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Planungsrelevante Qualitätsindikatoren: Neue Erkenntnisse für die Länder

Dtsch Arztebl 2019; 116(48): A-2219 / B-1817 / C-1769

Hillienhof, Arne; Osterloh, Falk

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Zum zweiten Mal hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss seinen Bericht über unzureichende Qualität an deutschen Krankenhäusern in drei Leistungsbereichen vorgelegt. Betroffen ist vor allem die Geburtshilfe. Mängel sind jedoch relativ selten.

Foto: GordonGrand/stock.adobe.com
Foto: GordonGrand/stock.adobe.com

Eines der Kernstücke des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) aus dem Jahr 2015 war die Einführung der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren. Mit ihnen sollten die Bundesländer in die Lage versetzt werden, ihre Krankenhausplanung an Qualitätsmerkmalen auszurichten. Ausgewählt wurden elf Indikatoren aus den Bereichen „gynäkologische Operationen“, „Geburtshilfe“ und „Mammachirurgie“.

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Zum zweiten Mal hat nun das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) seinen „Bericht zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren“ erstellt. Dafür hat das Institut Daten aus dem Jahr 2018 aus 1 063 Krankenhausstandorten ausgewertet. Dabei fanden die Prüfer 213 statistische Auffälligkeiten, von denen nach einem Datenvalidierungsverfahren noch 113 an 105 Standorten übrig blieben. Für diese Standorte fand ein Stellungnahmeverfahren mit einer Fachkommission und dem IQTIG statt. 66 statistische Auffälligkeiten an 62 Standorten wurden darin als „unzureichende“ Qualität eingestuft. „In 47 Fällen wurden dagegen die von Krankenhäusern vorgebrachten Gründe für die Auffälligkeiten als Ausnahmetatbestand anerkannt“, heißt es in dem Bericht. „Bei ihnen weist die statistische Auffälligkeit nicht auf ein Problem in der Qualität hin, sondern auf eine besondere Versorgungssituation, die im Stellungnahmeverfahren gewürdigt wurde.“

Krankenhäuser reagieren

Die häufigsten Fälle von unzureichender Qualität bezogen sich auf den Indikator „Anwesenheit eines Pädiaters bei einer Frühgeburt“ in dem Leistungsbereich „Geburtshilfe“ (21 Fälle) sowie auf den Indikator „Intraoperative Präparatradiografie oder intraoperative Präparatsonografie bei sonografischer Drahtmarkierung“ im Leistungsbereich „Mammachirurgie“ (ebenfalls 21 Fälle). In elf Fällen wurde die Qualität als unzureichend eingestuft, weil die Zeit von der Entscheidung, einen Notkaiserschnitt durchzuführen, bis zur Entbindung bei über 20 Minuten lag.

Bei acht der untersuchten Standorte sei zum wiederholten Mal ein Indikatorergebnis mit „unzureichender“ Qualität bewertet worden, schreibt das IQTIG in seinem Bericht. Diese Ergebnisse bezogen sich 2018 alle auf den Bereich „Mammachirurgie“. „Ähnlich wie im Vorjahr zeichneten sich bereits im Rahmen des Stellungnahmeverfahrens weitere Folgen des Verfahrens ab“, heißt es weiter in dem Bericht. „So informierten Standorte – besonders im Bereich der Mammachirurgie – über die seit 2018 bei ihnen bestehenden leitlinienangepassten Behandlungsalternativen sowie dahingehende interne Handlungsanweisungen sowie Mitarbeiterschulungen.“

Elisabeth Pott, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung, betonte bei der Veröffentlichung des Berichts: „Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch für den zweiten Bericht gilt, dass es nicht zulässig ist, aufgrund einzelner Ergebnisse aus einzelnen Behandlungsbereichen auf die Qualität einer Krankenhausabteilung oder eines gesamten Krankenhauses zu schließen.“

Der Deutschen Krankenhausgesellschaft zufolge zeigt der Bericht „die qualitativ hochwertige Versorgung“, wenn es an nur 62 von 1 063 untersuchten Krankenhausstandorten zu Abweichungen bei einzelnen Indikatoren gekommen sei.

Dr. med. Arne Hillienhof, Falk Osterloh

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