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Bürokratie: Leichter Rückgang bei Papierarbeit

Dtsch Arztebl 2019; 116(48): A-2220 / B-1818 / C-1770

Beerheide, Rebecca

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Der Bürokratieabbau in Arztpraxen kommt in kleinen Schritten voran: In den vergangenen Monaten konnte knapp ein Arbeitstag bei der Bürokratie eingespart werden. Immer noch werden 91 Prozent der Belastungen durch nur sechs Prozent der Informationspflichten ausgelöst.

Formulare, Anfragen und Papierarbeit bedeuten für Praxen bis zu 60 Arbeitstage pro Jahr. Foto: picture alliance/BSIP
Formulare, Anfragen und Papierarbeit bedeuten für Praxen bis zu 60 Arbeitstage pro Jahr. Foto: picture alliance/BSIP

Der Zeitaufwand für Bürokratie ist in Vertragsarzt- und Vertragspsychotherapeutenpraxen erstmals seit drei Jahren etwas gesunken: Aus den Daten des vierten Bürokratieindexes für Ärzte und Psychotherapeuten (BIX) geht hervor, dass der bürokratische Aufwand 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 1,93 Prozentpunkte gesunken ist und nun bei 55 Millionen Nettoarbeitsstunden liegt. Damit verwenden Praxen 60,1 Arbeitstage auf Bürokratie. Im Vergleich zu 2018 wurde damit ein Arbeitstag für Papierarbeit eingespart: Im Report für 2018 wurden noch 61,3 Tage ausgewiesen. Gemessen wird im BIX nur die von der gemeinsamen Selbstverwaltung auferlegten Informationspflichten. In der Erhebung nicht enthalten sind die Arbeitszeiten, die für Auskünfte oder Papierformulare von Bundes- oder Landesgesetzen sowie Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen oder Kommunen aufgewendet werden müssen. Auch die Auskünfte gegenüber privaten Kran­ken­ver­siche­rungen werden hier nicht gezählt. Der BIX wird jährlich im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) von der Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) erstellt.

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410 Informationspflichten

Zwischen 2018 und der Erhebung 2019 sind 29 Informationspflichten dazu gekommen, 15 wurden im Gegenzug abgeschafft. Damit gibt es inzwischen 410 Informationspflichten. Bei 125 Informationspflichten habe sich der Aufwand verringert, bei 123 Pflichten ist der Aufwand konstant geblieben. „Dies zeigt, dass die Regulierungsdichte in der Selbstverwaltung weiter ansteigt“, heißt es in dem Bericht. Demnach lassen sich die Informationspflichten, die Praxisärzte erfüllen müssen in vier Themenfelder aufgliedern: 258 Pflichten gehören zum Bereich der „Qualität in der Versorgung“, die aber nur 28 Prozent der Arbeitsstunden ausmachen. Der Bereich „Verordnungen und Bescheinigungen“ umfasse 46 Pflichten, die „aufgrund hoher Fallzahlen und aufwendiger Pflichten“ mit 37 Prozent der Arbeitsstunden zu verbuchen sind.

Dazu gehört als Spitzenreiter seit Jahren: das Ausstellen von Überweisungen. In Arztpraxen werden mehr als 199,5 Millionen Formulare ausgestellt, das sind umgerechnet fast sechs Millionen Arbeitsstunden pro Jahr (siehe Tabelle) und etwa zwei Minuten Zeitaufwand pro Fall. Mit weitem Abstand dahinter folgen Auskünfte an Krankenkassen und den Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) auf entsprechenden Vordrucken. Trotz geringerer Fallzahl (26,7 Millionen) ist die Gesamtarbeitszeit bei diesen Vordrucken mit rund 5,7 Millionen Stunden höher als bei der Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit (AU): Dafür werden über 80,7 Millionen Formulare jährlich ausgestellt, mit einer Arbeitszeit von etwa vier Minuten pro Fall und damit fünf Millionen Stunden insgesamt. Wie auch in den Jahren zuvor steigt die Zahl der AU deutlich an. Hierbei handelt es sich um eine „fallzahlbedingte Entwicklung“, heißt es im BIX. Da es in Deutschland weiterhin eine steigende Beschäftigung gebe, steige die Zahl der Menschen, die eine Krankschreibung bekommen können. Hier wird für 2019 die zusätzliche Belastung um 31 000 Stunden auf insgesamt 4,96 Millionen Arbeitsstunden berechnet.

Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019
Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019
Tabelle
Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019

Mehr Aufwand für Screening

Besonders gestiegen ist der bürokratische Aufwand durch die Änderungen bei der Dokumentation des Hautkrebsscreenings: Durch einen Beschluss im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) vom 18. Januar 2018 müssen insbesondere Dermatologen nun mehr Informationen dokumentieren als bisher. Laut BIX steigen somit bei einer jährlichen Fallzahl von 3,3 Millionen Screenings die Nettoarbeitsstunden um mehr als 32 000.

Eine weitere steigende Belastung verursacht die Verordnung von Krankenbeförderung, die jährlich 51,7 Millionen Mal ausgestellt wird. Aufgrund der höheren Fallzahlen ist hier der bürokratische Aufwand um 0,8 Prozentpunkte gestiegen. Das bedeutet zusätzliche 30 000 Arbeitstunden in 2019. Insgesamt werden 3,9 Millionen Arbeitsstunden für diese Formulare verwendet. Hintergrund ist ebenfalls eine Entscheidung des G-BA sowie die steigende Morbidität der Bevölkerung.

Entlastungen identifiziert

Der Bericht identifiziert auch fünf Entlastungen der vergangenen zwölf Monate: So wurde mit der Änderung der Gesundheitsuntersuchungsrichtlinie ab Oktober 2018 das Ausfüllen und Archivieren des Berichtsvordrucks der Gesundheitsuntersuchung (Muster 30) verändert. Damit wurden rund 500 000 Stunden eingespart. Eine weitere Bürokratieentlastung haben die Studienautoren der FHM bei der „Erhebung Daten im Ersatzverfahren“ – sprich die Dokumentation von Versichertendaten aus der Patientenstammdatei per Hand, wenn die Karte im Quartal nicht vorlag – festgestellt: Hier seien 329 000 Arbeitsstunden eingespart worden. „Es kann vermutet werden, dass der Rückgang der Fallzahl durch weniger fehlerhafte Gesundheitskarten, die Probleme beim Einlesen verursachen, oder weniger häufiges Vergessen der Karte durch den Patienten bedingt ist“, schreiben die Studienautoren rund um Prof. Dr. Volker Wittberg von der FHM und Leiter des Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau.

Auch die Jahre zurückliegende Abschaffung der Praxisgebühr wirkt sich weiterhin auf einen Rückgang bei der Ausstellung der Überweisungen aus. Zwar sei dies prozentual gesehen nicht mehr viel, aber auch hier werden weiterhin jährlich 35 000 Arbeitsstunden eingespart. Bei einer Zahl von fast 200 Millionen Überweisungen seien „kleinere Veränderungen in absoluten Zahlen nicht unerheblich.“

Digitalisierung nutzen

Insgesamt kommen die Studienautoren zum Schluss, dass bei weiteren Bemühungen zum Bürokratieabbau bei den „Massenpflichten“, wie der Arbeitsunfähigkeit oder der Krankenbeförderung sowie Überweisungen, angesetzt werden müsse. Auch müssten die „Nutzung von Potenzialen der Digitalisierung unbedingt intensiviert werden, damit die Bürokratie spürbar zurückgefahren“ werden kann.

Für die KBV, die die Studie beauftragt hat, gibt es in diesem Jahr positive Signale: „Der Bürokratieberg konnte zumindest ein wenig abgebaut werden. Nach zwei Jahren des leichten Anstiegs konnte in diesem Jahr die Belastung durch Verwaltungsaufgaben im Vergleich zum Vorjahr endlich wieder gesenkt werden“, erklärte Dr. rer. soc. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV und zuständig für Bürokratieabbau und Digitalisierung. „Trotzdem haben wir noch viel Wegstrecke vor uns, um den Bürokratieabbau in den Praxen spürbar zu senken“, so Kriedel. Denn wie sich im Zuge der wachsenden Digitalisierung der bürokratische Aufwand weiterentwickelt, sei derzeit nicht absehbar. „Das hängt vor allem davon ab, wie die Digitalisierung in den Praxen umgesetzt wird. Hier liegt ein enormes Entlastungspotenzial“, so Kriedel.

Beispielsweise sei bei der geplanten elektronischen Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung (eAU) neben der digitalen Variante auch noch ein Papierausdruck vorgesehen. Das wäre „genau das Gegenteil von dem, was eigentlich mit der Digitalisierung erreicht werden soll.“ Daher verlangt die KBV, dass mit der vollständigen Digitalisierung neben der eAU keine parallele Erstellung von Papierbescheinigungen stattfindet. Ebenso fordert die KBV, dass künftig bei Bagatellfällen von drei bis fünf Tagen keine AU ausgestellt werden müsse.

Auch bei der Umsetzung des elektronischen Rezepts sollten Praxen nicht, wie derzeit vorgesehen, zusätzliche Geräte anschaffen müssen. Hier wolle sich die KBV für eine „leichtgängige und praktikable“ Lösung einsetzen. Rebecca Beerheide

Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019
Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019
Tabelle
Die zehn aufwendigsten Informationspflichten 2019

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 4. Dezember 2019, 23:46

Verbesserter Bürokratie-Index Fake News!

Der Bürokratie-Index (BIX) für die vertragsärztliche Versorgung, als Bericht erarbeitet von Prof. Dr. Volker Wittberg,
Fachhochschule des Mittelstands (FHM),
RA Hans-Georg Kluge, Staatssekretär a.D., Landrat a.D., Röttgen, Kluge & Hund PartG mbB, RA Heiko Rottmann, Röttgen, Kluge & Hund PartG mbB und Elisa Goldmann MBA, Fachhochschule des Mittelstands (FHM); Layout www.artisan-berlin.de;
Herausgeberin Kassenärztliche Bundesvereinigung Druckerei
Dezernat Versorgungsmanagement – www.kerndruck.de
Sicherstellung und Versorgungsstruktur
Aufgabenbereich Bessere Regulierung Bildnachweise Herbert-Lewin-Platz 2, 10623 Berlin wurde ganz offensichtlich Medizinbildungs- und Versorgungs-fern erstellt.

Denn sonst wäre der erlauchten Autorenschaft vielleicht aufgefallen, dass allein die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO; französisch Règlement général sur la protection des données RGPD, englisch General Data Protection Regulation GDPR) als Verordnung der Europäischen Union neben dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) einen maximalen Bürokratie-Schub in die vertragsärztlich tätigen haus- und fachärztlichen Praxen gebracht hat.

In meiner durchschnittlichen haus- und familienärztlichen Praxis mussten für 1.200 Patienten pro Quartal 3-seitige Datenschutz Erklärungen abgegeben und 3.600 Blatt Papier archiviert werden, da die Brüsseler Bürokratie-Elite keine Möglichkeit für elektronische Einverständnis-Erklärungen implementieren wollte oder konnte.

Das TSVG sieht ein Fülle von bürokratischen Auflagen und Hindernisse vor, um einen Honorarumsatz von 10€ zu generieren, der in der Einnahmen-Überschuss-Rechnung auf ganze 5€ zusammenschmilzt.

Der angeblich verbesserte Bürokratie-Index (BIX) ist m.E. nichts als "Fake News" und verbessert nur Einkünfte aus nicht-ärztlicher Tätigkeit von bereits mehr als gut situierten Anwalts-Sozietäten.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. St. Moritz/CH)
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