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Medizin

Zikavirus: Offenbar keine Geburtsschäden im dritten Trimenon

Freitag, 17. Juni 2016

Atlanta - Die Gefahr von Fehlbildungen nach einer Zika-Infektion in der Schwanger­schaft ist möglicherweise geringer als befürchtet. In Kolumbien, wo die staatlichen Gesundheitsbehörden die Epidemie genau beobachten, ist es bei Frauen, die sich im dritten Trimenon infizierten, bislang in keinem einzigen Fall zu einer Mikrozephalie gekommen. Nach einem Bericht im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1604037) gab es aber vier Erkrankungen, bei denen der Infektionstermin unbekannt ist, weil die Schwangeren die Infektion nicht bemerkten.

Die Zika-Epidemie hat sich im letzten Jahr von Brasilien aus auf die Nachbarländer ausgebreitet, zu den auch Kolumbien gehört. Das Instituto Nacional de Salud in Bogota hat frühzeitig eine Meldepflicht eingeführt. Bis Anfang April sind 11.044 Erkrankungen von Schwangeren gemeldet worden. Von 1.850 Frauen, bei denen die Infektion dem Schwangerschaftsstadium zugeordnet werden konnte, haben sich 616 im dritten Trimenon infiziert. Wie ein Team um Margaret Honein von den US-Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta berichtet, haben 82 Prozent der Frauen, die sich im letzten Trimenon infizierten, ihr Kind geboren. Bislang wurde kein Fall einer Mikrozephalie entdeckt.

Die Ergebnisse bestätigten die bisherigen Erfahrungen, wonach die Zika-Infektion nur in der Frühschwangerschaft zu Fehlbildungen führte. Dies ist biologisch plausibel, weil das Virus Stammzellen im Gehirn infiziert und deren Ausreifung in der Großhirnrinde verhindert. Auch bei der Röteln-Embryopathie ist das Risiko einer Gehirnschädigung in der Frühschwangerschaft am höchsten. Generell ist die embryonale Phase, in der sich die Organe entwickeln, am anfälligsten für genotoxische Schädigungen.

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Da die Zika-Epidemie in Kolumbien erst im Januar ihren Höhepunkt erreicht hat, haben die Frauen, die sich damals in der Frühschwangerschaft befanden, ihr Kind noch nicht geboren. Es muss deshalb damit gerechnet werden, dass noch Kinder mit Mikrozephalie geboren werden. Die Fehlbildung wurde laut Honein inzwischen bei vier Kindern diagnostiziert, deren Mütter sich infiziert hatten. Alle Mütter hatten die Infektion nicht bemerkt.

Dies zeigt, dass – wie bei den Röteln – auch eine asymptomatische Zika-Infektion zu einer Schädigung des Embryos führen kann. Bei weiteren 20 Frauen, die ein Kind mit Mikrozephalie gebaren, bestätigt sich der Verdacht übrigens nicht. Bei diesen Kindern wurde die Diagnose STORCH gestellt. Das Akronym STORCH steht für Syphilis, Toxoplasmose, anderer (other) Erreger, Röteln, Cytomegalie oder Herpes. Diese Erreger sind bekannte Auslöser einer Mikrozephalie. © rme/aerzteblatt.de

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