StudierenArchivMedizin studieren2/2016Förderungen durch Kassenärztliche Vereinigungen: Der Weg in die Praxis

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Förderungen durch Kassenärztliche Vereinigungen: Der Weg in die Praxis

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Kassenärztlichen Vereinigungen unterstützen mit verschiedenen Programmen den Weg in die Niederlassung. Was viele nicht wissen: Bereits Studierende fördern sie finanziell und ideell – wie ein genauerer Blick beispielsweise nach Sachsen-Anhalt zeigt.

Sie liebt den großen Überblick und ist ein Organisationstalent. Damit war für Ingrid Grüßner bereits im Studium klar, das sie sich niederlassen und Hausärztin werden möchte. „Mir hat damals schon an der Allgemeinmedizin besonders gefallen, dass Patienten langjährig betreut werden und nicht nur für drei Tage auf Station im Krankenhaus sind“, erklärt die junge Ärztin, heute bereits im 5. Weiterbildungsjahr in der Allgemeinmedizin.

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„Ich möchte erst einmal in einem Team noch mehr Erfahrungen sammeln, bevor ich eventuell eine eigene Praxis übernehme.“

Ingrid Grüßner


Grüßner war gleichzeitig eine der ersten Studierenden, die ein Stipendium der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) in Anspruch genommen hat. Zu sehr festgelegt hat sie sich dadurch nicht gefühlt. Und auch jetzt will es die Mutter von zwei Kindern in Sachen Niederlassung langsam angehen lassen – als angestellte Ärztin im ambulanten Bereich. Die Ärztin hat bereits eine Zusage, in der Gemeinschaftspraxis, in der sie auch schon 1,5 Jahre Weiterbildung absolviert hat, als angestellte Ärztin in Vollzeit arbeiten zu können. „Ich möchte erst einmal in einem Team noch mehr Erfahrungen sammeln, bevor ich eventuell eine eigene Praxis übernehme“, erklärt sie. Das sollte dann aber auch eine Gemeinschaftspraxis oder eine Praxis mit angestellten Ärzten sein, denn der Austausch mit den Kollegen ist ihr sehr wichtig. Und ihre Pläne reichen sogar schon weiter: „In der Praxis kann ich auch die Weiterbildung in der Diabetologie machen. Nach sechs Jahren Weiterbildung bin ich dann hoffentlich Fachärztin für Allgemeinmedizin mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie“, erläutert sie.

Ähnliche Ziele hat Christopher Carpentier. Er ist Student der Martin-Luther-Universität (MLU) in Halle/Wittenberg und studiert. Carpentier ist zwar erst im 6. Semester, interessiert sich aber bereits für den Beruf des Hausarztes und nimmt deshalb an der „Klasse Allgemeinmedizin“ teil. Dieses Lehrprojekt seiner Fakultät, das gezielt auf eine spätere Tätigkeit als Hausarzt vorbereitet, gibt es seit dem Wintersemester 2011. Pro Semester genießen 20 Studierende quasi eine „duale Ausbildung“. Sie haben mit dem 1. Studientag einen Mentor, einen Hausarzt aus Sachsen-Anhalt, zugelost bekommen, der während des gesamten Studiums ihr Ansprechpartner ist und bei dem sie arbeiten. „An diesen Praxistagen habe ich die Möglichkeit, mein frisch erlerntes Wissen aus der Uni in der Praxis anzuwenden. Außerdem lerne ich natürlich auch viel dazu, sowohl im Patientengespräch als auch in den ärztlichen Fertigkeiten“, erklärt der Student. Sein Mentor ist Dr. med. Peter-Hendrik Herrmann, Hausarzt in Zahna, einer Gemeinde von etwa 3 800 Einwohnern im Osten Sachsen-Anhalts. „Er nimmt sich viel Zeit, um meine Fragen zu beantworten und mir nützliche Tipps für den Alltag mitzugeben, sodass ich von den Praxistagen enorm profitiere.“

Aber nicht nur der Student, sondern auch der Mentor ist begeistert: „Ein interessanter Aspekt liegt für den ausbildenden Arzt beim Nachfragen und dem Hinterfragen der eigenen Tätigkeit. Man wird aufgefordert, sein Tun zu erklären“, sagt Herrmann. Mentor sei er sehr gern. „Die beste Referenz ist heutzutage der zufriedene und begeisterte Landarzt selbst“, berichtet der Hausarzt.

@ Wie die KVSA unterstützen auch die anderen Kassenärztlichen Vereinigungen den Weg in die Niederlassung.
Infos unter: http://www.lass-dich-nieder.de

Schleswig-Holstein

Im nördlichsten Bundesland behandeln mehr als 5 000 Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten Patienten in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren. Noch ist die Betreuung überall gesichert. Aber auch in Schleswig-Holstein droht der Ärztemangel: Rund ein Drittel der Hausärzte ist über 60 Jahre alt und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) des Bundeslandes unterstützt Medizinstudierende dabei, die Arbeit in der Praxis kennenzulernen. Dazu hat sie 2011 die Kampagne „Land.Arzt.Leben“ initiiert. Neben der Kampagnenwebsite „landarztleben.de“, Infoveranstaltungen und Materialien bietet sie Uni-Sprechstunden an, in der erfahrene Landärzte dem Nachwuchs Rede und Antwort stehen und sie bei ihrer Laufbahn beraten.

Aber auch die finanzielle Förderung kommt nicht zu kurz: Neben Fahrtkosten für ein Blockpraktikum im Fach Allgemeinmedizin gibt es 200 Euro pro Monat für Famulaturen im niedergelassenen Bereich und 100 Euro pro Woche für ein PJ-Tertial in der Allgemeinmedizin.

Ärzte, die sich in Schleswig-Holstein niederlassen möchten, können außerdem eine Förderung bis zu 30 000 Euro erhalten – für eine Neugründung oder bei der Übernahme bestehender Praxen. Über diese Förderung entscheidet die KV individuell nach Region und Fachrichtung. AH

@ www.landarztleben.de

Sachsen-Anhalt

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt hat zahlreiche Möglichkeiten der Förderung für Medizinstudierende auf den Weg gebracht: Stipendienprogramme, finanzielle Förderungen der Praktika während des Studiums (Famulatur, Blockpraktikum, Wahltertial Allgemeinmedizin des Praktischen Jahres). Sogar bereits für Schüler/-innen und Studieninteressierte gibt es ein Angebot: So werden an der Universität Witten/Herdecke zwei Studienplätze pro Semester für zukünftige Hausärzte in Sachsen-Anhalt finanziert.

Für Medizinstudierende ist das Angebot reichhaltig: Innerhalb eines Stipendienprogramms (möglich für Studierende jeder deutschen Universität) werden Studierende ab dem 3. Studienjahr mit 200 bis 700 Euro pro Monat gefördert, wenn sie sich verpflichten, später zwei oder drei Jahre in Sachsen-Anhalt zu arbeiten. Zudem gibt es das Stipendienprogramm „Klasse Allgemeinmedizin“ der Universität Halle. Studierende, die später mindestens fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen-Anhalt tätig sein wollen, werden ab dem 1. Studienjahr mit 800 Euro pro Monat für die gesamte Regelstudienzeit gefördert. Bezuschusst mit 200 Euro monatlich werden zudem Famulaturen in Arztpraxen in Sachsen-Anhalt sowie das Blockpraktikum Allgemeinmedizin. Das Allgemeinmedizinische Tertial im Praktischen Jahr wird mit 597 Euro pro Monat gefördert. ER

Westfalen-Lippe

Die Nachwuchskampagne der Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) startete im Herbst 2014 mit dem Ziel, Nachwuchsmediziner für eine Tätigkeit in der ambulanten medizinischen Versorgung – vor allem im ländlichen Raum – zu gewinnen. Seit einem Jahr gehören auch Medizinstudierende zur unmittelbaren Zielgruppe. Die KVWL fördert Medizinstudierende, die ihre Famulatur in einer hausärztlichen Praxis oder in einer Praxis der allgemeinen fachärztlichen Versorgung in einer ländlichen Region in Westfalen-Lippe absolvieren. Die Fördersumme in einer Hausarztpraxis beträgt bis zu 400 Euro im Monat; bei einer allgemeinen fachärztlichen Praxis bis zu 200 Euro im Monat. Die Förderung läuft maximal über zwei Monate und richtet sich an angehende Ärzte, die an den Universitäten Bochum, Münster, Witten/Herdecke sowie Duisburg-Essen Humanmedizin studieren.

Zudem können sich im Rahmen der KVWL-Stipendieninitiative bis zu 60 Medizinstudierende im praktischen Jahr (PJ) für die Dauer von vier Monaten auf eine finanzielle Förderung von insgesamt 2 400 Euro bewerben, wenn sie sich im Wahlbereich für das Fach Allgemeinmedizin entscheiden. Zusätzlich bietet die KVWL eine Patenschaft für Weiterbildungsassistenten und Wiedereinsteiger an. Die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin wird monatlich mit bis zu 3 500 Euro bezuschusst. ER

@ www.praxisstart.info in der Rubrik Förderung / Studium.

@ www.kvsa.de/studium.html

Bayern

Förderungen für Medizinstudierende sieht im Süden Deutschlands unter anderem die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns vor. Sie unterscheidet zudem bei ihrer Förderung von Ärzten nach Regionen, für die der sogenannte Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen explizit eine Förderung beschlossen hat und Regionen, für die ein solcher Beschluss nicht vorliegt.

In ihrer Sicherstellungsrichtlinie beschreibt die KV verschiedene Fördermaßnahmen. Zum Beispiel können Ärzte bestimmter Fachgebiete in unterversorgten Bereichen eine Förderung von bis zu 112 000 Euro erhalten, wenn sie sich niederlassen. Möglich sind außerdem unter anderem Zuschüsse für die Gründung einer Zweigpraxis, für die Beschäftigung eines angestellten Arztes oder Psychotherapeuten in der Praxis und für die Beschäftigung einer hausärztlichen Versorgungsassistentin.

Mitte 2016 hat die KVB außerdem beschlossen, auch sogenannte Eigeneinrichtungen zu betreiben, wenn die zahlreichen Fördermaßnahmen in einigen Regionen doch nicht dazu führen, dass sich dort ausreichend Ärzte oder Psychotherapeuten niederlassen. Eine Eigeneinrichtung ist eine Praxis, welche die KV selbst betreibt und in der Ärzte oder Psychotherapeuten als Angestellte arbeiten. Ziel ist aber, dass diese die Praxis mittelfristig übernehmen. AH

@ https://www.kvb.de/praxis/niederlassung/finanzielle-foerdermoeglichkeiten/

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