Studium: Die Frage

Haben Sie privat einen Notfall erlebt?

Medizin studieren, 1/2017: 6

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Foto: privat
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Über den Wolken

Dr. med. Hannah Arnold
Urologin, Sprecherin im Bündnis Junger Ärzte

Während eines Fluges von Kapstadt nach Istanbul wurde ich einmal gefragt, ob ich einer Passagierin mit starken Kopfschmerzen und Übelkeit helfen könne. Ich sollte entscheiden, ob es sich um Gelbfieber handeln könne und eine Zwischenlandung notwendig sei. Als Urologin ist diese Diagnose im Flugzeug nur mit einem Blutdruckmessgerät schwer zu stellen – zumal die Patientin fast kein Englisch sprach. Letztlich ging es ihr relativ gut und wir haben den Flug fortgesetzt.

Meist muss man jedoch privat im Familien- und Freundesreis behandeln und diagnostizieren. Das halte ich für sehr schwierig, weil dabei oft die notwendige professionelle Distanz fehlt. Am besten verweist man deshalb auf einen guten Arzt.

Foto: privat
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Beim Warten

Hanna Gött
Medizinstudentin

Einmal bekam ein Mann in der Warteschlange einer Sparkassenfiliale vor mir einen Krampfanfall. Ich war ziemlich nervös. Allerdings kann man in solch einer Situation ja nur begrenzt helfen. Schließlich ist es mir gelungen, die Umgebung des Mannes abzupolstern und jemanden anzuweisen, einen Rettungswagen zu rufen. Als der Mann nicht mehr krampfte, habe ich ihn auf die Seite gedreht und mit ihm auf den Rettungsdienst gewartet.

Foto: Vera Friederich
Foto: Vera Friederich

Auf dem Land

Dr. med. Susanne Johna
Internistin, Vorstand Bundes­ärzte­kammer und Marburger Bund

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Autounfall auf der Landstraße, der sich bei einem Überholmanöver wenige Autos vor mir ereignet hat. Das Fahrzeug lag auf dem Dach in einem Feld. Von den vier Insassen konnten sich zwei selbst aus dem Fahrzeug befreien. Der Fahrer war im Fußraum eingeklemmt, die Beifahrerin bewusstlos. Es war Sommer, das Feld frisch mit Hühnergülle gedüngt und ich hatte keinerlei Ausrüstung dabei – und das alles in der „prä-Handy-Zeit“. Aber allein schon, dass ich einem anderen Helfer, der zum Telefon ging, rasch die Einschätzung über die notwendigen Rettungsmittel sagen konnte, hat geholfen. Seitdem habe ich im Auto eine Beatmungsmaske mit Ambubeutel, Braunülen und viel Verbandmaterial.

Foto: Peter Pulkowski
Foto: Peter Pulkowski

Am Meer

Prof. Dr. med. Erik Schulte
Anatom, Hochschullehrer

Im Jahr 1996 war ich mit meiner Familie im Urlaub auf der Nordseeinsel Spiekeroog, als ein Kleinflugzeug mit drei Insassen beim Überfliegen der Insel in das niedrige Wasser abstürzte. Ich nahm nach der Bergung zweier Flugzeuginsassen an der Reanimation eines Verletzten teil und half der örtlichen Feuerwehr bei der Einweisung der beiden landenden Rettungshubschrauber. Meine Ausbildung im Rettungsdienst vor dem Studium und meine befristete ärztliche Tätigkeit bei der Bundeswehr kamen mir zugute, um bei dieser Situation, die sich buchstäblich aus heiterem Himmel völlig unerwartet einstellte, doch konzentriert und zügig zu handeln. Leider konnte damals keiner der drei Flugzeuginsassen gerettet werden.

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