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EBM-Ratgeber

EBM-Ratgeber: Vertragsärztliche Honorarabrechnung – Lösungen für die Praxis

Dtsch Arztebl 2006; 103(37): A-2424 / B-2104 / C-2028

Köhler, Andreas

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Foto: Georg J. Lopata
Foto: Georg J. Lopata
Dr. med. Andreas Köhler

Mit dem „EBM-Ratgeber“ bieten Ihnen KBV und das Deutsche Ärzteblatt einen neuen Service an. Auf vielfachen Wunsch wird hiermit eine Rubrik geschaffen, auf die alle Ärzte und Psychotherapeuten zugreifen können. Darin geht es um die Klärung von Anwendungsfragen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes (EBM).

In regelmäßiger Folge wollen wir an dieser Stelle häufig gestellte Fragen zum EBM aufgreifen. Sie werden beantwortet durch die Honorarexperten der KBV. Dabei ist es natürlich nicht möglich, jede Einzelkonstellation darzustellen. Denn schließlich geht es darum, dass möglichst viele Ärzte und Psychotherapeuten die aufgezeigten Lösungen nutzen können. Ich hoffe, dass der „EBM-Ratgeber“ für Sie – liebe Leserinnen und Leser – eine nützliche Hilfestellung sein wird.

Zum 1. Oktober 2006 ändert sich im EBM die Formulierung der Konsultationskomplexe im fachärztlichen Abschnitt. Kann damit der Konsultationskomplex infolge dieser Anpassung generell nur noch als „Zweit-Kontakt-Ziffer“ angesetzt werden? Kann ein Konsultationskomplex anlässlich eines vor dem ersten persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt im Behandlungsfall stattfindenden ersten telefonischen Arzt-Patienten-Kontaktes fortan nicht mehr berechnet werden?
Beim ersten Kontakt rechnet der Arzt gewöhnlich den Ordinations-, beim zweiten den Konsultationskomplex ab. Es gibt aber Ausnahmen. Ist der Erst-Kontakt beispielsweise telefonisch, so wird dieser als Konsultationskomplex abgerechnet. Maßgeblich ist die Definition des persönlichen Arzt-Patienten-Kontakts. Die Modifikationen im fachärztlichen Abschnitt des EBM zum 1. Oktober stellen Details des persönlichen Arzt-Patienten-Kontakts mit Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern klar. Sie ändern nichts am generellen Sachverhalt.

Wann kann der Vertragsarzt die Kostenpauschalen des Abschnittes 40.14
im Kapitel 40 des EBM 2000plus im Rahmen einer Feriendialyse abrechnen?
Der Arzt kann sie abrechnen, wenn er kurzfristig einen Dialyse-Patienten aufnimmt, der in der Region des Arztes seinen Urlaub verbringt und dort nicht seinen Erst- beziehungsweise Zweitwohnsitz hat. Die Kostenpauschale entlohnt den Mehraufwand des Arztes. Dieser entsteht unter anderem dadurch, dass der Arzt den Patienten noch nicht kennt. Führt der Arzt zwei oder drei Dialysen in einer Kalenderwoche durch, so kann er 100 Prozent der Pauschale abrechnen, bei einer Dialyse nur 40 Prozent. Behandelt er den Patienten also in einer Woche beispielsweise am Freitag und in der nächsten am Montag und Mittwoch, so kann er die Pauschale einmal zu 40 Prozent und einmal komplett ansetzen. Näheres regeln die Ziffern 40800 bis 40820. Bei einer Dialyse am Freitag und einer weiteren am folgenden Montag kann er zwei Mal die Wochenpauschale von 40 Prozent berechnen.

Im EBM wird bei einigen Operationen der Begriff „histographisch kontrolliert“ verwendet. Was ist damit gemeint?
Histographie ist ein Verfahren der onkologischen Chirurgie. Es wurde in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt und erlaubt die anatomisch exakte Zuordnung des entfernten Gewebes zu den Resektionsrändern. Nach mikroskopischer Untersuchung der Schnittränder (als Schnellschnitt oder konventionell) kann damit – sofern erforderlich – eine sparsame Nachresektion erfolgen. Entwickelt wurde die Methode ursprünglich für Basaliome und Spinaliome. Das Verfahren wird aber auch bei anderen Tumoren in Regionen angewandt, die eine sparsame Resektion oder Nachresektion erforderlich machen. Die Rezidivraten liegen deutlich unter denen konventioneller Chirurgie.
In der Leitlinie der AWMF heißt es dazu:
„Eine möglichst lückenlose Randschnittkontrolle erlaubt die sparsame chirurgische Exzision des Tumors mit einer topographischen Markierung und anschließender topographisch orientierter histologischer Aufarbeitung der gesamten Exzisataußenfläche und Basis. . . . Diese Aufarbeitung kann sowohl im Kryostatschnitt- als auch im Paraffinschnittverfahren durchgeführt werden. . . . Das Paraffinschnittverfahren ist dem Kryostatschnittverfahren in seiner Aussagefähigkeit aber überlegen. Die Indikation für dieses Verfahren ist gegeben bei allen Rezidivtumoren, bei infiltrativen Tumoren und bei Tumoren in schwieriger Lokalisation“ (nach: AWMF-Leitlinie Basalzellkarzinom).
„Histographisch kontrolliert“ bedeutet, dass bei der Operation ein histographisches Verfahren zum Einsatz kommt. Erläuterungen zur Abrechnung dieser Eingriffe finden sich in der Präambel zum Anhang 2 des EBM unter 10. Dort wird erklärt, dass histographische Leistungen nur bei malignen Befunden berechenbar sind. KBV
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