Politik

Netzwerk Universitätsmedizin: Auf dem Weg zur eigenständigen Institution

  • Mittwoch, 21. Januar 2026
/Mdisk, stock.adobe.com
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Berlin – Das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) soll noch in diesem Jahr zu einer eigenständigen Institution umgebaut werden. Im Zuge dessen soll auch die NUM-Koordinierungsstelle aus der Charité – Universitätsmedizin Berlin heraus in eine unabhängige NUM-Entität überführt werden. Bund und Ländern würden für die geplante Institutionalisierung gerade die notwendigen formalen Grundlagen schaffen, sagte heute Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU).

„Das NUM ist es ein Glanzstück der Kooperation“, lobte Bär auf der 3. NUM-Convention in Berlin. Bereits in den Koalitionsverhandlungen vor knapp einem Jahr sei in Bezug auf das NUM immer wieder das Wort „Erfolgsmodell“ gefallen, verriet sie. Es sei nun folgerichtig, dass das Kooperationsprojekt aller 37 Universitätskliniken in Deutschland zur Institution werde.

„Kooperation statt Wettbewerb“ sei von Anfang an das Leitprinzip im NUM gewesen, bestätigte Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Wir haben gezeigt, dass das funktioniert und echten Mehrwert generiert.“ Dass das NUM für diesen kooperativen Ansatz in Zukunft eine dauerhafte institutionelle Heimat haben werde, sei ein „großartiges Ergebnis“.

Damit sei nicht unbedingt zu rechnen gewesen, als man sich mit dem NUM mitten im Lockdown im März 2020 „praktisch im Kaltstart“ auf den Weg gemacht habe, resümierte Kroemer, dessen Tätigkeit als NUM-Projektleitung im Zuge der NUM-Verstetigung enden wird. Grundvoraussetzungen für den Erfolg des NUM seien auch das Vertrauen und die konsequente Unterstützung des Bundesforschungsministeriums als Förderer, betonte er. „Dafür brauchte es im Ministerium den Mut, gegen teils erhebliche Widerstände unkonventionelle neue Wege zu gehen.“

Zum Hintergrund: Bereits im November 2025 beschloss der Haushaltsausschuss des Bundestags in seiner Bereinigungssitzung, dass im Bundeshaushalt für 2026 erstmals ein eigener institutioneller Titel für das NUM geschaffen werden soll. Durch das mittlerweile in Kraft getretene Haushaltsgesetz ist der Weg für die Verstetigung des NUM frei.

Zuvor nahm das NUM, das sich im April 2020 als Reaktion auf die COVID-19-Pandemie in wenigen Jahren zu einem zentralen Akteur der deutschen Universitätsmedizin entwickelte, schon einige Hürden. Eine der größeren war der Start der dritten Förderphase im Sommer vergangenen Jahres.

Trotz einer schwierigen Haushaltslage wurde mit ihr der Weiterbetrieb des bundesweiten, interdisziplinären Netzwerks gesichert. Zugleich stellte das Ministerium bereits damals eine Verstetigung des NUM in Aussicht – ein Schritt, der zuvor im Koalitionsvertrag angekündigt und in der „Hightech Agenda Deutschland“ weiter konkretisiert wurde.

Seit dem 1. Juli 2025 und dem Start der neuen Förderphase ist das NUM organisatorisch und strategisch klar auf einen langfristigen Betrieb ausgerichtet. Die Steuerung des Netzwerks wurde entsprechend angepasst: Die Nationale Task Force, die in der Hochphase der Pandemie für das Krisenmanagement zuständig war, wurde durch den NUM-Koordinierungsausschuss (NKA) ersetzt. Gemeinsam mit der NUM-Koordinierungsstelle an der Charité – Universitätsmedizin Berlin steuert er bislang das Netzwerk.

Durch das Netzwerk ist es erstmals möglich, medizinische Forschungsdaten aller 37 Universitätsklinika gemeinsam zu erheben und zu nutzen. Konkret ermöglicht die NUM-Infrastruktur, Versorgungsdaten interoperabel und datenschutzgerecht standortübergreifend bereitzustellen. Für die nächste Entwicklungsstufe ist vorgesehen, die Verzahnung von Versorgungs- und Forschungsdaten weiter zu stärken – mit Blick auf Datenqualität, Interoperabilität und konkrete Nutzungsperspektiven, etwa für klinische Entscheidungsunterstützung, KI-Modelle oder personalisierte Therapien.

Ein weiteres Ziel ist die systematische Vorbereitung der klinischen Forschung auf zukünftige Pandemien und andere große Krisen der öffentlichen Gesundheit – etwa durch schnelle Evidenzgenerierung, Monitoring und Surveillance. Schließlich soll sich das NUM als zentraler Ansprechpartner der Universitätsmedizin auf Bundesebene etablieren, um politischen und wissenschaftlichen Stakeholdern einen effizienten Zugang zur gesamten deutschen Universitätsmedizin zu eröffnen.

Kennzeichnend für das Netzwerk sei, wie Kroemer heute erneut betonte, sein konsequent kooperativer Ansatz. Tatsächlich unterstützt das NUM ausschließlich Verbundprojekte, an denen möglichst viele Universitätsklinika beteiligt sind. Die Federführungen verteilen sich über die gesamte deutsche Universitätsmedizin, häufig liegt sie bei vier Standorten pro Projekt.

Zusätzliches Potenzial sieht Kroemer jedoch noch bezüglich einer intensiveren Zusammenarbeit mit der Industrie – ein Thema, das bei der heutigen 3. NUM-Convention vertieft wurde. „Sowohl internationale Gutachterinnen und Gutachter als auch der Förderer haben uns die verstärkte Zusammenarbeit mit der Industrie ausdrücklich ins Stammbuch geschrieben“, so der Charité- Vorstandsvorsitzende.

Wie groß das politische Interesse an diesem Thema sei, sehe man unter anderem an der Resonanz, die der gemeinsame Vorschlag von NUM und Industrie zum Aufbau einer nationalen Biobank-Plattform hervorgerufen habe. Dies sei ein Beispiel für eine positive Industrie-Academia-Kooperation.

Zur Erinnerung: Im Juli 2025 ist das German Biobank Network (GBN) in das NUM integriert worden. Unter dem etablierten Namen GBN werden seitdem die Aktivitäten des German Biobank Node und der German Biobank Alliance gebündelt. Das GBN koordiniert somit die Zusammenarbeit von humanen Biobanken an Universitätsklinika und Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland. Entstehen soll eine national übergreifende „Biobank-Plattform für Deutschland“.

Auf das Konzept verständigte sich das NUM mit dem German Biobank Network sowie Industrie- und Pharmaverbänden sowie der Deutsche Hochschulmedizin und der TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung.

Geplant ist eine zentrale digitale Plattform, die einen Überblick über Bioprobenbestände und zugehörige Daten bietet, Forschungsanfragen koordiniert und durch eine Servicestelle unterstützt wird. Millionen in Deutschland lagernde Gewebe- und Flüssigproben sollen so für die Forschung nutzbar gemacht werden – unter höchsten Qualitäts-, Datenschutz- und Ethikstandards.

ER

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