StudierenArchivMedizin studieren1/2014Mediziner-Kabarett: Bis(s) der Arzt kommt

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Mediziner-Kabarett: Bis(s) der Arzt kommt

Richter-Kuhlmann, Eva

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Bissige Medizinstudierende rocken als Kabarettband Berlin – bis sie Ärzte werden.

Fotos: Peter Himsel

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An der Charité in Berlin gibt es wahrscheinlich keinen Medizinstudenten, der sie nicht kennt: die Band des OE-Kabaretts. OE steht für Orientierungseinheit, und das ist es auch, was die Truppe so schnell so bekanntmacht: Traditionell zu Beginn eines jeden Semesters finden in der Orientierungswoche für die Erstsemester die Auftritte des Mediziner-Kabaretts statt. Mit Sketchen und eigenen Songs heißen dann die Älteren die Neuankömmlinge willkommen und weihen sie bissig und gleichzeitig charmant in das Medizinstudium und die Gepflogenheiten des künftigen Berufes ein.

„Es gibt nichts Schöneres als Menschen zu heilen“ – das textete die Band des Mediziner-Kabaretts zum Beispiel jüngst in ihrem Song „Hab’ Spaß, werd’ Arzt“. Mit ihm eröffneten sie ihr Programm zum Sommersemester 2013, und mit ihm rockten neun Bandmitglieder auch zum Start des diesjährigen bundesweiten Nachwuchskongresses „Operation Karriere“ des Deutschen Ärzteblattes am 22. November den Vortragssaal in der European School of Management and Technology in Berlin-Mitte.

Schlagzeug, Keyboard, Gitarren, Bass, Saxophon und Trompete, Sänger: die Band harmoniert perfekt miteinander. Ein Blickkontakt reicht zur Verständigung. Kaum zu glauben, dass solche Auftritte der Band außerhalb der OE-Woche selten sind. „Wir funktionieren sehr gut zusammen und merken, dass es auch in dieser Konstellation Spaß macht, Musik zu machen“, erklärt Frontsänger Lucas Pritchard nach dem Auftritt gegenüber „Medizin studieren“. Allerdings bleibe während des Semesters wenig Zeit für gemeinsame Proben – zumal die meisten Mitglieder der OE-Band auch noch in anderen Bands spielten.

Eine intensive gemeinsame Zeit verbringt die Kabarett-Truppe jedoch zu Beginn eines jeden Semesters. „Wir treffen uns ungefähr zwei Wochen vor dem Auftritt und sammeln die Vorschläge für die Songs und Sketche, wobei die Songvorschläge meist von der Band selbst kommen“, erläutert Pritchard, der mittlerweile drei Jahre dabei ist. Alles wird dann natürlich selbst geschrieben. Die Themen sind vielfältig: Das geht von Charité-internen Problemen, dem Stress des Medizinstudenten-Daseins über Kabbeleien der einzelnen Berufsgruppen bis hin zu Beziehungskisten. „Diese zwei Wochen kommen wir eigentlich fast nicht zum Proben, weil wir die ganze Zeit nur schreiben. Meist werden unsere Sketche und Songs erst zwei, drei Tage vor dem Auftritt fertig. Dann müssen wir sie schnell reinpauken“, räumt der Student im achten Semester ein. Teilweise würde auf der Bühne auch noch improvisiert. Doch das dämpft die Stimmung bei einem Auftritt des OE-Kabaretts keineswegs. Im Gegenteil: Songs und Sketche kommen authentisch und leidenschaftlich rüber und reißen nicht nur die Erstsemester, sondern auch so manchen Professor mit.

Nur selten – wie hier beim Kongress Operation Karriere des Deutschen Ärzteblattes – spielt die Band des Berliner Mediziner-Kabaretts außerhalb der Universität, berichtet Lucas Pritchard (obere Reihe, 2. v. l.)
Nur selten – wie hier beim Kongress Operation Karriere des Deutschen Ärzteblattes – spielt die Band des Berliner Mediziner-Kabaretts außerhalb der Universität, berichtet Lucas Pritchard (obere Reihe, 2. v. l.)

Daher wundert es auch nicht, dass sich nach jedem Auftritt Kommilitonen melden, die gern in die etwa 20-köpfige Kabarettgruppe einsteigen würden. „Über Nachwuchsmangel können wir uns echt nicht beschweren“, sagt Pritchard. Weil die Truppe aber nicht so viele aufnehmen kann, wird jedes Semester eine Art Casting gemacht. „Dabei suchen wir nicht gezielt nach Musikern oder Profis, die schon eine Theater- oder Musical-Ausbildung gemacht haben. Wichtig ist: Sie müssen uns sympathisch sein.“ Es komme besonders darauf an, dass sie gut in die Gruppe passen. „Wir brauchen keine Alleinunterhalter. Wir brauchen Leute, die offen sind und sich für nichts zu schade finden“, erklärt Pritchard. „Man muss in erster Linie über sich selbst lachen können“.

Schnell sind auf diese Weise die Lücken wieder gefüllt, die ausscheidende Studierende reißen. Denn mit dem Eintritt ins praktische Jahr oder spätestens in die Weiterbildungszeit ist die Zeit im OE-Kabarett vorbei. Die Truppe ist und bleibt studentisch.

„Wir brauchen Leute, die offen sind und sich für nichts zu schade finden.
Man muss bei uns in erster Linie über sich selbst lachen können.“

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