StudierenArchivDeutsches Ärzteblatt14/2004Altersvorsorge: Strategisch angehen

VARIA: Wirtschaft

Altersvorsorge: Strategisch angehen

Dtsch Arztebl 2004; 101(14): A-952

Fahlbusch, Reinhold; Zeidler, Uwe

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LNSLNS Je früher der Arzt die Finanzierung seines Ruhestandes in die Wege leitet, desto besser

Jeder Arzt übernimmt bei der Ausübung seines Berufes eine überdurchschnittliche Verantwortung für andere Menschen. Angesichts der stetig steigenden Herausforderungen menschlicher wie fachlicher Art übersieht jedoch so mancher Arzt die Verantwortung für sich selbst. Über den Zeitraum einer Generation hinweg leistet der Arzt die Aufgabe, das Leben und die Gesundheit seiner Patienten sicherzustellen, muss jedoch gleichermaßen mit seinen im aktiven Berufsleben erwirtschafteten Überschüssen so geschickt haushalten, dass er im Ruhestand ohne weitere Einnahmen auskömmlich leben kann. Das ist schon deshalb nicht einfach, weil ein selbstständiger Arzt, der überwiegend gesetzlich Krankenversicherte behandelt, im Schnitt zu 85 Prozent ein öffentliches Einkommen erhält, das er nur in engen Grenzen beeinflussen kann. Und auch die Praxisausgaben sind weitestgehend vorgegeben: Der Arzt muss zwangsläufig die erforderlichen Ressourcen bereithalten. Hinzu kommt, dass durch die Entwicklungen im Gesundheitswesen die Überschüsse in den letzten Jahren immer stärker geschrumpft sind.
Bei Befragungen der Ärzteschaft bezüglich der Finanzierung des Ruhestandes werden mehrheitlich der Erlös aus dem Praxisverkauf, die Ansprüche an das Versorgungswerk und das eigene Haus angeführt. Wie gefährlich es ist, sich auf stabile Praxis-Verkaufserlöse zu verlassen, zeigt die Tatsache, dass in einigen Regionen schon jetzt Praxen nahezu unverkäuflich sind. Das eigene Haus erspart zwar Miete, bindet aber auch gleichzeitig Kapital, das nicht anderweitig eingesetzt werden kann. Und die Wertsteigerung des eigenen Objekts ist nur dann liquiditätswirksam, wenn die Immobilie verkauft wird, was zumindest bei selbst genutztem Eigentum kaum infrage kommt. Als sicher verbleiben somit nur die Renten der Versorgungswerke. Ob dieses Geld ausreicht, um die Bedürfnisse des Ruhestands finanzieren zu können, hängt von den Ansprüchen ab.
Dabei wird häufig, und nicht nur von Ärzten, vernachlässigt, dass eine frühe Beschäftigung mit dem Thema viele Probleme lösen könnte. Legt ein Vater seinem neugeborenen Sprössling einen monatlichen Sparplan von nur 100 Euro in die Wiege, so kann sich der Nachwuchs – soweit er die Zahlungen im erwachsenen Alter durchhält – mit 65 Jahren über ein stattliches Vermögen von 2,3 Millionen Euro erfreuen (bei acht Prozent Rendite per annum). Ein niedergelassener Arzt steht im Durchschnitt 33 Jahre im Berufsleben. Legt er monatlich 1 000 Euro auf die hohe Kante, so sind dies bei Eintritt in den Ruhestand immerhin 1,83 Millionen Euro (bei acht Prozent Rendite per annum). Lässt er sich diese Summe über 30 Jahre auszahlen, so langt dies (bei fünf Prozent Verzinsung) zu einer monatlichen Zusatzrente von 9 500 Euro. Wer erst zehn Jahre vor Eintritt in das Rentenalter mit dem Sparen beginnt, muss bereits 40 Prozent vom Durchschnittsumsatz eines Allgemeinmediziners beiseite legen. Das Aufschieben eines Sparplans um nur ein Jahr kann am Ende der Laufzeit mehr als 10 000 Euro kosten.
Das „Anlegerleben“
Wie das Berufsleben, so lässt sich auch das „Anlegerleben“ in unterschiedliche Phasen unterteilen. Diese Phasen werden im Wesentlichen dadurch bestimmt, ob Vermögen aufgebaut, ausgebaut oder verbraucht wird. Das folgende „Lebensphasenkonzept“ gibt einen Überblick (Grafik).
In den Phasen „Studieren“ und „Investieren“ sind Kapitalanlagestrategien für den Arzt weniger erforderlich – hier geht es mehr um die sorgfältige Trennung des Machbaren vom Wünschenswerten und die richtige Finanzierung der Synthese.
In der Etablierungsphase – jetzt steht der Erwerb der eigenen Immobilie an – wird das Spannungsverhältnis zwischen „wünschenswert“ und „machbar“ noch deutlicher. Die Baufinanzierung ist im Regelfall die Finanzierung von Investition und Konsum gleichermaßen. Das ist für sich genommen nicht schädlich. Bei den weiteren Anlagen muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Anteil „Konsumgut“ am eigenen Haus für die Existenz und Alterssicherung verloren ist.
Kaum jemandem gelingt die Beschaffung der eigenen vier Wände zu den ursprünglich geplanten Kosten. Deshalb ist die Phase „Konsolidieren“ zum Abbau der zuvor eingegangenen kurzfristigen Verpflichtungen im Regelfall erforderlich. Sie dient auch zum Aufbau der stets notwendigen Liquidität sowie des Kapitals, das für die Phase „Expandieren“ ratsam ist.
Expansion ist kein Muss. Ohne sie reduziert sich die wirtschaftliche Lebensleistung allerdings auf die Arztpraxis und die Wohnung, was zumindest bedenklich ist. Zwar investiert nicht jeder Arzt in einen ganzen Straßenzug oder ein frei stehendes Haus. Es kann auch eine Eigentumswohnung sein oder eine Beteiligung, auch Anteile an offenen oder geschlossenen Immobilienfonds, nicht zuletzt Wertpapiere oder Versicherungsverträge. Die Mentalität des Anlegers, seine Ziele und finanziellen Möglichkeiten sind hier bestimmend.
Rechtzeitige Ergebniskontrolle
Geldanlagen in fremd genutzte Immobilien – so denn gewünscht – gehören zwingend in die Expansionsphase. Da eine Sofortrendite bei diesen Finanzobjekten selten ist, müssen sie bereits zu diesem Zeitpunkt angeschafft werden, damit der Arzt sie in der „Erntezeit“ für Konsumzwecke nutzen kann. Hinzu kommen weitere betriebliche Investitionen – zum Ersatz von Abnutzung, zur Anpassung an den neueren technischen Stand oder aber zur Abrundung beziehungsweise Schärfung des eigenen fachlichen Profils.
Nicht selten wird die Notwendigkeit übersehen, das Ergebnis der vielen Einzelfallentscheidungen auf das langfristige Anlageziel hin zu justieren. Wer mit 50 oder 55 Jahren nicht weiß, ob und in welchem Ausmaß er spätestens mit dem Eintritt in den Ruhestand auf das berufliche Einkommen verzichten kann, muss mit schmerzlichen Überraschungen rechnen. Frühere Generationen konnten Schieflagen durch verlängerte Berufstätigkeit ausgleichen; heute ist mit 68 Jahren für den Kassenarzt Schluss.
Die Zeit von dieser Ergebniskontrolle bis zum Eintritt in den Ruhestand sollte lang genug sein, um ohne größere Friktionen gegensteuern zu können. Mit 60 ist es meistens sehr spät, und die Anpassungsmaßnahmen können einschneidend werden. In die Phase „Justieren“ gehört auch die Planung des Einstiegs in den Ausstieg. Ein behutsamer Schwenk von renditestarken, aber auch risikoreichen Anlageformen hin zu Anlagen mit stetiger – wenn auch geringerer – Rendite steht hier im Mittelpunkt. Das Risiko einer Anlage sollte umso geringer sein, je kurzfristiger das Kapital wieder benötigt wird. Eine regelmäßig verwendete Faustformel lautet „Aktienanteil = 100 – Lebensalter“. Auch wenn diese Formel auf den ersten Blick sehr pauschal scheint, so beinhaltet sie doch einen grundlegend richtigen Ansatz.
Was nun folgt, ist die „Erntezeit“. Um diese Phase gut bestehen zu können, braucht das Vermögen eine „altersgerechte“ Struktur. Beispielsweise verändert sich die Risikobereitschaft mit dem Alter. Ausbleibende Praxisüberschüsse bedingen eine andere Liquiditätshaltung. Dieses und die spätestens jetzt erforderliche Frage nach dem Vermögensmanagement im Pflege- oder Todesfall schaffen weiteren Kalkulations- und Beratungsbedarf. Wenn die Ausgaben im Alter von den Renten und Kapitaleinkünften finanziert werden können, ist es ideal. Im Regelfall ist jedoch – was für sich genommen nicht falsch ist – der Verzehr von Kapitalteilen unabwendbar. Die Bestimmung des richtigen Anteils von Kapitalverzinsung und Kapitalverzehr bedarf einer genauen Kalkulation.
Die langfristigen Ziele im Blick behalten
Häufig ist die Beratung in Finanzdienstleistungen überwiegend an einzelnen Geldanlageformen orientiert. Es wird nicht gefragt, welches Finanzprodukt für die Erreichung des Global- oder eines Teilziels benötigt wird. Sehr oft wird nur der Nutzen des einzelnen Investments (Wertpapier, Beteiligung, Immobilie oder Versicherung) betrachtet, ohne zu prüfen, ob diese Form der Geldanlage der Zielerreichung nützt oder schadet. Wenn, nach gesicherter Erkenntnis, die Produktauswahl nur zu fünf Prozent zum Erfolg beiträgt, kann dieses Vorgehen nicht richtig sein. Erforderliche strategische Beratung ist nicht nur ein initialer Akt. Sie muss den Arzt durch sein Leben als Kapitalanleger begleiten und sich an seinen Zielen und seiner aktuellen Lebensphase orientieren, ohne die noch ausstehenden Phasen aus dem Blick zu verlieren.
Dabei müssen die Produkte, in die investiert wird, nicht kompliziert sein. Es reicht beispielsweise völlig aus, erstklassige Investmentfonds anzusparen oder aber den Mantel einer fondsgebundenen Lebensversicherung zu nutzen.
Solange die folgenden Grundsätze beachtet werden, kann eigentlich wenig schief gehen:
- Die Portfoliobestandteile müssen dem Risikoprofil und den Zielen des Anlegers entsprechen.
- Mindestens drei Monatsausgaben sollten immer – auch im Ruhestand – kurzfristig zur Verfügung stehen.
- Diversifikation ist notwendig, vom Sparplan über Versicherungen bis hin zu Wertpapieren.
- Für die künftige Versorgung sind hohe Realzinsen wichtiger als hohe Nominalzinsen.

Reinhold Fahlbusch, Uwe Zeidler
Deutsche Apotheker- und Ärztebank
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