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E-Learning: Digitale Helfer

Medizin studieren, 3/2015: 16

Hillienhof, Arne

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E-Learning und Co. erleichtern das Lernen und die Prüfungsvorbereitung. Sie dürfen aber nicht die persönliche Betreuung durch den Dozenten ersetzen.

Foto: Fotolia/Africa Studio
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Die Vorteile von E-Learning im Studium leuchten sofort ein, lassen sich doch Vorlesungen mittels Aufzeichnungen nachbereiten, komplizierte Zusammenhänge grafisch aufbereiten oder der Lerneffekt über spielerische Elemente in Apps und E-Learning-Programmen steigern. In manchen akademischen Disziplinen wie der Physik hat sich daher beispielsweise die Videoaufzeichnung von Vorlesungen schon als Standard etabliert. Die medizinischen Fakultäten folgen dieser Entwicklung jedoch zurückhaltender. Bisher sind gefilmte Vorlesungen noch die Ausnahme. Neben der Einwilligung des Dozenten ist ein großer logistischer Aufwand notwendig und es können Probleme mit dem Urheberrecht entstehen, zum Beispiel bei den Abbildungen. Natürlich sind auch Patientenvorstellungen im Rahmen der Vorlesung für E-Learning-Angebote problematisch. Einige Universitäten bemühen sich aber, den Studierenden ein Angebot zur Verfügung zu stellen. Mediziner finden zum Beispiel auf der Seite „www.online-vorlesungen.de“ Vorlesungen, die frei zugänglich sind.

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Die Medizinstudierenden drängen schon länger auf neue Angebote in der Lehre: „Ein Überdenken der aktuellen medizinischen Lehrformate und -methoden an den Fakultäten ist unabdingbar“, heißt es in einem Positionspapier der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) von 2014. Klassische Lehrformate, bei denen es lediglich um die frontale Wissensvermittlung geht, sind danach „nicht mehr ausreichend zeitgemäß“, weil es durch moderne Medien längst möglich sei, derartige Formate zu ergänzen. „Mit dem Einsatz von aufgezeichneten oder live über das Internet übertragenen Vorlesungen oder Online-Angeboten, die auch fakultätsübergreifend verfügbar sein können und welche allen Studierenden flexibel zur Verfügung stünden, würden Ressourcen geschaffen, die anderen, studierendenzentrierten, Lehrmethoden zugutekämen“, so die bvmd. „Die einmalige Entwicklung und Umsetzung von digitalen Lehr- und Lernplattformen ist eine sowohl finanziell als auch personell äußerst effiziente Investition, die entsprechend Ressourcen für andere Projekte freisetzt“, meint die Medizinstudierendenvereinigung.

Bei der Auswahl der Lehrmethoden und der Konzeption der Curricula fordert die bvmd die Entscheidungsträger auf, sich auf eine „Best Evidence Based Medical Education“ zu berufen. Das bedeutet, dass in der medizinischen Lehre, analog zur Evidence Based Medicine, wissenschaftliche Studien und Metaanalysen zurate gezogen werden sollen, um eine qualitativ hochwertige und fundierte Ausbildung zu gewährleisten. „Zusammenfassend sehen wir E-Learning als gute Ergänzung zu Offline-Lehrformaten an. Es sollte jedoch keinesfalls zur Beeinträchtigung des Betreuungsverhältnisses zwischen Dozierenden und Studierenden kommen“, erläutert der stellvertretende Bundeskoordinator für Gesundheitspolitik der bvmd, Malte Schmieding, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt Medizin Studieren.

In den vorklinischen Studienabschnitten existieren E-Learning-Programme oft für die mikroskopische und makroskopische Anatomie. Online-Atlanten für Anatomie mit originalen Präparaten, wie es beispielsweise die Universität Köln auf „Anatomie des Menschen“ zur Verfügung stellt (http://www.anatomiedesmenschen.uni-koeln.de), oder die virtuelle Mikroskopie von histologischen Präparaten, wie sie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf praktiziert wird, bieten sich für das Format besonders an. Dabei ist das langfristige Ziel meist, eine offene Plattform zu erstellen, die Studierenden an allen Universitäten Deutschlands zur Verfügung steht.

Für chirurgisch Engagierte hat die Universität Tübingen 2008 mit der Sectio Chirurgica eine interessante Seite geschaffen. Viele Studenten kennen das Problem im OP-Saal: Man steht entweder im Weg oder die Sicht auf den OP-Situs ist versperrt. In der Sectio Chirurgica hingegen können Nutzer entspannt Operationen über einen Live-Stream verfolgen. Von einfachen Eingriffen bis hin zu komplexen Transplantationen deckt die Sectio Chirurgica ein breites Spektrum ab. Durch begleitende Erklärungen bleiben die Schritte des Operateurs nachvollziehbar und werden ergänzt mit Hintergrundwissen zu Anatomie, Radiologie und Anästhesie. Das Angebot ist für Medizinstudierende kostenlos (http://www.sectio-chirurgica.de/de/start/).

Auch in sozialen Netzwerken gibt es Möglichkeiten, den einen oder anderen Patientenfall zu sehen. Auf Facebook stellt die Online-Community Radiopaedia regelmäßig häufige, aber auch ausgefallene radiologische Fälle zur Diskussion. Die Nutzer können dort CT-, MRT- und Röntgenaufnahmen kommentieren und diskutieren. Die Lösung des Falls findet sich in einer Verlinkung zu Radiopaedia. Zusätzlich zur Auflösung gibt es dort auch Merkhilfen für den medizinischen Alltag.

Auch bei Famulaturen und im Praktischen Jahr sind Apps auf dem Smartphone oder Tablet oft hilfreich. Sie bieten zum Beispiel den schnellen Zugriff auf Leitlinien oder errechnen Medikamentendosierungen. Allerdings ist bei ihrer Anwendung Vorsicht angebracht: Normalerweise müssen Medizinprodukte ein sogenanntes Konformitätsbewertungsverfahren durchlaufen. Darin muss der Hersteller nachweisen, dass sein Produkt sicher ist und die technischen und medizinischen Leistungen so erfüllt, wie sie von ihm beschrieben werden. Diesen Aufwand scheuen viele Software-Unternehmen, die medizinische Apps für wenige Euro in den App-Stores zur Verfügung stellen. Trotzdem dürfen Ärzte und Studierende medizinische Apps in Klinik und Praxis nutzen. Sind diese Software-Anwendungen aber nicht als Medizinprodukt mit dem bekannten „CE-Kennzeichen“ ausgezeichnet, liegt die Verantwortung für die Richtigkeit der Ergebnisse aus der App voll beim Arzt – und auch die Haftung. Eine solche App hat in der Klinik juristisch gesehen den gleichen Stellenwert wie ein vom Arzt selbstverfasstes Programm auf dem Taschenrechner oder selbstgefertigte Tabellen von Medikamentenunverträglichkeiten, also wie eine Eigenerstellung.

Hilfreich und völlig unproblematisch ist dagegen die App des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) für Famulatur und PJ: Sie enthält ein Curriculum und bietet interaktive Informationen zur Weiterbildung. Die Nutzer können damit arbeitsbegleitend ihren Lernfortschritt dokumentieren. Auch die Einweisung und Arbeit an verschiedenen medizinischen Geräten lässt sich nebst Datum in der App festhalten. Der Bereich „Spezialisierungsoptionen in der Inneren Medizin“ zeigt auf einen Blick die Möglichkeiten und Wege der Weiterbildung in der Inneren Medizin mit den jeweiligen Verlinkungen zu detaillierten Informationen wie der Weiter­bildungs­ordnung, den Logbüchern oder auch Richtlinien der einzelnen Lan­des­ärz­te­kam­mern. Komplettiert wird die App durch einen Wochenplaner, eine Liste wichtiger Telefonnummern, die während Famulatur oder PJ benötigt werden, und die Möglichkeit, eigene Berichte per E-Mail an den betreuenden Arzt oder sich zu versenden.

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