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Rechtsreport: Schockschäden auch bei Behandlungsfehler erstattungsfähig

Dtsch Arztebl 2019; 116(38): A-1674 / B-1382 / C-1354

Berner, Barbara

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Schockschäden sind auch im Falle ärztlicher Behandlungsfehler erstattungsfähig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Im vorliegenden Fall hatte die Ehefrau eines Patienten, der nach einer Polypektomie an den Folgen einer Darmperforation verstorben war, das Krankenhaus aus originär eigenem Recht auf Schadensersatz verklagt. Zwar habe es sich einem Privatgutachten zufolge bei der Perforation des Darms um eine schicksalhafte Komplikation der Koloskopie gehandelt. Grob fehlerhaft sei es aber gewesen, den Darmwanddefekt drei Tage nach der Perforation im Stadium der Entzündung laparoskopisch zu übernähen. Ein Gutachten im Auftrag der Krankenkasse stellte ebenfalls einen Behandlungsfehler fest.

Die Frau begründete ihren Schadensersatzanspruch damit, dass sie ein depressives Syndrom mit ausgeprägten psychosomatischen Beschwerden entwickelt habe, weil ihr Mann aufgrund der fehlerhaften Behandlung mehrere Wochen lang in akuter Lebensgefahr schwebte. Das Landgericht und das Oberlandesgericht Köln wiesen Klage und Berufung ab. Das Erleben einer nach ärztlicher Behandlung eingetretenen Verschlechterung des Gesundheitszustandes eines nahen Angehörigen sei dem allgemeinen Lebensrisiko zuzurechnen und unterfalle nicht dem hier geltend gemachten Haftungsanspruch. Dem folgte der BGH nicht. Psychische Beeinträchtigungen, die jemand aufgrund der fehlerhaften ärztlichen Behandlung eines nahen Angehörigen erleide, könnten eine Gesundheitsverletzung im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB darstellen, so der BGH. Es genüge grundsätzlich die hinreichende Gewissheit, dass die psychische Gesundheitsbeschädigung ohne die Verletzungshandlung nicht aufgetreten wäre. Im Bereich der „Schockschäden“ gelten dem BGH zufolge diese Grundsätze allerdings nur eingeschränkt. Psychische Beeinträchtigungen könnten nur dann als Gesundheitsverletzung im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB angesehen werden, wenn sie pathologisch fassbar seien und über die gesundheitlichen Beeinträchtigungen hinausgingen, denen Betroffene beim Tod oder der schweren Verletzung eines nahen Angehörigen in der Regel ausgesetzt seien. Es gebe keinen Grund, jemanden, der eine so beschriebene Gesundheitsverletzung erlitten habe, anders zu behandeln als jemanden, der eine (psychische) Gesundheitsverletzung erleide, weil ein Angehöriger einen Unfall hatte. Der BGH verwies die Sache an das Berufungsgericht zurück.

BGH, Urteil vom 21. Mai 2019, Az.: VI ZR 299/17 RAin Barbara Berner

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