthanasie und ärztlich assistierter Suizid erlaubt. Die Ärztinnen und Ärzte, die sich zu den Verfahren bekennen, wehren sich gegen den Vorwurf, unethisch zu handeln. BÄK-Präsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery betonte, dass die ärztliche Ethik nicht automatisch der öffentlichen Meinung oder jeder Gesetzgebung folgen dürfe. Er plädierte, gemeinsam mit den meisten anderen Teilnehmern der Konferenz, für eine Beibehaltung der bestehenden Grundsätze des Weltärztebundes, der Euthanasie und assistierten Suizid als ärztliche Aufgabe eindeutig ablehnt.

Durchweg einig waren sich die Teilnehmer, dass die Palliativmedizin massiv gestärkt werden müsse. Hier wurde dringender Handlungsbedarf gesehen. „Patienten, die Zugang zu angemessener Palliativmedizin bekommen, nehmen sehr oft wieder Abstand von ihrem Todeswunsch und leben auf würdige Art und Weise ihr Leben zu Ende“, sagte Montgomery.

Den Tod akzeptieren

Papst Franziskus wandte sich mit einer Botschaft an die Teilnehmer der Veranstaltung, in der er, unter Verweis auf eine Rede von Papst Pius XII. an Anästhesiologen und Intensivmediziner vor 60 Jahren, zu einem umsichtigen Einsatz von Maximaltherapie am Lebensende aufrief und Therapieabbruch in ausweglosen Situationen als mögliche Option anerkannte. Der Patient habe das Recht, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten die vorgeschlagenen Maßnahmen einzuschätzen und ihre Verhältnismäßigkeit zu beurteilen. Während Euthanasie als stets unrechtmäßig abgelehnt wird, gehe es in solchen Fällen nicht darum, den Tod herbeizuführen, sondern zu akzeptieren, dass man ihn nicht verhindern kann.

Diese Erklärung entspricht auch den Grundsätzen der Bundes­ärzte­kammer zur ärztlichen Sterbebegleitung. Demnach gibt es Situationen, in denen sonst angemessene Diagnostik und Therapieverfahren nicht mehr angezeigt und Begrenzungen geboten sind. „Das Symposium zu Fragen am Lebensende war ein Beispiel für eine weltoffene und vorurteilsfreie Diskussion“, resümierte Montgomery am Ende der Konferenz. Das nächste Regionaltreffen des Weltärztebundes zu dem Themengebiet findet im Februar 2018 in Nigeria statt.

Dr. med. Ramin W. Parsa-Parsi, MPH Bundes­ärzte­kammer

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