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Freiwillig im Krankenhaus: Helfen in der Coronakrise

Mittwoch, 25. März 2020

Schleswig-Holstein, Kiel − Marie Noormalal desinfiziert sich die Hände. Die 24-jährige Medizinstudentin gehört zu den ersten Freiwilligen in Kiel, die zur Unterstützung des Klinikpersonals im Städtischen Krankenhaus eingesetzt werden. /picture alliance, Frank Molter

Kiel − „Nicht nur die ganze Zeit untätig zu Hause rumsitzen“ − das war auch einer der Gründe, warum sich Marie Noormalal freiwillig gemeldet hat. Jetzt gehört sie zu dem Team aus Studierenden, das sich um die so genannte Erstsichtung der Patienten im Städtischen Krankenhaus in Kiel kümmert.

Sie müssen herausfinden, woran Neuankömmlinge erkrankt sind und sie dann zur richtigen Behandlung weiterlotsen. So soll auch unnötiger Personenverkehr im Krankenhaus vermieden werden.

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„Ich muss darauf achten, Patienten nicht zu nah zu kommen und mir immer wieder die Hände zu desinfizieren“, erzählt die 24-jährige Medizinstudentin. Sie könnte jederzeit mit dem neuartigen Coronavirus in Kontakt kommen. Sie berichtet von ihren Erlebnissen am Telefon, denn auch Journalisten müssen derzeit draußen bleiben.

Ihr erster Arbeitstag beginnt an einem sonnigen Donnerstagmittag. Um 13 Uhr trifft sie Pfleger Axel Bethke. Am Ende seiner Frühschicht zeigt er Marie noch schnell das Wichtigste. Davor muss Marie aber noch ausgerüstet werden. Neben Mundschutz und Desinfektions­mittel bekommt sie eine weiße Hose und einen Kasack in Brombeerrot − ähnlich wie der, den die Mediziner aus Krankenhausserien wie „Scrubs“ oder „Emergency Room“ tragen.

Noormalal studiert im neunten Semester Medizin und war schon öfter für Praktika in Krankenhäusern. Was ihr heute aber auffällt: eine gespenstische Leere, wo sonst Besucher und Patienten stehen. Die Klinik wurde nahezu abgeriegelt, es gibt nur wenige Ausnahmen. Selbst werdende Väter dürften beispielsweise nur noch direkt bei der Geburt anwesend sein.

Bei Verdachtsfällen größte Vorsicht walten lassen

Bei der Erstsichtung der Ankommenden achte sie zunächst auf deren Gesundheits­zustand und frage nach Vorerkrankungen. Großes Augenmerk gelte dabei Atembeschwerden oder Fieber. Bei Patienten, die sich möglicherweise mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, gelte größte Vorsicht: „Wenn die Patienten Symptome zeigen, achte ich darauf, dass sie einen Mundschutz bekommen, denn ohne kommen sie nicht mehr rein“, erklärt die angehende Ärztin.

Doch nicht immer geht es so geordnet zu, zwischendurch kann es auch mal hektisch werden: Plötzlich sei jemand in den Eingangsbereich gestürmt und habe gesagt, dass eine Frau auf dem Parkplatz ein Kind bekommt. „Daraufhin ist dann eine Kranken­schwester relativ schnell mit einem Rollstuhl rausgeeilt“, berichtet Marie. An diesem Tag sei die werdende Mutter wohl eine der wenigen Patientinnen gewesen, die ausnahmsweise ohne eine Erstsichtung ins Krankenhaus durften.

Man bereitet sich akribisch auf Coronafälle vor

Die Akribie, mit der man sich auf weitere Coronafälle vorbereite, beruhige sie, sagt Noormalal. Dieser Planungsaufwand ist auch das Werk von Marius Leye und dem Team der Fachschaft Medizin. Sie sind Kommilitonen von Marie und mitverantwortlich für die Verteilung der Medizinstudierenden. In Leyes WG-Küche laufen die Fäden von Uni, Krankenhaus und Freiwilligen zusammen. Der kommende Bedarf an Pflege- und Hilfskräften sei bereits vor fast zwei Wochen festgestellt worden, sagt der 24-Jährige.

Sein Ziel: die Ressourcenverteilung sinnvoll gestalten. Viele hätten zur Überbrückung der Wartezeit vor dem Studium eine Ausbildung gemacht und damit besondere Qualifikationen erworben. Was vermieden werden soll: dass „wegen schlechter Planung ein ausgebildeter Intensivpfleger in der Telefonhotline aushilft“, erklärt Leye ebenfalls am Telefon. Zurzeit laufe die Koordination auf Hochtouren. Die Losung: Falls die Welle kommt, will man vorbereitet sein.

Nicht weit vom Städtischen Krankenhaus ist das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Auf dem Schreibtisch von Ulrike Schrabback steht das Telefon dieser Tage nicht still. Als Leiterin der Abteilung Change Management hat sie vor kurzem noch den Umzug von Klinikgebäude zu Klinikgebäude betreut. Jetzt muss sich das zweitgrößte Krankenhaus Deutschlands für die Pandemie wappnen. „Wir wollen auf den Fall der Fälle vorbereitet sein“, erklärt sie. Schnell sollten Studenten oder zur Verfügung stehendes Pflegepersonal einspringen können. Auch pensionierte Ärzte seien gefragt.

Pensionierte Ärzte könnten bis zu einem Alter von 75 Jahren beratend oder im Rahmen von Telefon- oder Onlinesprechstunden aushelfen, erklärt Stephan Göhrmann, Pressereferent der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Direkter Kontakt zu Patienten sei ausgeschlossen, da die Ärzte „allein aufgrund ihres Alters der Risikogruppe angehören“.

Noch haben wir Zeit

Auch Menschen ohne medizinischen Background können helfen: Die Universitätsklinik sucht zurzeit Freiwillige mit Erfahrung in der Logistik. Auch freigestellte Restaurant- und Hotelfachangestellte werden gesucht. Sie haben die notwendige Qualifikation im Umgang mit Lebensmitteln. Schrabback betont: „Noch haben wir die Zeit, um uns vorzubereiten, und die Unterstützung ist riesengroß“.

Am Abend zieht Marie Noormalal ein positives Fazit: Der erste Tag sei spannend gewesen und habe ihr gezeigt, „dass zurzeit auch viel Einsicht und Solidarität herrscht“. In ihrer Schicht habe es keine Corona-Fälle gegeben. Sie hilft ab jetzt regelmäßig im Krankenhaus aus. © dpa/aerzteblatt.de

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