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Nib Soehendra: Pionier der endoskopischen Chirurgie

Dtsch Arztebl 2016; 113(21): A-1051 / B-883 / C-867

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Prof. Dr. med. Nib Soehendra (73) gehört zu den Wegbereitern der minimalinvasiven Chirurgie. In der gastrointestinalen Endoskopie trug er maßgeblich zur Verbreitung neuer Untersuchungs- und Behandlungsverfahren bei.

Prof. Dr. med. Nib Soehendra (73) gehört zu den Wegbereitern der minimalinvasiven Chirurgie. In der gastrointestinalen Endoskopie trug er maßgeblich zur Verbreitung neuer Untersuchungsund Behandlungsverfahren bei. Foto: privat
Prof. Dr. med. Nib Soehendra (73) gehört zu den Wegbereitern der minimalinvasiven Chirurgie. In der gastrointestinalen Endoskopie trug er maßgeblich zur Verbreitung neuer Untersuchungsund Behandlungsverfahren bei. Foto: privat

Die endoskopische Chirurgie hat in den vergangenen 30 Jahren kaum ein anderer so nachhaltig geprägt wie Prof. Dr. med. Nib Soehendra. Früh erkannte er die Innovationspotenziale in der gastrointestinalen Endoskopie und trug maßgeblich zur Verbreitung neuer Untersuchungs- und Behandlungsverfahren bei. Er war führend beim Auf- und Ausbau der therapeutischen Endoskopie und erfinderisch bei der Entwicklung dafür notwendiger Instrumente. Nicht zuletzt ist es Soehendra zu verdanken, dass Deutschland als Mutterland der Endoskopie und Hamburg als Zentrum auf diesem Gebiet gelten. Er war ein allseits geschätzter und engagierter Hochschullehrer, der sich in besonderer Weise für die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen aus dem In- und Ausland einsetzte.

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Nib Soehendra wurde am 1. Oktober 1942 in Jakarta als Sohn chinesischer Immigranten geboren und wuchs dort mit sechs Geschwistern auf. Seine Eltern kamen als Flüchtlinge nach Indonesien. Der Vater Thai Oe Na war Kaufmann, seine Mutter Oen Jioe Tan organisierte den Haushalt der neunköpfigen Familie. Sie sorgte dafür, dass ihr Sohn Keng Bin Na – so lautet Soehendras Geburtsname – nach dem Abitur 1960 und einem Studienjahr im Fach Biologie als 19-Jähriger zum Medizinstudium nach Hamburg kam, wo er sich 1961 an der Universität immatrikulierte. Soehendra promovierte 1968 mit einer Dissertation über das morphologische und sekretorische Verhalten der Corpusschleimhaut des Magens bei Personen aus magenkrebsbelasteten Familien. Seine berufliche Karriere begann am Ma-rienkrankenhaus in Hamburg, wo er ab 1969 als Assistenzarzt arbeitete. Seinem Mentor Prof. Dr. med. Hans-Wilhelm Schreiber folgte er 1973 an die Chirurgische Abteilung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dort erhielt er 1975 seine Anerkennung als Facharzt für Chirurgie und begann mit dem Aufbau der Arbeitseinheit Endoskopie. Ein Jahr später habilitierte er sich mit einer Arbeit zur therapeutischen Endoskopie. Ab 1981 war er Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg. Von 1989 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 leitete er die Abteilung für Endoskopische Chirurgie und anschließend die Klinik und Poliklinik für Interdiszi-plinäre Endoskopie.

Nib Soehendra begann seine Ausbildung in einer Zeit, die als die „goldene Ära der Endoskopie“ gilt und an der deutsche Ärzte maßgeblichen Anteil hatten. Er erkannte die große Chance in der Weiterentwicklung der Verfahren, mittels derer man sehr viel direkter und genauer als durch Röntgen krankhafte Veränderungen im Körperinneren erkennen kann und mit denen sich gleichzeitig operative Eingriffe durchführen lassen. Soehendra gehört zu den Wegbereitern der minimalinvasiven oder „Schlüsselloch-Chirurgie“ und damit zu den Protagonisten einer für Patienten im Vergleich zur offenen Chirurgie sehr viel schonenderen Operationstechnik. 1978 legte er zur Wiederherstellung des Sekretabflusses als weltweit Erster einem Patienten endoskopisch einen Stent in den Gallengang. Zum Entfernen von Gallengang- und Prankreasgang-Stents entwarf er den nach ihm benannten Stent-Retriever – eines aus einer ganzen Reihe weiterer endoskopischer Instrumente, die er entwickelt hat: Der Soehendra-Lithothriptor zur Zertrümmerung von Steinen im Gallengang; der Soehendra-Universalkatheter aus Teflon zur primären Sondierung bei Strikturen.

Nib Soehendra erzielte wegweisende Behandlungserfolge bei der nichtoperativen Stillung akuter Blutungen von Krampfadern in der Speiseröhre und im Magen durch Einsatz des Gewebeklebers. Mit der Gummibandligatur und einer anschließenden konsequenten Sklerosierung zur Verhinderung von Rezidiven erzielte er nachhaltige Therapieerfolge. Die endoskopische Eradikation von Ösophagusvarizen brachte im Vergleich zur konventionellen Sklerotherapie schnellere Ergebnisse bei deutlich niedrigerer Komplikationsrate.

Nach 35 Jahren Tätigkeit als Chirurg und Hochschullehrer wurde Nib Soehendra 2008 in den Ruhestand verabschiedet. Bis heute arbeitet er noch tageweise in der Gemeinschaftspraxis „Endoskopie am Glockengießerwall“. Und nach wie vor ist er Mitglied im Advisory Board der englischsprachigen Zeitschrift „Endoscopy“.

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