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Coronakrise: Warten, bis ein Impfstoff kommt?

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Die Suche nach einen Impfstoff gegen COVID-19 ist, je nach Denkansatz der berichtenden Medien, mal „Wettlauf der Nationen“, mal kooperierender Mannschaftssport von Wissenschaft und Forschung. Stimmen dürfte beides.

Nach der Mutmaßung, US-Präsident Trump habe den Impfstoff-Entwickler Curevac übernehmen wollen – was vom Unternehmen selbst übrigens dementiert wurde, hat sich der Bund jetzt mit 300 Millionen Euro ins Unternehmen eingekauft. Für Deutschlands Wirtschaftsgebahren ist das alles andere als Normalzustand und wohl nur mit den gesundheitlichen Vorsorgeaspekten zu rechtfertigen. Dennoch: Bis wann oder ob überhaupt ein Impfstoff die Krise beenden wird, bleibt mit Fragezeichen besetzt.

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Dabei scheint der Weg aus dem Shutdown auch ohne Impfstoff zu funktionieren. Das Gesundheitswesen setzt auf frühzeitige Reaktion. Aufflammende Infektionscluster wie im Umfeld des Schlachtbetriebs Tönnies oder einzelner Berliner Wohnblöcke werden zügig durchgetestet, die Betroffenen unter Quarantäne gestellt. Eine Strategie, mit der beispielsweise Südkorea seine Erfahrungen gemacht hat. Zusätzliche Instrumente wie die Corona-Warn-App und natürlich die Vorhaltung ausreichender Behandlungskapazitäten sollen ein Übriges tun, um gewappnet zu bleiben und schnell reagieren zu können.

Deutschlands Bevölkerung, so stellen jüngere Online-Umfrageergebnisse (Stand April) wie die des „Stada Health Report“ heraus, bewertet zu 67 Prozent die medizinische Versorgung als positiv, sieben Prozent sehen das Ganze eher kritisch. Auch die Regierungsparteien, die für die politische Laufrichtung verantwortlich zeichnen, scheinen gemäß offiziellen Umfragen an Profil und Zuspruch gewonnen zu haben. Ausgestattet mit der jetzt anstehenden EU-Ratspräsidentschaft wird diese Bundesregierung – vorausgesetzt, sie hat das nötige Fingerspitzengefühl – die EU-Mitglieder von einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Pandemie überzeugen müssen. So viel zur „Haben und Mögen“-Seite.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob die jetzt föderal zu bewältigenden Maßnahmen zur Normalisierung so vorsichtig und gleichzeitig merklich erfolgen, dass die COVID-19-Cluster im Zaum gehalten werden, die Menschen aber trotzdem die dafür erforderliche Geduld und Disziplin bewahren. Die Rechnung geht nur mit Einsicht auf. Die „Trias aus Aufmerksamkeit, Wissen und Verantwortung“ müsse stimmen, heißt es dazu aus dem Robert Koch-Institut (siehe „Flickenteppich Teststrategien“ auf Seite 1310).

Dazu braucht es die Bereitschaft der Bevölkerung, Verzicht zu akzeptieren und die aus der Notlage entstehenden Kosten in Kauf zu nehmen. Sind wirtschaftliche Existenzen bedroht, ist das keineswegs selbstverständlich. Fraglich, ob es dann tatsächlich beim „Alternativlos“ der Kanzlerin bleibt.

Aus medizinischer Sicht wurden die Maßnahmen zwar kontrovers diskutiert, im Kern aber immer wieder in dieser einmal eingeschlagenen Richtung bestätigt. Verantwortlich bleiben Politik und Gesellschaft.

Denn das wirkliche Ende dieser Pandemie ist erst erreicht, wenn die Auswirkungen von COVID-19 anderen Infektionskrankheiten wie beispielsweise der Influenza vergleichbar sind – egal, ob durch Impfstoff oder eine dann vielleicht erreichte ausreichende Gesamtimmunität.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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