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Elektronisches Rezept: An den Endverbraucher denken

Dtsch Arztebl 2019; 116(31-32): A-1407 / B-1163 / C-1147

Schmedt, Michael

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Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur
Michael Schmedt, Stellv. Chefredakteur

Wenn Ärzte selbst über die Rezeptform entscheiden sollen, dann wird es noch 100 Jahre dauern, bis das elektronische Rezept flächendeckend zur Verfügung steht“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, in der vergangenen Woche dem Handelsblatt. Was war passiert? Bremsen Ärztinnen und Ärzte die E-Health-Entwicklungen, wie so oft von politischer Seite kritisiert? Mitnichten, denn es ging schlicht um die Frage, ob Ärzte nach dem Start des elektronischen Rezeptes (E-Rezept) verpflichtet sind, ein solches auszustellen.

Zur Erinnerung: Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) Anfang Juni die die Selbstverwaltung beauftragt, bis 2020 die notwendigen Regelungen für die Verwendung des E-Rezepts zu schaffen. Von den Vorteilen dieser Anwendung waren und sind alle Beteiligten (Ärzte, Apotheker, Krankenkassen und Patienten) überzeugt. Das gilt insbesondere für Fälle, in denen die Arzneimittel nicht in der Apotheke vorhanden sind, aber auch für Folgeverordnungen. Und erst recht für Videosprechstunden, denn welcher Patient will schon eine Videosprechstunde nutzen und dennoch zum Arzt gehen müssen, um das Rezept abzuholen?

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Aber kommen wir zur Kritik der Grünen-Politikerin Klein-Schmeink zurück. Diese ist ein Paradebeispiel dafür, wie man schnell lospoltern kann, ohne dass irgendetwas passiert ist. Denn Auslöser war der Wunsch der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), das E-Rezept für den Arzt nicht zwangsweise einzuführen. Nachvollziehbar, denn dass Patienten sich mit der Technik nicht auskennen – ein Manko, was bei der Digitalisierung viel zu selten beachtet wird – oder schlicht kein E-Rezept wollen, sind realistische Szenarien.

Zudem müssen dem Gesetzesauftrag zufolge noch detaillierte Regelungen und technische Voraussetzungen geschaffen werden. Das ist entscheidend dafür, wie schnell und reibungslos die Handhabung des E-Rezepts funktioniert. Die Fragen liegen auf der Hand: Wie stellt der Arzt ein E-Rezept aus und wie bekommt es der Patient beziehungsweise die Apotheke? Wer muss sich wie und wo authentifizieren? Und vor allem, welche Zeit nehmen die einzelnen Schritte in Anspruch? Letzteres ist ein sehr wichtiger Punkt für die Praxisorganisation. Patienten werden kein Verständnis dafür haben, wenn sie länger auf ein digitales als auf ein analoges Rezept warten. Den Ärger bekommen die Praxismitarbeiter ab, nicht der Gesetzgeber.

Dass das E-Rezept kommen muss, ist unbestritten. Zwang ist nicht angebracht, was das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium inzwischen auch eingesehen hat. Ärzte können künftig unter Berücksichtigung des individuellen Patientenwunsches die geeignete Rezeptform wählen, so die KBV.

Die kurze Diskussion um die verpflichtende Einführung des E-Rezepts und die reflexartige Kritik an den ärztlichen Forderungen macht zum wiederholten Mal deutlich, dass bei digitalen Anwendungen – wie in der Wirtschaftsbranche seit Langem üblich – der Endverbraucher die entscheidende Rolle spielen sollte: hier also Arzt und Patient. Zu diesen zählen die sogenannten Digital Natives genauso wie diejenigen, die sich an die digitalen Zeiten in der Medizin erst noch gewöhnen müssen. Präventive Kritik hilft da wenig.

Michael Schmedt
Stellv. Chefredakteur

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Avatar #110206
kairoprax
am Montag, 5. August 2019, 08:02

Dass das E-Rezept kommen muss, ist unbestritten ?

Wenn das angeblich unbestritten ist, ist es an der Zeit, es einmal deutlich zu bestreiten.

Es ist so ähnlich wie mit dem Bargeld. Brauchen wir's noch oder wollen wir nur noch E-Cash?
Es ist wie mit den E-Books. Wer will denn noch Bücher aus Papier? Es ist wie mit den Steuererklärungen.
Brauchen wir wirklich noch Steuerberater?
Es ist wie mit dem Cyber-Sex. Brauchen wir überhaupt noch den persönlichen Kontakt?

Ach, ich hätte diesen Brief besser mit der Gelben Post schicken sollen. Aber brauchen wir noch die Post? In meinem kleinen Ort gibt es keine Poststation mehr. Nur noch ein Geschäft, in dem man Päckchen und Briefe annimmt.

Kriege werden mit Drohnen ausgetragen.
Geldwäsche passiert mit Bitcoin.
Wahlen werden mittels elektronischer Geräte besser manipuliert als über Wahlzettelfälschungen.
Goldreserven sind nur deswegen noch da, weil Gold keine Halbwertszeit hat und nicht schimmelt.

Also, jetzt geht es um das elektronische Rezept!

Die Menschheit wartet darauf, ebenso wie sie auf die Telemedizin gewartet hat. Weil es keine Patienten sind, keine Kranken, keine Hilfesuchenden, sondern ... Endverbraucher.

Endverbraucher!

Wer steht eigentlich am Kopf dieser medikamentösen Nahrungskette, wenn Patienten am Ende derselben stehen?
Mir graust bei dem Gedanken, irgendjemand könnte diese Frage offen und ehrlich beantworten ...

Dr.Karlheinz Bayer
Avatar #110206
kairoprax
am Montag, 5. August 2019, 08:01

Dass das E-Rezept kommen muss, ist unbestritten ?

Wenn das angeblich unbestritten ist, ist es an der Zeit, es einmal deutlich zu bestreiten.

Es ist so ähnlich wie mit dem Bargeld. Brauchen wir's noch oder wollen wir nur noch E-Cash?
Es ist wie mit den E-Books. Wer will denn noch Bücher aus Papier? Es ist wie mit den Steuererklärungen.
Brauchen wir wirklich noch Steuerberater?
Es ist wie mit dem Cyber-Sex. Brauchen wir überhaupt noch den persönlichen Kontakt?

Ach, ich hätte diesen Brief besser mit der Gelben Post schicken sollen. Aber brauchen wir noch die Post? In meinem kleinen Ort gibt es keine Poststation mehr. Nur noch ein Geschäft, in dem man Päckchen und Briefe annimmt.

Kriege werden mit Drohnen ausgetragen.
Geldwäsche passiert mit Bitcoin.
Wahlen werden mittels elektronischer Geräte besser manipuliert als über Wahlzettelfälschungen.
Goldreserven sind nur deswegen noch da, weil Gold keine Halbwertszeit hat und nicht schimmelt.

Also, jetzt geht es um das elektronische Rezept!

Die Menschheit wartet darauf, ebenso wie sie auf die Telemedizin gewartet hat. Weil es keine Patienten sind, keine Kranken, keine Hilfesuchenden, sondern ... Endverbraucher.

Endverbraucher!

Wer steht eigentlich am Kopf dieser medikamentösen Nahrungskette, wenn Patienten am Ende derselben stehen?
Mir graust bei dem Gedanken, irgendjemand könnte diese Frage offen und ehrlich beantworten ...

Dr.Karlheinz Bayer
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