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Medizin

Sars-CoV-2: Wie zuverlässig ist der Virusnachweis im Mundabstrich?

Freitag, 14. Februar 2020

/PeJo, stock.adobe.com

Changsha/China – Der Nachweis von Sars-CoV-2 in einem Mundabstrich kann offenbar selbst dann negativ ausfallen, wenn es bereits zu einer Covid-19 mit Lungenbeteiligung gekommen ist. Chinesische Radiologen berichten in Radiology (2020; doi: 10.1148/radiol.2020200343) von 5 Patienten mit ausgedehnten Veränderungen in der Computertomografie (CT), bei denen der Virusnachweis im Abstrich erst Tage später gelang.

Radiologen im Zweiten Xiangya-Hospital, einer renommierten Klinik in Changsha etwa 350 km südlich von Wuhan, haben im Januar 167 Patienten mit einem klinisch-anamnestischen Verdacht auf eine Infektion mit dem Sars-CoV-2 untersucht. Bei 162 Patienten waren im Mundabstrich vor der CT-Untersuchung mit der Reverse-Transkrip­tase-Poly­merase-Kettenreaktion (RT-PCR) Gene von Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Bei 5 Patienten fiel der Test jedoch zunächst negativ aus.

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Die 5 Patienten wiesen im CT jedoch klare Zeichen einer Pneumonie auf. Die Ausdehnung der Veränderungen bewerten die Radiologen mit einem Score. Dazu wird die Lunge in 6 Abschnitte aufgeteilt. In jedem Abschnitt wird die Ausdehnung des Lungenbefalls mit 0 Punkten bis 4 Punkten bewertet. Der maximale Score beträgt also 24 Punkte.

Bei den 5 Patienten, bei denen der 1. Mundabstrich negativ ausfiel, lag der CT-Score zwischen 2 und 14 Punkten. Wegen des dringenden Verdachts wurden die Tests teilweise mehrfach wiederholt. Wie das Team um Jun Liu berichtet, gelang bei allen 5 Patienten 2 bis 8 Tage später der Virusnachweis.

Warum die ersten Tests negativ ausfielen, ist nicht klar. Bei der RT-PCR sind wie bei allen Labortests falsch negative Ergebnisse möglich. Neben einem technischen Fehler ist es auch möglich, dass der Abstrich an einer Stelle entnommen wurde, an der sich zu wenige Viren befanden.

Da bei einigen Patienten mehrere Abstriche negativ ausfielen, erscheint dies unwahr­scheinlich. Eine andere Erklärung ist, dass die Viren zunächst die unteren Atemwege infizieren und deshalb nicht unbedingt im Mundraum vorhanden sind.

Auch in den USA hat es offenbar Probleme mit dem RT-PCR-Test gegeben. Bei den Test-Kits, die die US-Centers for Disease Control and Prevention an die Labors der einzelnen Bundesstaaten verschickt hat, seien vor Ort in einigen Fällen nicht schlüssige Labor­ergebnisse („inconclusive laboratory results“) aufgetreten, erklärte Nancy Messonnier, die Leiterin des National Center for Immunization and Respiratory Diseases, gestern auf einer Pressekonferenz.

Das Problem betreffe wahrscheinlich Reagenzien oder Enzyme, die zur Durchführung des Tests benötigt werden. Die betroffenen Labors würden jetzt neue Tests erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #103090
zornbüttel
am Freitag, 14. Februar 2020, 18:50

"Mundabstrich"

Ein "Mundabstrich" wird für den DNA-Test gemacht, eine SARS-CoV-2 Diagnostik erfordert zwar einen offenen Mund, aber ansonsten einen Rachenabstrich...
LNS