Karriere

Burn-out: Reden, tanzen, singen

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 3/2013: 22

Klinkhammer, Gisela

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Wer Stress abbauen will, weiß häufig nicht, wie er es anstellen soll. Doch es gibt durchaus wirkungsvolle Möglichkeiten.

Foto: Fotolia/Valua Vitaly
Foto: Fotolia/Valua Vitaly

Dass gerade Ärzte und Medizinstudierende oft unter Burn-out leiden, ist sicherlich kein Zufall. Jedenfalls tauchte der Begriff Burn-out erstmals mit Bezug auf Ärzte und helfende Berufe auf. Vor fast 40 Jahren wurde der Terminus vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger zum ersten Mal verwendet, und zwar nur für helfende Berufe. Schon damals war die Arbeitsbelastung in der klinischen Versorgung offenbar so hoch, dass sich Psychoanalytiker damit beschäftigen mussten. Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Burn-out effektiv vorzubeugen. Einige davon wurden vor kurzem bei der Ärztekammer Nordrhein vorgestellt.

Balintgruppen

Priv.-Doz. Dr. med. Guido Flatten, Aachen, stellte „als bewährtes Psychohygiene-Rezept für Ärzte“ die Balintgruppenarbeit vor. Die Methode wurde nach Michael Balint (1896–1970), einem Psychiater und Psychoanalytiker ungarischer Herkunft, benannt. Balint wollte die Erkenntnisse der Psychoanalyse für die Medizin anwendbar machen. Und so ist nach Flatten der Ablauf eines Balintgruppen-treffens: Es nehmen normalerweise acht bis zehn Kollegen teil. Ein „Fallvorsteller“ berichtet spontan einige Minuten über ein Problem und zieht sich dann zurück. Die Gruppenteilnehmer sind anschließend dazu aufgefordert, über ihre Wahrnehmungen und Gefühle zu berichten. Das geschieht zunächst ganz ungeordnet. Die Aufgabe des Balintgruppenleiters ist es dann, das Gespräch zu strukturieren, damit für alle Teilnehmer eine Aufarbeitung des Falls möglich wird.

Diese Balintgruppen sind durchaus nicht nur für Ärzte, sondern auch für Medizinstudierende sinnvoll. Denn der Patient, so die Deutsche Balint-Gesellschaft, „wird allzu oft als eine Krankheit gesehen, und genau um diese Krankheiten geht es dann auch im Studium. So bleibt kein Platz, sich mit dem ,Kontakt’ zu beschäftigen“. Viele Medizinstudierende hätten beispielsweise in den Pflegepraktika, in Famulaturen oder bei Extrawachen Kontakte zu Patienten erlebt. Und dabei gebe es einige, über die man immer wieder nachdenke und über die man sich gern austauschen würde. Das könne ein Sterbender oder auch der „super nervige“ Patient sein. Leider bietet der Balint-Gesellschaft zufolge das Studium wenig Gelegenheit, sich mit solchen Patientenkontakten zu beschäftigen. Balintgruppen werden jedoch an mehreren Universitäten angeboten, und die Gruppen auf den Balinttagungen stehen Studenten grundsätzlich offen.

Tanz und Bewegung

Eine weitere Möglichkeit der Burn-out-Prophylaxe stellte Dr. rer. medic. Marianne Eberhard-Kaechele, Köln, vor – Tanz und Bewegung. Das Tanzen in den verschiedensten Formen sei eine wunderbare Form zur Regeneration außerhalb von Arbeitszeit und Studium. Doch man muss nicht unbedingt in die Disco gehen, um zu tanzen. Die Tanztherapeutin Eberhard-Kaechele rät beispielsweise dazu, sich seinen Lieblingssong auf den MP3- Player oder das Smartphone zu laden und sich dazu einmal täglich zu einer festgelegten Zeit zu bewegen. Denn, so Eberhard-Kaechele: „Rituale haben eine Regelmäßigkeit, sie haben eine Struktur und einen festgelegten Ablauf. Und sie geben Halt und Orientierung.“ Mit einem circa dreiminütigen Tanz lassen sich dann der am Tag aufgestaute Ärger und Frust häufig einfach abschütteln. Das Fazit der Tanztherapeutin: „Öfter mal Party machen, Bewegungspausen in den Alltag einplanen und seinen eigenen Weg zur Entspannung finden.“

Musik und Gesang

Einer dieser Wege könnte auch die Beschäftigung mit Musik und Gesang sein, erläutert Prof. Dr. med. Peer Abilgaard, Duisburg. Gerade das Singen könne zahlreiche positive Effekte erzielen – von der Steigerung des Immunsystems über die Stressbewältigung bis zur Stimmungsaufhellung. Gemeinschaftliches Singen fördere auch die Bereitschaft zu sozialem Engagement. Die gesundheitsfördernde Wirkung des Singens wurde sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Abilgaard stellte eine Studie der Uni Frankfurt/M. vor. Dort wurden den Mitgliedern eines Laienchors, der Mozarts „Requiem“ einstudierte, vor dem Singen Speichelproben entnommen. Nach der Probe ermittelten die Wissenschaftler einen erniedrigten Spiegel des Stresshormons Kortisol und eine erhöhte Antikörperproduktion. Dieses Ergebnis wurde durch die Befindlichkeit der Sänger bestätigt. Alle fühlten sich nach der Chorprobe wesentlich entspannter. Gemeinschaftliches Singen wird daher immer beliebter. Bloßes Hören von Musik habe übrigens nicht diese Effekte, sei in der Regel aber immer noch wirkungsvoller, als beispielsweise die Zeit vor dem Fernseher zu verbringen. Gisela Klinkhammer

Informationen im web

  • www.balintgesellschaft.de: Studierende, die sich für die Balintgruppen interessieren, können Kontakt mit örtlichen Balintgruppen aufnehmen, die Studientagungen der Deutschen Balint-Gesellschaft besuchen und sich mit Fragen an die Geschäftsstelle wenden.
  • www.dshs-koeln.de: Informationen über die Tätigkeit der Bewegungstherapeutin Dr. rer. medic. Marianne Eberhard-Kaechele
  • www.aerztechor.de: Der Deutsche Ärztechor freut sich über die Mitwirkung von Studenten an seinen Projekten. Unterstützt werden Medizinstudierenden ohne eigene Einkünfte. Einen Überblick über Hochschulchöre bietet: www.chorszene.de/hochschulchor.
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