PolitikThemen der ZeitDigitales Medizinstudium in Malta: Keine automatische Anerkennung
Themen der Zeit

THEMEN DER ZEIT

Digitales Medizinstudium in Malta: Keine automatische Anerkennung

Dtsch Arztebl 2020; 117(11): A-535 / B-460

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Medizinstudierenden des privaten Online-Medizinstudiengangs mit Sitz in Malta können nicht mit einer automatischen Anerkennung ihres Masterabschlusses innerhalb der Europäischen Union und einer Ärztlichen Approbation in Deutschland rechnen. Dies teilte jetzt nach detaillierter Prüfung die Kultusministerkonferenz der Länder mit.

Foto: auremar/stock.adobe.com
Foto: auremar/stock.adobe.com

Der Masterabschluss des privaten Online-Medizinstudiengangs EDU der Digital Education Holdings (DEH) in Malta fällt nicht unter die automatische Berufsanerkennung innerhalb der Europäischen Union (EU) gemäß der EU-Richtlinie. Er führt daher auch nicht zur Approbation als Arzt oder Ärztin in Deutschland. Dies stellte nach detaillierter Prüfung der Fakten die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) im Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK) fest.

Anzeige

Der EU-Richtlinie zufolge setze eine automatische Berufsanerkennung innerhalb der EU voraus, dass das Humanmedizinstudium „an einer Universität oder unter der Aufsicht einer Universität“ erfolge. Die EDU sei jedoch in Malta nicht als „university“, sondern lediglich als „higher education institution“ lizensiert worden, also eine Stufe tiefer, erklärte die ZAB gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Allein deshalb würde der Masterabschluss in Malta nicht als ärztliche Qualifikation anerkannt werden. Darüber hinaus wäre die ärztliche Ausbildung mit dem Master nicht vollständig abgeschlossen, da in Malta im Anschluss an das Medizinstudium ein praktischer Dienst absolviert werden müsse, zu dem EDU-Studierende jedoch nicht zugelassen würden.

Warnungen bestätigen sich

Mit dieser Klarstellung durch die ZAB bestätigen sich jetzt die Befürchtungen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und der Deutschen Hochschulmedizin. Sie wiesen bereits Ende 2018 gemeinsam darauf hin, dass noch viele Fragen zur Ausgestaltung dieser Form des Medizinstudiums offen seien und empfahlen jungen Leuten, die sich für ein Medizinstudium interessieren, dieses Angebot „sorgfältig auf seine Tragfähigkeit und vor allem auf die Ermöglichung des angestrebten Studienziels zu prüfen“.

Insbesondere die Qualität des Studiums und die Qualifikation der Lehrenden und Prüfenden hielten BÄK und der Medizinische Fakultätentag (MFT) für fraglich: Die EDU besitze keine Zulassung als Universität, warnten sie damals. Unklar sei auch, ob im Anschluss an das Studium noch ein „Foundation Year“ angeschlossen werden müsse, wie es für die lokalen Studiengänge der Humanmedizin auf Malta erforderlich sei, um eine volle Approbation zu erhalten.

„Unsere Sorgen, die die Rechtssicherheit dieses Online-Studiengangs in Malta betreffen, haben sich durch die Bewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der KMK bestätigt“, sagte jetzt Frank Wissing, Generalsekretär des MFT, dem Deutschen Ärzteblatt. „Ein Medizinstudium, dessen theoretische Ausbildung ausschließlich online erfolgt, bietet keine ausreichende Vorbereitung auf die Praxis – zumal auch die rechtlichen Rahmenbedingen nicht gegeben sind. Das EDU College of Medicine ist keine Universität im Sinne der EU-Richtlinie.“

Ausbau von Studienplätzen

Die Bundes­ärzte­kammer lehnt zudem die Verlagerung der medizinischen Ausbildung ins Ausland ab, um so auf einem vereinfachten Wege weitere Medizinerinnen und Mediziner auszubilden. Nach ihrer Ansicht sollte vielmehr der ärztliche Fachkräftemangel in Deutschland durch den Ausbau von staatlich finanzierten Medizinstudienplätzen an deutschen Universitäten begegnet werden, anstatt kommerzielle Studienangebote im Ausland weiter auszubauen.

Als die EDU im April 2019 von der erfolgreichen Akkreditierung des Master-Studienprogramms in Medicine durch die National Commission for Further Higher Education (NCFHE) in Malta berichtete, warnte die BÄK erneut, dass möglicherweise dieser Studiengang die Bedingungen der Berufsanerkennungsrichtlinie nicht erfülle. Dennoch starteten vor gut einem Jahr die ersten deutschen Medizinstudierenden ihr privates Online-Medizinstudium mit praktischen Unterrichtsmodulen innerhalb des Helios-Konzerns. Die Kosten betragen etwa 20 000 Euro jährlich. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Zum Artikel

Anzeige