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Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Auf der Zielgeraden

Dtsch Arztebl 2019; 116(21): A-1050 / B-865 / C-853

Bühring, Petra

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Sachverständige forderten bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss zum Gesetzentwurf der Bundesregierung vor allem Nachbesserungen zu den im Psychotherapiestudium vorgesehenen Praxisanteilen, zu den Übergangsregelungen und zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildung.

Sachverständige haben die Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags trotz zum Teil grundsätzlicher Bedenken weitgehend positiv beurteilt. Die wichtigsten Forderungen zur Nachbesserung betreffen vor allem Übergangsregelungen für die derzeitigen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Ausbildung sowie Studierenden und die Finanzierung der ambulanten Weiterbildung. Die Meinungen darüber, ob die im Gesetzentwurf vorgesehenen Praxisanteile während des Studiums ausreichend seien oder nicht, gingen auseinander.

„Der Entwurf aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium löst die Probleme der Ausbildung und der bisherige Sonderweg wird aufgehoben. Die staatliche Abschlussprüfung gewährleistet eine hohe Qualität in der Patientenversorgung und künftige Psychotherapeuten erhalten eine klare berufs- und tarifrechtliche Situation“, erklärte die Einzelsachverständige Prof. Dr. rer. nat. Cornelia Exner, Institut für Psychologie der Universität Leipzig.

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Weichenstellung für Vergütung

„Wir sind zufrieden mit dem Gesetzentwurf, auch wenn es noch Änderungsbedarf gibt“, sagte der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), Dr. rer. nat. Diet-rich Munz. „Die Weichenstellung für die Vergütung der Weiterbildung ist erfolgt und künftige Psychotherapeuten werden dabei im Angestelltenverhältnis mit einem angemessenen Gehalt arbeiten können.“ Die konkrete Finanzierung müsse aber noch geregelt werden. Bündnis 90/ Die Grünen hatten in einem Antrag vorgeschlagen, eine Zusatzfinanzierung der ambulanten Weiterbildung analog zur Förderung der Weiterbildung von Hausärzten gemäß § 75 a SGB V vorzusehen oder alternativ einen Bundesfonds.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hatte zwar begrüßt, dass die Bundesregierung auf Kritik der Ärzte reagiert und unter anderem den Modellstudiengang Psychopharmakotherapie gestrichen habe. Die Kurskorrektur gehe aber nicht weit genug. Bei der Anhörung verdeutlichte Dr. med. Heidrun Gitter, Beauftragte der BÄK für die ärztliche Psychotherapie: „Wichtig ist, dass vor Erteilung der Approbation ein Praktisches Jahr oder ein Praxissemester in das Studium integriert wird.“ Darüber hinaus sollte die staatliche Abschlussprüfung nach dem Studium nicht nur mündlich erfolgen, sondern auch schriftlich. Beide Forderungen vertrat auch Prof. Dr. med. Sabine Herpertz, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Sie sprach sich zudem dafür aus, den Aspekt des interprofessionellen Arbeitens in das Studium zu integrieren.

Gegen ein zusätzliches Praxissemester oder -jahr sprach sich die Vertreterin der Studierenden der Psychologie, Katharina Janzen, aus: „Wir finden die vorgesehene Verbindung von Theorie und Praxis sehr sinnvoll und ausreichend.“ Unterstützung fand sie beim Präsidenten der BPtK: „Die praktischen Erfahrungen sind bereits gut integriert – allein im Masterstudium sind 26 Wochen Berufspraxis vorgesehen.“

Gegen Ungleichbehandlung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bemängelte in ihrer Stellungnahme zur Anhörung unter anderem, dass der Gesetzentwurf konkrete Übergangsregelungen für eine Verbesserung der aktuellen Ausbildungssituation vermissen lasse. Vorgesehen ist lediglich eine Übergangsfrist von zwölf Jahren. „Die Bedingungen vor allem während der praktischen Tätigkeit sollten jetzt adressiert werden, um eine Ungleichbehandlung der verschiedenen Stränge von Ausbildungsteilnehmern zu vermeiden“, schreibt die KBV. Petra Bühring

Grundzüge der Ausbildungsreform

Kernstück des Gesetzentwurfs der Bundesregierung zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung ist ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie, das aus einem dreijährigen Bachelorstudium und einem zweijährigen Masterstudiengang an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule bestehen soll. Hochschulische Lehre und berufspraktische Einsätze sollen in einer – noch ausstehenden – Approbationsordnung näher vorgegeben werden. Die Approbation kann nach einer staatlichen Prüfung künftig bereits nach dem Psychotherapiestudium beantragt werden. In der anschließenden Weiterbildung (WB) werden die Fachkunde in einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren erworben sowie Schwerpunkte in der Behandlung von Erwachsenen oder Kindern und Jugendlichen gesetzt. Danach kann der Eintrag in das Arztregister erfolgen und die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung beantragt werden. Die ambulante WB soll an den bewährten Ausbildungsinstituten und -ambulanzen ausgerichtet sein, die dann in Weiterbildungsinstitute umbenannt werden. Die stationäre WB soll künftig im Angestelltenverhältnis mit einer entsprechenden Vergütung erfolgen.

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