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Medizin

Studie: Hoch dosiertes Vitamin D kann Sturzrisiko von Senioren nicht senken

Donnerstag, 7. Januar 2021

Vitamin D3 /dpa

Baltimore – Eine hochdosierte Behandlung mit Vitamin D hat in einer randomisierten Studie das Sturz­risiko von Senioren nicht gesenkt. Laut den in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/M20-3812) mitgeteilten Ergebnissen kam es sogar zu einem Anstieg von schweren Stürzen.

Viele ältere Menschen haben niedrige Vitamin D-Werte. Dieser Mangel war in epidemiologischen Studien wiederholt mit einem Anstieg des Sturzrisikos verbunden. Als Grund werden negative Auswirkungen auf den Muskelstoffwechsel vermutet, die zu einer Schwächung der Muskulatur führen sollen. Eine gleich­zeitige Demineralisierung des Knochens soll im Fall eines Sturzes dann das Frakturrisiko fördern.

Die STURDY-Studie („Study To Understand Fall Reduction and Vitamin D in You“) hat untersucht, ob eine hochdosierte Gabe von Vitamin D das Sturzrisiko von Senioren senken kann. An der Studie nahmen 688 Senioren im Alter von über 70 Jahren (median 77,2 Jahre) teil, die in einem Fragebogen ein erhöhtes Sturzrisiko angegeben hatten und die einen leichten Vitamin D-Mangel (25-Hydroxyvitamin D: 25 bis 72,5 nmol/l, median 55,3 nmol/) aufwiesen.

Die Studie hatte 2 Phasen. In der 1. Phase wurden die Teilnehmer auf 4 Gruppen randomisiert, in denen sie mit 1.000 IU/die, 2.000 IU/Tag, 4.000 IU/Tag oder mit 200 IU/Tag behandelt wurden. Die letzte Dosis war so gering, dass von ihr keine Wirkung erwartet wurde (auf eine Placebogruppe wurde offenbar wegen der hohen Popularität von Vitamin D in der Bevölkerung verzichtet).

Die Erwartung von Lawrence Appel von Johns Hopkins Medicine in Baltimore und Mitarbeitern war, dass die höher dosierte Vitamin D-Gabe die Senioren am besten vor Stürzen schützen könnte. Dies war allerdings nicht der Fall. Die wenigsten Stürze traten bei den Senioren auf, die mit 1.000 IU/Tag behandelt wurden. Diese Dosis wurde dann in der 2. Phase der Studie mit 200 IU/Tag verglichen.

Auch in der 2. Phase wurden die Erwartungen enttäuscht. Nach 2 Jahren war im primären Endpunkt, der Dauer bis zum ersten Sturz oder dem Tod des Patienten, kein Vorteil erkennbar (Hazard Ratio 0,94; 95-%-Konfidenzintervall 0,76 bis 1,15). Die Zahl der schweren Stürze (Hazard Ratio 1,87; 1,03 bis 3,41) und der Stürze mit Kranken­haus­auf­enthalt (Hazard Ratio 2,48; 1,13 bis 5,46) war sogar erhöht.

Die Studie liefert deshalb keinen Grund für die Verordnung von Vitamin D an gesunde Senioren, bei denen die Vitamin D-Werte nur leicht vermindert sind und kein anderer Grund für eine Substitution besteht. Die Ergebnisse bestätigen eine Empfehlung der US Preventive Services Task Force aus dem Jahr 2018.

Das Expertengremium kam nach der Auswertung vorhandener Studien zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Belege für eine Behandlung mit Vitamin D von älteren Menschen zum Schutz vor Knochenbrüchen gibt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 23:50

Sie haben Recht....

die Verminderung von KnochenBRÜCHEN war nicht Gegenstand der Studie - es ging um die Verhinderung der Ursache von Knochenbrüchen, nämlich von Stürzen. Natürlich führen weniger Stürze auch zu weniger Knochenbrüchen...
Und offensichtlich ergaben sich zumindest deutliche Hinweise darauf, dass das Sturzrisiko bei D3-Dosierungen über 1000µ ANSTEIGT!
Wer also Senioren hochdosiertes Vitamin D3 empfiehlt, schadet der Gesundheit der Patienten.
D3-Tabletten mit mehr als 1000µ müssen also schleunigst aus den Drogerieregalen verschwinden!
Avatar #13
blatt
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 21:57

Ganz ruhig

Die Studie ist in den Annals of Internal Medicine erschienen, dies ist eine Zusammenfassung mit einem Fehler am Ende. Beschweren Sie sich auch bei den Annals? Hier nochmals zum Nachlesen
https://www.eurekalert.org/pub_releases/2020-12/acop-hdo120120.php

Ansonsten schreiben Sie gern den Autor an:

Lawrence J. Appel, MD, Welch Center for Prevention, Epidemiology and Clinical Research, 2024 East Monument Street, Room 2-642, Baltimore, MD 21287; e-mail, lappel@jhmi.edu.





Avatar #621880
Puls123
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 21:44

Unseriöse und peinliche Berichterstattung im DÄ

... Herr Kollege Schätzler hat auch Recht - aber alleine, diese blödsinnige Studie, die einen Surrogatmarker für Sturzrisiko durch Korrektur des Surrogatmarkers (für Unterernährung, mangelnde Bildung, Training, frailty-Syndrom usf) zu zitieren, wäre nicht notwendig gewesen.
Wer schaut Ihren online-Redakteuren eigentlich noch über die Schulter? Woher kommt diese qualitative Differenz und (erlebte) Dissonanz zwischen Ihrer online- und der Print-Ausgabe?
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 21:30

Anmerkung an die DÄ-REDAKTION

Wie kommt bloß das Deutsche Ärzteblatt dazu, eine Schlussfolgerung in "The Effects of Four Doses of Vitamin D Supplements on Falls in Older Adults -
A Response-Adaptive, Randomized Clinical Trial" von
Lawrence J. Appel et al. in Form von
"Conclusion: In older persons with elevated fall risk and low serum 25-(OH)D levels, vitamin D3 supplementation at doses of 1000 IU/d or higher did not prevent falls compared with 200 IU/d. Several analyses raised safety concerns about vitamin D3 doses of 1000 IU/d or higher."
derart entstellend und zuvor auch noch irreführend (siehe profbratzke1946) wiederzugeben?

Die Schlussfolgerung hier im DÄ lautet: "
Das Expertengremium kam nach der Auswertung vorhandener Studien zu dem Schluss, dass es keine ausreichenden Belege für eine Behandlung von älteren Menschen zum Schutz vor Knochenbrüchen gibt. © rme/aerzteblatt.de"

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass körperliches und mentales Training eine Standard-Behandlung von älteren Menschen zum Schutz vor Knochenbrüchen ist. Das sogenannte "Expertengremium" hatte sich nur und ausschließlich zu Vitamin D geäußert.

Ich bitte höflichst um entsprechende Korrektur durch die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Lieber Herr Schätzler,

da fehlte das Wort Vitamin D, da haben Sie recht.

Beste Grüße Redaktion DÄ

Avatar #110107
profbratzke1946
am Donnerstag, 7. Januar 2021, 18:24

Studie: Hoch dosiertes Vitamin D

"Das Expertengremium kam nach der Auswertung vorhandener Studien zu dem Schluss, dass es eine ausreichenden Belege für eine Behandlung von älteren Menschen zum Schutz vor Knochenbrüchen gibt. © rme/aerzteblatt.de"
Der Satz ist wohl falsch und es müsste m.E. heißen: "...dass es keine ausreichenden Belege..."
Mit kollegialem Gruß H.Bratzke
LNS

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