am Montag, 19. Juni 2017 um 11:39

Nocebo-Effekt!

Kommentar zur Nachricht
Mehr Krankenhausfälle wegen Raucherkrankheiten
vom Mittwoch, 31. Mai 2017
«Wenn die Menschen Situationen als real definieren, sind sie auch in ihren Konsequenzen real.» Thomas-Theorem

Das zeigt ein Klassiker der Nocebo-Forschung, der durch Zufall offenbarte, wie die stark falschen Befürchtungen wirken. Ein junger Mann beteiligte sich an einem Blindversuch. Eine Gruppe enthielt Tabletten, die tatsächlich ein Antidepressivum enthielten, die Vergleichsgruppe ein reines Scheinpräparat. Der Mann gehörte – selbstverständlich ohne es zu wissen – zu denen, die Tabletten ohne Wirkstoff bekamen. Während der Teilnahme an der Testreihe geschah dann etwas, was überhaupt nichts mit dem Versuch zu tun hatte: Der Proband wurde von seiner Freundin verlassen. Verzweifelt nahm der Mann eine Überdosis des vermeintlichen Antidepressivums – in der festen Überzeugung, damit sein Leben zu beenden. Nach Einnahme der wirkstofflosen Tabletten brach sein Kreislauf zusammen. Sein dramatisch abgesunkener Blutdruck ließ sich erst stabilisieren, als er erfuhr, daß er ein Scheinpräparat geschluckt hatte.

Ulrike Bingel fand heraus, daß der Schmerz gar nicht in der Großhirnrinde ankommt, und damit auch nicht in das Bewußtsein eindringen kann. Offenbar ist ein Bereich im Frontalhirn, das sogenannte rostrale anteriore Cingulum, an der Entstehung des Nocebo- und Placebo-Effektes beteiligt. Damit ist klar: Der Placebo-Effekt hat nichts mit Einbildung zu tun, sondern führt zu echten Veränderungen im Gehirn.

Angesichts eines so massiven Nocebo-Effektes ist es fraglich, ob es wirklich heilsam ist, wenn Ärzte ihre Patienten vor den Nebenwirkungen ihrer Medikamente warnen oder auf Zigarettenpackungen Hinweise über die Risiken des Rauchens stehen. Möglicherweise wecken gerade diese kurzen Sätze in den Konsumenten die Erwartung, tatsächlich an Lungenkrebs zu erkranken. Und das macht die Entstehung eines solchen Krebsleidens nur noch wahrscheinlicher.

Schließlich belegen Placebo- und Nocebo-Effekt, wie extrem wirkungsvoll positive und negative Erwartungen sein können. Quelle WDR

Quelle: http://www.sackstark.info/?page_id=17619

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