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Clinical-Scientist-Programme: Verknüpfen statt Trennen

Richter-Kuhlmann, Eva

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Den Karriereweg zur Forschung nicht dem Zufall zu überlassen, wünschen sich Ärzte in Weiterbildung. Clinical-Scientist-Programme können helfen, wissenschaftliches Profil zu gewinnen.

Foto: sturti iStockphoto
Foto: sturti iStockphoto

Ob in der Infektionsforschung oder in anderen Fachbereichen: Junge Ärztinnen und Ärzte, die sich in der Forschung engagieren, sind sehr gefragt. Denn zu wenige Absolventen des Medizinstudiums entscheiden sich für diesen Weg. Ein Grund: „Forschende Nachwuchsärzte sind derzeit mit deutlichen Erschwernissen konfrontiert“, kritisieren junge Forscher. Meist verlängere sich die Facharztweiterbildung. Forschungsprojekte neben der Krankenversorgung führten zudem zu einer Zusatzbelastung auf Kosten der Work-Life-Balance. „Wir brauchen eine sinnvolle und verlässliche Verzahnung von Forschungsinhalten mit der Facharztweiterbildung“, fordern deshalb Nachwuchsforscher in der Medizin.

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Rückendeckung erhielten sie erst jüngst wieder von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Diese betont in einem aktuellen Positionspapier vom August 2017, dass der medizinische Nachwuchs in Deutschland bei Ausbildung, Weiterbildung und Karriere mehr Unterstützung benötige. So müsse beispielsweise das Gesetz über befristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, angepasst werden. „Es kann nicht sein, dass sich unser dringend benötigter Nachwuchs von einer befristeten Beschäftigung zur nächsten retten muss“, sagte AWMF-Präsident Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg. Ärztinnen und Ärzte in der Klinik müssten zudem ein Arbeitsumfeld vorfinden, das ihnen eine wissenschaftlich orientierte Patientenversorgung verlässlich ermögliche.

Die Bundes­ärzte­kammer nimmt sich seit einigen Jahren der Problematik an. Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer, betonte in diesem Jahr auf dem 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg, dass die Weiterbildung künftig am Ergebnis orientiert sein müsse und nicht am Ableisten von Zeiten. „Mit der Novellierung der Weiter­bildungs­ordnung wollen wir weg von der Anerkennung von Zeiten und hin zu der Anerkennung von Inhalten und Kompetenzen“, erklärte er. Dann bliebe auch Zeit für die Forschung.

Auch der Medizinische Fakultätentag (MFT) möchte während der Weiterbildung Wissenschaft und Forschung stärker verankert wissen. Die Dekane fordern daher, patientenorientierte klinische Forschung in der Weiter­bildungs­ordnung besser zu berücksichtigen. Bislang würden drittmittelfinanzierte Forschungszeiten von den Ärztekammern für die klinische Weiterbildung zu wenig anerkannt, kritisieren sie. Der MFT fordert deshalb, verbindliche Weiterbildungen und Karrierewege individuell für die Universitätsmedizin zu implementieren, die sowohl die wissenschaftliche Tätigkeit als auch die spezifische klinische Ausbildung berücksichtigen. Beispielsweise könnte mithilfe strukturierter Programme der medizinischen Fakultäten (dem Clinical-Scientist-Programm und dem MD/PhD-Programm) während der ärztlichen Weiterbildung sichergestellt werden, dass auf allen Stufen der Karrierewege in der Universitätsmedizin die klinische Aus- und Weiterbildung mit einer Tätigkeit wissenschaftlicher Orientierung und der Bearbeitung von Forschungsprojekten in sinnvoller Weise verbunden werden.

An der Berliner Charité ist beispielsweise bereits ein Clinician Scientist Program etabliert, das Ärztinnen und Ärzten eine strukturierte Facharztweiterbildung mit Raum für klinische und grundlagenorientierte Forschung ermöglicht. Am Ende des Programms stehen die abgeschlossene Weiterbildung und idealerweise die erfolgreiche Habilitation. Ähnliche Konzepte werden auch von privaten Stiftungen sowie von Ländern an ihren Medizinischen Fakultäten gefördert. Oft beinhaltet die Förderung die Finanzierung einer geschützten Forschungszeit für Ärzte in Weiterbildung, die sich über einen Zeitraum von meist zwölf Monaten beziehungsweise bei 50 Prozent Forschungstätigkeit über eine längere Zeit einem Forschungsthema widmen können.

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