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Alles ist besser anderswo... ja ist es das wirklich – und auch im Gesundheitswesen? Die Fachjournalistin Martina Merten berichtet über ihre Erlebnisse fernab von Deutschland.

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Wissenschaft ohne Medizin

Freitag, 27. Mai 2011

Wenn ein Jahr als „Deutsch-Russisches Wissenschaftsjahr“ auserkoren wird, weckt diese Bezeichnung gewisse Assoziationen. Mit einem „Wissenschaftsjahr“ assoziieren sicherlich viele ein Jahr, in dem es um die Natur geht, um die Technik, um den Mensch und um die Medizin.

Zu erwarten war also, dass auch unsere Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, die dieses Jahr vor einigen Tagen in Moskau offiziell eröffnete, alle diese Bereiche meint. Dem war nicht so.

Hunderte von Vertretern deutscher und russischer Wissenschaftsorganisationen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen waren in Moskau dabei als Schavan in Anwesenheit ihres russischen Amtskollegen Andrej A. Fursenko ihre Ideen vom Verlauf des Jahres schilderte.

Schavan sprach vom Aufbau bilateraler Berufsbildungspartnerschaften und der Stärkung der deutsch-russischen Spitzenforschung. So sei die Meeres- und Polarforschung oder auch Zukunftsfelder wie die optischen Technologien wichtige Themengebiete der Kooperation.

Sie erwähnte den Aufbau einer Jungen Akademie, an dem junge Forscher lernen sollten. Und sie lobte den Bestand der deutsch-russischen Partnerschaft im Bereich der Bildung und Forschung, die 1987 mit dem „Regierungsabkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit“ begann. 

Kein Wort Schavans über die Medizin. Es war Prof. Wiktor A. Sadownitschij, Rektor der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau, der nach einer Stunde erstmals die Medizin aufführte. So habe seine Universität mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin kooperiert, er erwähnte Forschungsprojekte zur Medikamentenwicklung und Blutgefäßwiederherstellung. Dabei blieb es. Die Worte des Vizepräsidenten der Russischen Akademie der Wissenschaften über die Medizin sollten die einzigen an diesem Tage sein.

Natürlich gebe es zahlreiche Kooperationen auch im medizinischen Bereich zwischen Russland und Deutschland, beeilte man sich auf Nachfrage in der Presseabteilung des BMBF zu sagen. Beispiele gab es auf die Schnelle keine. Schavan hätte einfach einige Bereiche „herauspicken“ müssen und habe dabei eben nicht explizit die Medizin gewählt.

Nun, in der eigens anlässlich des deutsch-russischen Wissenschaftsjahres herausgegebenen Broschüre zu der „Partnerschaft der Ideen“ beider Länder findet sich merkwürdigerweise auch nichts zu diesem Bereich der Wissenschaft. Und auf der eigens für dieses Jahr angelegten Homepage sucht man ebenso vergeblich. 

Das ist doch nicht weiter schlimm? Es gibt schließlich genug andere interessante Bereiche innerhalb der Wissenschaft? Bei einem Land, das auf dem Gebiet der Medizin so viel Kooperationsbedarf hat wie Russland, sollte und muss eine Ministerin Leuchtturmprojekte aus der Heilkunde erwähnen. Das muss ja nicht auf Kosten der Meeresforschung geschehen.

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