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Medizin

Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie

Donnerstag, 17. Oktober 2019

/Romanova Anna, stock.adobe.com

New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben selte­ner an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in JAMA Network Open (2019; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2019).

Schwangerschaften stellen erhöhte Anforderungen an den Stoffwechsel. Um ihr ungebo­re­nes Kind zu versorgen, nehmen die Frauen sogar kardiovaskuläre Risiken auf sich. Cho­les­terin und Triglyzeride steigen an, um die Versorgung des Feten mit den notwendigen Lipi­den sicherzustellen. Eine Insulinresistenz führt zu steigenden Blutzuckerspiegeln, von denen ebenfalls der Fetus profitiert.

Nach der Entbindung muss sich der Stoffwechsel wieder normalisieren. Das Stillen des Säuglings könnte der Mutter dabei helfen, das alte Gleichgewicht langsam wieder zu er­reichen. Für die Produktion der Muttermilch greift der Körper auf Fettreserven zurück. Der hohe Kalorienbedarf des Säuglings hilft ihr, das frühere Gewicht wieder zu erreichen. Durch das langsame Abstillen pendelt sich der Energiestoffwechsel wieder auf das frühe­re Niveau ein.

Wöchnerinnen, die auf das Stillen verzichten, müssen ihren Stoffwechsel innerhalb kurzer Zeit umstellen. Wenn dies nicht gelingt, kommt es zu Stoffwechselstörungen, die sich nicht nur in einer Gewichtszunahme bemerkbar machen.

Nach den Ergebnissen einer Meta-Analyse, die Haitham Ahmed von AdvantageCare Phy­sicians, einem Anbieter für die primärmedizinische Versorgung in New York, und Mitar­beiter vorstellen, erhöht der Verzicht auf das Stillen auch die kardiometabolischen Risi­ken der Frau.

In 4 Studien mit 206.204 Frauen, die den Einfluss des Stillens auf den späteren Glukose­stoff­wechsel untersuchten, erkrankten Frauen, die ihr Kind länger als 12 Monate stillten, zu 30 % seltener an einem Typ-2-Diabetes. Die gepoolte Odds Ratio von 0,7 war mit ei­nem 95-%-Konfidenzintervall von 0,62 bis 0,78 hochsignifikant. Die Heterogenität war bei einem I2-Wert von 33 relativ gering, was für eine Verlässlichkeit der Ergebnisse spricht.

Ahmed hat in einer 2. Meta-Analyse den Einfluss auf spätere Hochdruckerkrankungen untersucht. Die 5 verwendeten Studien hatten zwar eine hohe Teilnehmerzahl von 255.271 Teilnehmern, doch der Einfluss war mit einer gepoolten Odds Ratio von 0,87 relativ gering. Das 95-%-Konfidenzintervall von 0,78 bis 0,97 war signifikant, die Hetero­genität mit einem I2-Wert von 60,6 % aber relativ hoch.

Zu bedenken ist, dass sich in epidemiologischen Studien niemals alle konkurrierenden Einflüsse ausschließen lassen. Es bleibt möglich, dass Frauen, die nach der Entbindung die Kraft für ein längeres Stillen finden, auch in anderen Bereichen ein gesünderes Leben führen.

Ärzte sollten deshalb die Zeit nach der Entbindung nutzen, um die Frauen auch in ande­ren Bereichen zu einer gesünderen Lebensführung zu motivieren, findet Ahmed. Dazu würden etwa ein Verzicht auf das Rauchen, die notwendige Gewichtsabnahme und sport­liche Aktivitäten gehören. © rme/aerzteblatt.de

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