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Medizin

Bessere Händehygiene an Flughäfen könnte Epidemien (wie Sars-CoV-2) ausbremsen

Mittwoch, 12. Februar 2020

/Racle Fotodesign, stock.adobe.com

Cambridge/Massachusetts und Stockholm – Zu den wichtigsten nicht-medikamentösen Maßnahmen, die die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2) verhindern können, gehört nach Einschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die Handhygiene.

Ein internationales Forscherteam schätzt in Risk Analysis (2020: doi: 10.1111/risa.13438), dass mehr Gelegenheiten zum Händewaschen auf Flughäfen die Ausbreitung von Epide­mien deutlich abschwächen könnten.

Die SARS-Epidemie von 2002/3, die „Schweinegrippe“ H1N1 von 2009 und aktuell die Epidemie mit 2019-nCoV haben gezeigt, dass Flughäfen die weltweite Ausbreitung der Erreger beschleunigen. An den Flughäfen treffen die weltweit 4,1 Millionen Reisenden, die jährlich ein Flugzeug benutzen, auf engem Raum zusammen.

Infizierte hinterlassen dort die Viren an Check-in Automaten, an den Armlehnen der Warteräume sowie in den Flugzeugen an Sitzen, Tabletttischen und an den Griffen der Toilettentüren.

Häufiges Händewaschen könnte das Übertragungsrisiko vermindern, doch Waschbecken gibt es in der Regel nur auf den Toiletten, wo sie erfahrungsgemäß häufig nicht benutzt werden. Nur etwa 70 % der Menschen, die auf die Toilette gehen, waschen sich danach die Hände, berichtet Christos Nicolaides vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, und die meisten machen es falsch.

Etwa die Hälfte spült nur kurz die Hände mit etwas Wasser, anstatt sie mit Seife und Wasser über 15 bis 20 Sekunden zu waschen, wie dies Hygieneexperten empfehlen. Nur etwa 20 % aller Fluggäste haben nach Einschätzung von Nicolaides saubere Hände. Die übrigen hinterlassen ihre Keime an den Orten, die sie mit den Händen berühren.

Nicolaides und Mitarbeiter haben in sogenannten Monte Carlo-Simulationen untersucht, wie sich eine Verbesserung der Händehygiene auf die Ausbreitung von Epidemien wie SARS oder H1N1 auswirkt. Die Studie wurde vor der aktuellen Covid-19-Epidemie durchgeführt. Da sich die Viren ähnlich ausbreiten, dürften die Ergebnisse übertragbar sein.

Die Berechnungen ergaben, dass durch eine Verbesserung der Handhygiene auf allen Flughäfen der Welt um das 3-fache – wenn also 60 % der Reisenden jederzeit saubere Hände hätten – die weltweite Verbreitung von Krankheiten um 69 % verlangsamt werden könnte.

Eine Verdreifachung der Handhygiene wäre nach Einschätzung von Nicolaides nur zu erreichen, wenn an den Flughäfen zusätzliche Waschgelegenheiten geschaffen würden und diese von den Reisenden auch angenommen würden, was wohl unpraktika­bel wäre, wie Nicolaides eingesteht.

Eine realistischere Alternative bestünde darin, nur die 10 wichtigsten Flughäfen, das sind solche mit den meisten internationalen Direktverbindungen, mit zusätzlichen Waschgele­gen­heiten auszurüsten. In diesem Fall könnte nach den Berechnungen von Nicolaides die Ausbreitung um bis zu 37 % verlangsamt werden.

Eine ähnliche Auswirkung hätte eine Verbesserung der Handhygiene an den 10 inter­nati­onalen Flughäfen, die dem Epizentrum der Epidemie am nächsten liegen. Die geringste Auswirkung hätten die Maßnahmen, wenn sie auf den Flughafen im Epizentrum be­schränkt blieben.

Wie nahe die Computersimulationen der Wirklichkeit kommen, würde man vermutlich erst erfahren, wenn die Maßnahmen umgesetzt würden. Tatsache ist aber, dass die meis­ten Epidemiologen der Händehygiene die größte Bedeutung bei der Eindämmung von Epidemien zuschreiben.

Sie sind deshalb auch ein zentraler Punkt in einem Technical Report, den die ECDC jetzt zu Covid-19 veröffentlicht hat. Das häufige Waschen der Hände mit Wasser und Seife oder das Reinigen der Hände mit alkoholischen Lösungen, Gelen oder Tüchern sind da­nach geeignete Maßnahmen, um das Ansteckungsrisiko mit 2019-nCoV zu senken.

Zu den präventiven Maßnahmen, die andere Menschen schützen, gehört auch die Hus­ten-Etiquette, nach der niemand in die Hand husten sollte, sondern in ein Taschen­tuch. Zum Tragen von Gesichtsmasken wird außerhalb der Klinik nur Personen geraten, die erkrankt sind. Dass sich gesunde Menschen durch eine Maske schützen können, ist laut ECDC nicht erwiesen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #745934
maria.wittmann
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 21:54

Händehygiene an Flughäfen

Würden denn nicht Desinfektionsmittelspender an Flughäfen und die dazugehörige Aufklärung reichen?
Avatar #745934
maria.wittmann
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 21:54

Händehygiene an Flughäfen

Würden denn nicht Desinfektionsmittelspender an Flughäfen und die dazugehörige Aufklärung reichen?
LNS