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Medizin

Forscherin: SARS-CoV-2 könnte in Zukunft harmlose Erkältungen verursachen

Mittwoch, 13. Januar 2021

/vectorfusionart, stock.adobe.com

Atlanta – Auch wenn das neue Coronavirus SARS-CoV-2 durch Impfungen und Herdenimmunität nicht eradiziert werden sollte, wird es in Zukunft seinen Schrecken verlieren. Eine Infektiologin prognostiziert in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abe6522), dass der derzeitige Verursacher von COVID-19 zu einem endemischen Erreger wird, wie es die 4 anderen weltweit zirkulierenden Coronaviren bereits sind. Impfungen könnten dann unnötig werden.

Noch ist unklar, wie sich die derzeitige Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. Sicher scheint, dass es noch zu vielen schweren Erkrankungen und Todesfällen kommen wird. Langfristig geht nach Überzeugung von Jennie Lavine, Emory University, Atlanta, und Mitarbeitern keine Gefahr für die Menschheit aus.

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Die Infektiologin rechnet eher damit, dass sich SARS-CoV-2 wie die 4 anderen bekannten Coronaviren NL63, 229E, OC43 und HKU1 verhalten wird. Alle 4 verursachen regelmäßig Epidemien, in denen vor allem Kleinkinder erkranken. Das Erkrankungsalter liegt zwischen 3 und 5 Jahren. Die Letalität ist in dieser Altersgruppe auch bei SARS-CoV-2 sehr gering.

Die Infektionen mit den endemischen Coronaviren hinterlassen nur eine kurzzeitige vollständige („sterilisierende“) Immunität. In einer früheren experimentellen Studie mit dem Coronavirus 229E war bereits nach 1 Jahr eine erneute Infektion möglich. Zu diesem Zeitpunkt war es zu einem Abfall der Antikörpertiter gekommen, wie er sich nach den bisherigen Erfahrungen auch nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 andeutet. Eine erneute Infektion führte in der experimentellen Studie allerdings nur zu einer verkürzten Virusausscheidung und die Probanden blieben asymptomatisch (Epidemiology & Infection, 1990; DOI: 10.1017/S0950268800048019).

Lavine führt dies auf eine lebenslange Teilimmunität zurück, die die Menschen nach einer Erstinfektion erworben haben. Sie könnte auch durch die erneute Exposition mit den Viren während der häufigen Epidemien geboostet werden. Ein Hinweis auf die Teilimmunität findet Lavine in der hohen Sero­prävalenz gegen die 4 anderen Coronaviren in der Bevölkerung.

Die meisten Menschen haben auch im Alter IgG-Antikörper gegen die 4 Coronaviren. IgM-Antikörper, die nur zu Beginn einer Infektion gebildet werden, wurden in den Seroprävalenzstudien dagegen nicht gefunden. Dies zeige, dass nur wenige ältere Menschen tatsächlich erkranken.

Die älteren Menschen könnten sich allerdings infizieren und die Viren dann „unbemerkt“ an die Kinder weiterreichen. Ohne die Beteiligung der älteren Menschen an der Epidemie wäre laut Lavine die hohe Ansteckungsrate und der frühe Erkrankungsbeginn bei den Säuglingen und Kleinkindern nicht zu erklären.

Lavine geht davon aus, dass sich SARS-CoV-2 in den nächsten Jahren zu einem endemischen Erreger wandelt. Dann müsste wahrscheinlich nicht mehr gegen SARS-CoV-2 geimpft werden, weil es infolge der Teilimmunität der älteren Bevölkerungsgruppen kaum noch zu schweren Erkrankungen und Todesfällen komme. © rme/aerzteblatt.de

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