PolitikPolitikKrankenhäuser: Mehr Krankenhäuser in roten Zahlen
Politik

POLITIK

Krankenhäuser: Mehr Krankenhäuser in roten Zahlen

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Auch im Jahr 2018 haben sich die wirtschaftlichen Probleme der deutschen Krankenhäuser vergrößert. Wie der Krankenhaus Rating Report zeigt, schrieb in diesem Jahr fast ein Drittel einen Jahresverlust. Zu den Gründen zählen der Fallzahlrückgang und die Ambulantisierung. Die Coronapandemie bringt ein wenig Entlastung.

Den deutschen Krankenhäusern ging es 2018 erneut schlechter als im Jahr zuvor – insbesondere wegen der weiterhin rückläufigen Zahl der Krankenhausfälle. Das geht aus dem Krankenhaus Rating Report 2020 hervor, der Mitte Juni auf dem Virtuellen Hauptstadtkongress vorgestellt wurde.

Demnach stieg der Anteil der Krankenhäuser mit einem erhöhten Insolvenzrisiko von elf Prozent im Jahr 2017 auf 13 Prozent im Jahr 2018 an. Der Anteil der Krankenhäuser mit einem mittleren Insolvenzrisiko sank von 25 auf 23 Prozent, der der Häuser mit einem geringen Insolvenzrisiko stagnierte bei 64 Prozent. Der Anteil der Krankenhäuser, die auf Konzernebene einen Jahresverlust schrieben, stieg von 27 Prozent im Jahr 2017 auf 29 Prozent im Jahr 2018.

Anzeige

Fallzahlen gehen zurück

Das Insolvenzrisiko wird im Krankenhaus Rating Report mit der Ausfallwahrscheinlichkeit gemessen. Diese gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Von einem hohen Insolvenzrisiko gehen die Autoren des Reports bei einer Ausfallwahrscheinlichkeit von mehr als 2,6 Prozent aus. Ein geringes Insolvenzrisiko haben Krankenhäuser mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von unter einem Prozent.

Nachdem die Zahl der Krankenhausfälle in den Jahre 2005 bis 2016 kontinuierlich angestiegen war, sank sie zwischen 2016 und 2017 um 0,5 Prozent. Von 2017 auf 2018 sank sie um weitere 0,1 Prozent. „Zu den Ursachen für den Fallzahlrückgang gehört, dass mehr Fälle ambulant erbracht wurden“, erklärte Dr. rer. oec. Adam Pilny vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, einer der Autoren des Reports. Auch der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und die Zunahme der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) könne eine Rolle gespielt haben. Die Autoren des Reports rechnen damit, dass es im Jahr 2019 eine weitere Reduktion der stationären Fälle gegeben hat.

Darüber hinaus haben sich dem Report zufolge im Jahr 2018 verschiedene Trends der Vergangenheit fortgesetzt. „Wirtschaftlich ging es privaten Krankenhausträgern am besten, gefolgt von den freigemeinnützigen und dann den kommunalen Trägern“, erklärte Pilny. „Große Kliniken schnitten zudem besser ab als kleine, da sie besser in der Lage waren, ihre Fixkosten zu decken.“ Besser abgeschnitten hätten zudem spezialisierte Krankenhäuser. Weiterhin ging es den Krankenhäusern in Ostdeutschland besser als den Häusern im Westen. Wirtschaftliche Probleme hatten im Jahr 2018 dabei vor allem Krankenhäuser in den Ländern Baden-Württemberg, Hessen und Bayern.

Probleme halten an

Für die kommenden Jahren gehen die Autoren des Krankenhaus Rating Reports von einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage deutscher Krankenhäuser aus. Für das Jahr 2025 erwarten sie, dass 38 Prozent der Krankenhäuser ein erhöhtes Insolvenzrisiko und 57 Prozent der Häuser ein negatives Jahresergebnis haben werden (siehe Grafik 1).

Projektion im Basisszenario (2017 bis 2026, Anteil in %)
Grafik 1
Projektion im Basisszenario (2017 bis 2026, Anteil in %)

„Die Stagnation der Leistungsmenge dürfte sich nicht groß ändern“, meinte Prof. Dr. rer. pol. Boris Augurzky vom RWI, einer der Autoren des Reports. „Das hat Konsequenzen die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser. Denn das System ist darauf ausgerichtet, über ein Wachstum der Fallzahlen ein wirtschaftliches Wachstum zu generieren.“

Erstmals wurde im Krankenhaus Rating Report in diesem Jahr auch die Patientenzufriedenheit ermittelt – in Zusammenarbeit mit der Weissen Liste, einem Internetportal der Bertelsmann Stiftung. „Die Patientenzufriedenheit hat sich über die Jahre leicht verschlechtert“, sagte Pilny. „Bei den freigemeinnützigen Trägern ist sie höher als bei den anderen Trägern. In Ostdeutschland ist sie höher als in Süddeutschland. Eine höhere Patientenzufriedenheit erreichten zudem die größeren sowie die spezialisierten Krankenhäuser.“ Darüber hinaus sei die Zufriedenheit der Patienten mit ärztlicher Versorgung in den Ballungsgebieten höher gewesen und die Zufriedenheit mit pflegerischer Versorgung in den ländlichen Regionen. „Das hat damit zu tun, dass es in den Ballungsgebieten mehr Ärzte als Pfleger gibt“, sagte Pilny. „In den ländlichen Regionen ist es umgekehrt.“

Instabile Landkreise

Die Autoren erklärten, dass sich die Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland dynamisch weiterentwickelt hätten. „Viele Landkreise befassen sich inzwischen intensiv mit der Frage, wie sie eine nachhaltig stabile Struktur schaffen und dabei die flächendeckende Grundversorgung gewährleisten können“, hieß es. „Vielfach wird im Zentrum einer Region eine leistungsfähige moderne Medizin mit hoher Qualität für die Bevölkerung angeboten und gleichzeitig die Peripherie durch solide ambulante und telemedizinische Angebote an das Zentrum angedockt.“ Gleichwohl zeige eine Sonderanalyse, dass schätzungsweise 40 Prozent der Landkreise instabile Kran­ken­haus­struk­tu­ren aufwiesen und sie damit in den kommenden Jahren Handlungsbedarf hätten (siehe Grafik 2).

Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland
Grafik 2
Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland

Die Bundesländer überweisen den Krankenhäusern weiterhin deutlich weniger Investitionsmittel, als diese benötigen würden. Dem Report zufolge lagen die Fördermittel im Jahr 2018 bei 3,04 Milliarden Euro. Das ist ein Prozent mehr als im Vorjahr. Gemessen am Krankenhausumsatz sind es aber nur 3,4 Prozent – während zum Erhalt der Unternehmenssubstanz sieben bis acht Prozent pro Jahr benötigt würden. Im Jahr 1991 hatten die Krankenhäuser noch Investitionsmittel in Höhe von etwa zehn Prozent des Gesamtumsatzes erhalten.

Innerhalb der Entwicklung der wirtschaftlichen Lage deutscher Krankenhäuser erwarten die Autoren des Reports einen durch die Coronapandemie erzeugten Sondereffekt im Jahr 2020. „Die verschiedenen Stützungsmaßnahmen der Bundesregierungen könnten zu einem positiven Netto-Effekt führen, der jedoch im Jahr 2021 voraussichtlich größtenteils wieder entfällt“, hieß es. Für einzelne Krankenhäuser könne der Effekt jedoch sehr unterschiedlich ausfallen. Augurzky erklärte, dass kleine Grundversorger für die Freihaltung ihrer Betten mehr bekommen haben müssten, als sie sonst erhalten, während Maximalversorger und Fachkliniken durch die Pauschale weniger Erlöse generierten. Auf Empfehlung eines Beirats, dem auch Augurzky angehört, hat die Bundesregierung deshalb festgelegt, dass die bislang gültige Pauschale in Höhe von 560 Euro für ein freigehaltenes Bett durch fünf Pauschalen ersetzt wird, die sich nach der Größe der Häuser richten: Maximalversorger erhalten demnach 760 Euro, kleine Grundversorger 360 Euro.

Rückgang der Fallzahlen

Die Autoren des Reports gehen für dieses Jahr von einem Rückgang der Fallzahlen, infolge der Verschiebung elektiver Eingriffe, von mindestens sechs Prozent aus. Sie nehmen an, dass nur 50 Prozent der verschobenen Elektivfälle im stationären Bereich dieses und kommendes Jahr nachgeholt werden.

„Spätestens ab 2022 gehen wir hinsichtlich der Fallzahlen von einer Rückkehr zum Status 2019 aus“, hieß es. „Demografisch bedingt dürfte es bundesweit bis 2025 etwa vier Prozent mehr Fälle geben. Würde das ambulante Potenzial ab 2019 schrittweise gehoben, wäre bis 2030 dagegen kaum noch mit einer Änderung der stationären Fallzahl zu rechnen. Bis 2030 dürfte zudem die Verweildauer weiter zurückgehen, sodass der Bedarf an Krankenhausbetten sinken würde.“ Zudem sei damit zu rechnen, dass sich die Ambulantisierung beschleunigen werde. Die mit dem MDK-Reformgesetz initiierte Überarbeitung des Katalogs „ambulantes Operieren“ und mögliche sektorenübergreifende Vergütungsmodelle könnten dazu beitragen.

Der Fachkräftemangel könnte sich mittelfristig infolge der Coronapandemie entschärfen. Denn im Gesundheitswesen gebe es, im Vergleich zu anderen Branchen, eine Arbeitsplatzsicherheit. „Spätestens nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 werden die massiven finanziellen Belastungen aus der COVID-19-Pandemie im gesamten Gesundheitswesen zu spüren sein“, meinte Augurzky. „Umso wichtiger ist es, die Gesundheitsversorgung effizient und demografiefest zu gestalten.“ Der Krankenhaus Rating Report wurde gemeinsam vom RWI und dem Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen und der Healthcare Information and Management Systems Society erstellt. Falk Osterloh

Projektion im Basisszenario (2017 bis 2026, Anteil in %)
Grafik 1
Projektion im Basisszenario (2017 bis 2026, Anteil in %)
Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland
Grafik 2
Kran­ken­haus­struk­tu­ren in Deutschland

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Zum Artikel

Anzeige