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Impfstrategie: Zeit zu handeln

Maibach-Nagel, Egbert

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Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Zugegeben, es ist ein angestrebtes Optimum, aber: „Rechnerisch ergibt sich auf Basis der erwarteten Impfstoffmengen die Möglichkeit einer vollständigen Durchimpfung der erwachsenen Bevölkerung bis Ende August.“ Das erklärte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. rer. pol. Dominik von Stillfried, Ende vergangener Woche gegenüber Journalisten. Voraussetzung dieser Berechnung ist, dass „die Vertragsärzteschaft rechtzeitig in die Kampagne einbezogen wird“.

Das ist Expertise, die den Gesetzgeber an den grünen Tisch ziehen muss. Soll das Impfmodell real werden, erfordert die von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Zi vorgestellte Berechnung allerdings kurzfristige Entscheidungen. Jedes „Später“ kostet Zeit, die für die Abwehr von COVID-19-Mutationen verloren geht.

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Der Vorschlag, niedergelassene Arztpraxen außerhalb der Impfzentren in die Impfkampagne einzubinden, ist logisch und nicht neu. Das zur Verfügung stehende Potenzial der Influenza-impferfahrenen Ärztinnen und Ärzte – wer sonst? – ist enorm. Nach aktuell erlebtem Impfstoffmangel muss es jetzt genau darum gehen, für die kommende Zeit bei ausreichenden Impfmengen andere logistische „Staus“ zu verhindern. Es ist Zeit zu handeln, ausdiskutieren lässt sich das nicht.

Sicher ist dieses Angebot nur eins von vielen für „die richtige“ Impfstrategie. Die von der Politik geforderte Schaffung einer Strategie ist auch nicht einfach, weil über ein Jahr fast monothematischer Befassung mit der Pandemie viele Menschen subjektiv zu „Experten“ gemacht hat. Vorschläge, wie die Pandemie in den Griff zu bekommen ist, haben Parteien, einzelne Politiker, haben selbst fachfremde Verbände und Organisationen. Jeder will Recht haben, jeder gehört werden.

Dabei gibt es für die Rollenverteilung gesellschaft-licher Verantwortlichkeiten bewährte Strukturen: Die Fachwelt diskutiert – kontrovers, sachlich, aber vor allem untereinander. Auf Anfrage berät sie politische Entscheider – aus wissenschaftlicher Warte. Wer meint, Politik sei hier schlecht, weil einseitig beraten, beobachtet das Geschehen nicht aufmerksam. Politik wechselt zwischen einzelnen Beratern. Besser wäre es insofern, auf interdisziplinäre Gremien zu setzen. Die Ärzteschaft fordert schon länger einen interdisziplinären Pandemiebeirat, der ausdiskutierte und abgewogene Ergebnisse in die Beratung einbringen kann.

Erschwerend – auch für den Gesetzgeber – sind unsachliche Interpretationen wissenschaftlicher Positionen in der breiten Öffentlichkeit. „Alternative Fakten“ ex vulgo machen sachbezogen autarke Entscheidungen des Gesetzgebers kaum leichter.

Wissen und Erfahrung liegen in der Regel bei Experten und Praktikern. Und: Wissenschaft ist nicht „Meinung“. Zwischen ihr und Politik gibt es getrennte, klar definierte Verantwortlichkeiten. Verschwimmen diese, werden sachlich begründete Maßnahmen schwierig. Läuft das Verfahren korrekt, bleibt manch subjektiv empfundene „Expertise“ und daraus resultierende Verwirrung erspart. Erfolgt das Rollenspiel nach klaren Regeln, erleichtert das transparente Entscheidungsfindung – gerade auch zu Zeiten einer Pandemie.

Die aus den Zi-Berechnungen resultierende Impf-modellierung ist ein solches, auf Expertise beruhendes Angebot an die Politik. Jetzt ist es an der Politik, zügig zu entscheiden. Die Durchimpfung bis zum August dieses Jahres ist ein erstrebenswertes gemeinsames Ziel.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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