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Alten- und Pflegeheime: Kontakte trotz Pandemie

Richter-Kuhlmann, Eva

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Foto: M.Dörr & M.Frommherz/stock.adobe.com
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Trotz der unerlässlichen Infektionsschutzmaßnahmen muss es Menschen in Einrichtungen der Langzeitpflege während der Pandemie ermöglicht werden, mit Angehörigen und Ehrenamtlichen Kontakt zu halten. Begegnung, Austausch und Teilhabe seien essenziell, mahnt der Deutsche Ethikrat.

Menschen in Alten- und Pflegeheimen sind von der Pandemie besonders betroffen. Einerseits haben sie das höchste Risiko, an COVID-19 zu versterben; andererseits leiden sie sehr unter den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen. Eindrücklich warnte der Deutsche Ethikrat deshalb Ende vergangenen Jahres davor, während der Pandemie mit ihren notwendigen Kontaktbeschränkungen die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen aus den Augen zu verlieren.

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In einer Ad-hoc-Empfehlung appellierte das interdisziplinär besetzte Gremium an Politik und Gesellschaft, den in Einrichtungen der Langzeitpflege lebenden Menschen trotz der aktuell gebotenen Infektionsschutzmaßnahmen ein Mindestmaß an sozialen Kontakten zu gewähren. Dies müsse nicht nur umgesetzt, sondern auch kontrolliert werden, forderte der Rat. Wenn Angehörige fehlten, sollten auf Wunsch der Pflegebedürftigen auch ehrenamtlich engagierte Personen einbezogen werden. Zudem sollten umfangreiche, leicht zugängliche und kostenfreie Teststrategien für Angehörige sowie Formen virtuellen Kontakts angeboten und aktiv unterstützt werden.

Völlige Isolation verhindern

„Das Gebot physischer Distanz gehört zu den zentralen und wichtigen Schutzmaßnahmen in der Pandemie, das ist keine Frage“, sagte die Medizinethikerin und Vorsitzende des Ethikrates, Prof. Dr. med. Alena Byux. „Allerdings wächst die Gefahr von Isolation, verringerter sozialer Teilhabe und einer erheblichen Verschlechterung der Gesundheit.“ Dem müsse begegnet werden.

Zwar hat der Gesetzgeber mit der jüngsten Novellierung des Infektionsschutzgesetzes ausdrücklich vorgeschrieben, dass in Alten- oder Pflegeheimen sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe trotz aller Schutzmaßnahmen ein Mindestmaß an sozialen Kontakten stets gewährleistet bleiben muss. Dem Ethikrat geht dies jedoch nicht weit genug.

Individuelle Beschränkungen

Er fordert unter anderem, weniger die Anzahl und Häufigkeit der sozialen Kontakte als vielmehr deren Qualität in den Blick zu nehmen. Stets müsse individuell beantwortet werden, welche Beschränkungen hinsichtlich Art und Häufigkeit sozialer Kontakte sich in welcher Weise auf die Lebensqualität der einzelnen Person mit Pflegebedarf auswirken. Wenn möglich sollten Pflegebedürftige selbst über die Auswahl ihrer Kontaktpersonen entscheiden.

„Der persönlich erfüllende und anregende Kontakt, verbunden mit unterschiedlichen, von Person zu Person variierenden Arten der Nähe, beeinflusst Lebensqualität, Wohlbefinden, seelische und körperliche Gesundheit zutiefst“, betonte der Gerontologe Prof. Dr. phil. Andreas Kruse. „Menschen in einer Grenzsituation alleine zu lassen – das ist ethisch wie fachlich ein Unding.“

Allein könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeheimen dies trotz ihres großen Engagements jedoch nicht gewährleisten, erklärte der Alternsforscher. Es seien deshalb alle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um regelmäßige Besuche zu ermöglichen und zugleich Sicherheit vor Infektion zu bieten. „Hier sind vor allem engmaschige Testungen zu nennen“, so Kruse. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Nachholbedarf in Gerontologie

Angesichts des demografischen Wandels sieht die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina massiven Nachholbedarf in Deutschland bezüglich der Alterns- und Lebenslaufforschung. „Wir haben auf diesem Gebiet ein großes Potenzial mit oft sehr hoher Qualität in den Einzeldisziplinen, aber auch einen hohen Grad an Fragmentierung und fehlender Interdisziplinarität“, sagte Leopoldina-Mitglied Prof. Dr. phil. Ursula Staudinger von der Technischen Universität Dresden bei der Präsentation des Leopoldina-Zukunftsreports „Altern und Lebensverlauf: Forschung für die gewonnenen Jahre“.

Bislang würden in der Alterns- und Lebensverlaufsforschung vor allem jene Projekte gefördert, die sich mit der Entstehung und Behandlung von vorwiegend im Alter auftretenden Krankheiten beschäftigen. Künftig müssten jedoch vermehrt sozial- und verhaltenswissenschaftliche Perspektiven einbezogen werden. Dazu sollten Anreize für interdisziplinäre Kooperationen geschaffen werden.

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