am Samstag, 15. Juli 2017 um 23:35

Nebenwirkungen der Chemotherapie mildern oder vermeiden

Einige weise Sätze an diejenigen, die meinen Vorschlag zur Milderung oder Vermeidung der Nebenwirkungen der Chemotherapie statt zu testen nur kritisieren:
1.) Der beste Arzt ist die Natur, denn sie heilt nicht nur viele Leiden, sondern sie spricht auch nicht schlecht von einem Kollegen. LOUIS PASTEUR (1822 - 1895) Chemiker und Biologe
2. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass eine Wissenschaft aus lauter streng bewiesenen Lehrsätzen besteht, und ein Unrecht, solches zu fordern. Siegmund Freud, Psychoanalytiker (1856-1939)
3.Dr. Wendell D. Winters, von der University of Texas Health Science Center in San Antonio, schloss seine weltweite Forschung über die Aloe vera in einem Satz zusammen:"Wir glauben, dass die Aloe vera wirklich eine Apotheke in einer einzigen Pflanze ist.
4.H.R. McDaniel, M.D., Pathologe und Forscher an dem Dallas-Fort Worth Medical Center kam zu folgendem Schluss:"Die Anwendung der Aloe vera wird der wichtigste Schritt in der Behandlung von Krankheiten in der Geschichte der Menschheit sein."
Ich wünsche allen Kommentatoren
ein "Frohes Aloe"
Michael Peuser
São Paulo/Brasilien
am Sonntag, 16. Juli 2017 um 11:07

Noch mal da...

Aphorismen sind etwas prinzipiell gutes, nur ersetzen sie leider keine harten Daten. Daß ich mit meiner Beurteilung von A. vera in Bezug auf Tumoren nicht alleine bin, zeigt gut der Onkopediaeintrag (https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/aloe-vera/@@view/html/index.html).

@ jpink: 1. habe ich nichts zum Thema „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ geschrieben - das Gesetz wird (so denke ich) außerdem hier im Forum nie eine Rolle spielen. Daß wir uns hier alle an das Urheberrecht und das StGB halten müssen, sollte wohl außer Frage stehen?
2. Sie irren: M. Peuser selbst hat keinen Psiram-Eintrag.
am Sonntag, 16. Juli 2017 um 11:38

Ach, Herr Peuser!

Ich würde Ihnen ja gerne glauben (und NOCHMAL: es geht mir nicht um WIRKUNG, sondern um RISIKEN).

EINE EINZIGE FRAGE zum Abschluss.

Falls irgendjemandem ein SCHADEN widerfährt, der Ihren Ausführungen glaubt: HAFTEN Sie dann für Ihre Äußerungen? Zahlen Sie ggf. SCHADENSERSATZ? Bezahlen SIE ggf. die Dialysebehandlung?

Ich jedenfalls HABE eine auch berufliche Haftpflichtversicherung. MEINEN Patienten gegenüber trage ich ggf. die VOLLE VERANTWORTUNG.

Alles andere ist – in allen Ehren – "freie Meinung" (oder aber, mit Verlaub: "unverbindliches Gewäsch"). Nachprüfbare Belege: Fehlanzeige.

Zu guter Letzt ein Zitat aus der "Welt" vom 15.07.2017 (T. Stukenberg: Doping für alle): "Und selbst wenn in der Packung enthalten ist, was drauf steht, wird bei den Dosen häufig geschummelt. 'Nahrungsergänzungsmittel aus dem Ausland sind fast durchweg gefährlich', warnt Herbert Löllgen, Sportmediziner und Mitglied der Arznei­mittel­kommission daher."

PRIMUM Nil Nocere!

mfg A. Schnitzler
am Sonntag, 16. Juli 2017 um 14:05

Wollen wir noch einen draufsetzen?

Wollen wir noch einen draufsetzen?
Bitte schön!

Peuser schreibt in einer Broschüre (M. Peuser (2008) Die Heilkraft der Aloe vera. Verlag H. Rademann; http://www.hug-koerper-geist-seele.ch/wp-content/uploads/2014/12/Die-Heilkraft-der-Aloe-Vera.pdf; Zugegriffen 16.07.2017) folgendes: "Brennnessel ist in Verbindung mit Aloe vera eine optimale Gesundheitsquelle."

Vor gar nicht langer Zeit habe ich in meiner nephrologischen Ambulanz selbst mehrfach Nierenversagen (!) iVm "Brennesselextrakt" beobachtet (war regional eine Zeitlang hoch aktuell).

Hierzu finden sich folgende Angaben: "Grössere Mengen einer konzentrierten Brennnessel-Abkochung können zu Magenreizungen und Nierenschädigung – Ödemen führen. Madaus stellte in der Grossen Brennnessel eine grosse Menge giftigen Eiweißes fest. Die letale Dosis dieses Eiweißes betrug bei Mäusen 10mg."

(aus: https://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/79-brennnessel.html; Zugriff 16.7.17; nach: Gerhard Madaus (1938) Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Olms Verlag).

Der Spuk ging offenbar vorbei, nachdem ich in der örtlichen Zeitung eine dringende Warnung veröffentlicht hatte.

Mit Verlaub: die Empfehlungen des Herrn P. sind schlichtweg UNVERANTWORTLICH.

mfg A. Schnitzler
am Montag, 17. Juli 2017 um 09:05

Worum geht es hier?

In diesem Artikel geht es um eine Leitlinie zur Behandlung von Nebenwirkungen bei der Krebstherapie, also um die Behandlung von verzeifelten, durch ihre Krankheit schwer geschädigten Menschen, die bereit sind sich an jeden Strohhalm zu klammern. Dieses Umfeld ist aufgrund der besonderen Situation besonders anfällig für Scharlatane und Geschäftemacher, die aus der Notsituation der Patienten ihren Nutzen ziehen und Aufgabe der Ärzteschaft ist es nicht nur, die Patienten zu behandeln, sondern auch sie vor unseriösen Praktiken zu beschützen.

Nun zu Herrn Peuser und zu seinen Ausführungen zu Aloe vera. Er selbst hat mehrfach auf den Unterschied zwischen Aloe-Saft und Aloe-Gel hingewiesen. Der Saft ist durch den hohen Gehalt an Aloin ein Arzneimittel. Da Herr Peuser in seinen Beiträgen immer über das „Vitalgetränk“ spricht, bezieht er sich auf das Gel als Nahrungsergänzungsmittel. Herr Peuser hat in seinem ersten Beitrag auf das Gütesiegel des IASC verwiesen: http://www.iasc.org/Consumers/AloeVeraFAQ.aspx wobei bei den FAQ auf die Qualitätskriterien hingewiesen wird: Der Gehalt an Aloin darf für die orale Anwendung maximal 10 ppm und für die topische Anwendung maximal 50 ppm betragen. Die Herkunft wird über folgendermaßen definiert: „ The IASC standard states that only products containing acemannan, or the beta 1-4 acetylated glucomannans, can be accurately labeled as aloe vera. Acemannan is a naturally occurring polysaccharide that is present in aloe vera and is used as an identifier of the botanical by analytical means.“ Allerdings bleibt die Webseite die Frage schuldig, welche Konzentrationen in einem reinen Produkt zu erwarten sind. In einem anderen Punkt äußert sich das IASC dagegen sehr eindeutig: Aloe vera Produkte für die orale Anwendung sind Nahrungsergänzungsmittel. Eine Bewerbung von Nahrungsergänzungsmitteln als Arzneimittel ist verboten. Das gilt für die USA und auch für Deutschland. Hierzu gibt es eine entsprechende EU-Verordnung: https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_(EG)_Nr._1924/2006_(Health_Claims) . Aus meiner Sicht stehen die Auslassungen von Herrn Peuser im klaren Widerspruch zu dieser EU-Verordnung. Auch sind die Qualitätskriterien des IASC gut für ein Nahrungsergänzungsmittel, aber meilenweit entfernt von den Regeln des Arzneimittelrechts.

In seinem Kommentar zur Wirksamkeit von Aloe vera sagt Herr Peuser: „ Nebenwirkungen der Chemotherapie wie Übelkeit und Haarausfall werden gemindert“ sowie „ Heute ist die Aloe eines der meist erforschten medizinischen Produkte mit fast 5.000 veröffentlichten Forschungsberichten.“. Haarausfall ist eine messbare Größe, wo sind dann belastbare doppelblinde Studien zu dieser Fragestellung? Und selbst einmal angenommen, Aloe vera hat Einfluss auf die Nebenwirkungen, wo sind dann die Publikationen, die nachweisen, dass es keine Interaktionen mit der Chemotherapie gibt und die Chemotherapie nicht in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt wird? Da Herr Peuser von sich aus keine wissenschaftlichen Quellen zur Untermauerung seiner Behauptungen angibt, bleibt einem nichts andere übrig, als selbst nachzuschauen. Wenn man bei pubmed „Aloe vera“ und „cancer“ als Schlagworte eingibt, kommt man auf 352 Literaturangaben, die meisten nach 1995. Die publizierten Arbeiten sind sehr hetrogen, insbesondere weil sich die verwendeten Komponenten (Gel oder Saft) erst bei genauerem Durchlesen erschließen. Ein Teil der Arbeiten bestätigt eine gewisse pharmokologische Wirksamkeit, bei einem Teil der (gerade auch doppelblind randomisierten) Arbeiten ist keine Wirksamkeit nachweisbar. All dies widerspricht nicht der Bewertung der Aloe vera als Heilpflanze, allerdings ist die Forschung hierzu gerade noch am Anfang, es gibt Einzelarbeiten mit dem Versuch separate Fraktionen zu gewinnen und diese im Zellkultursystem oder im Tierversuch zu charakterisieren. Bei diesem Stand der Forschung dürfte es aber noch mindestens 10 Jahre dauern, bis einzelne Wirkstoffe und deren Wirkmechanismen verstanden sind und weitere 10 Jahre, bis daraus definierte Fertigarzneimittel produziert werden. Der von Herrn Peuser vorgeschlagene Wirkmechanismus auf die Kapillaren ist dagegen unwissenschaftlich und durch keinerlei Publikationen belegt. Der Wandaufbau einer Kapillare ist einschichtig und dient alleinig dem Stoffaustausch zwischen Blutsystem und Gewebe. Die Regulation des Drucks in den Kapillaren und damit des Querschnitts und des Durchflusses ist Aufgabe der Arteriolen, denn diese haben eine dreischichtige Wand mit glatter Muskulatur. Dies ist Basiswissen Anatomie, weshalb ich hier auf die Angabe von Quellen verzichte.

Herr Peuser bezieht sich in seinem Beitrag auf die Kooperation mit Prof. Klopp. In dessen Publikationsliste ist dort ab dem Jahr 2000 eine Hinwendung zu alternativmedizinischen Inhalten zu beobachten: http://institute-microcirculation.com/das-institut/publikationen/
Die von EEBO genannten Quellen sind unter einem speziellen Aspekt sehr interessant: Alternativmedizinische Produkte z.B. für die Bemer-Therapie (wegen der Verbindung zu Prof. Klopp) werden oft mittels Multi-Level-Marketing (zu gut deutsch: nach dem Pyramiden- bzw. Schneeballsystem) vertrieben:
https://www.psiram.com/de/index.php/Bemer
https://www.psiram.com/de/index.php/MLM
https://www.psiram.com/de/index.php/Aloe_Vera
Neben Geräten sind aber auch Nahrungsergänzungsmittel wie Aloe vera Gel von dem Vertrieb mittels Schneeballsystem betroffen. Herr Peuser versichert, dass er „weder eine Aloe-Plantage habe, auch keine Firma zur Herstellung von Aloe-Produkte und ich keine Aloe-Produkte verkaufe“. Nur wie soll man dazu folgende Bemerkung einordnen: „ Ich wurde auf Grund meiner Kapillarenlehre bisher zu mehr als 1.300 Vorträge von Brasilien aus nach Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Russland, Ukraine, Griechenland, Holland, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Ungarn, Frankreich und Portugal eingeladen und meistens stehend applaudiert.“ Herr Peuser hat in seiner Bemerkung vergessen explizit darauf hinzuweisen, dass er nicht am Vertrieb von Aloe vera Produkten beteiligt sei. Ansonsten könnte durchaus der Eindruck entstehen, dass er in seinem Vorträgen nicht der wissenschaftliche Informator ist, sondern der Einpeitscher für die Gehirnwäsche in einer Verkaufsveranstaltung nach dem Pyramidenprinzip. Und wer in der Pyramide weit genug oben ist, braucht auch nicht mehr selbst zu verkaufen, dafür gibt es das Personal an der Basis der Pyramide.

Warum ich mich so spät in diese Diskussion einmische: Bei einer weiteren von EEBO genannten Quelle: http://www.ariplex.com/ama/ama_aloe.htm macht Herr Peuser folgende Aussage: „und der Aidskranke fuehlt sich wieder wohl, wird gestaerkt, kann wieder arbeiten und sein eigener Organismus kann den Virus besiegen“. Ich verstehe vielleicht nicht allzu viel von Onkologie, aber wenn jemand behauptet, er kann AIDS bekämpfen, dann werde ich hellhörig. Bei einer pubmed Recherche mit den Schlagworten „Aloe vera“ und „HIV“ gibt es genau 23 Treffer, davon keinen einzigen, der einen sicheren Zusatznutzen für HIV-Patienten nachweist. Es gibt durchaus mehre Arbeiten über Aloe vera als Komplementärmedizin in afrikanischen Ländern, aber fast alle befassen sich mit den möglichen Interaktionen zwischen ART und Aloe vera. Woher hat dann Herr Peuser sein Wissen über die Wirkung von Aloe vera bei HIV?

Zusätzlich möchte ich noch einige weitere Außerungen von Herrn Peuser zitieren, beide aus der gleichen Quelle wie seine Aussage zu HIV: „In Brasilien ist der Franziskanerpater Romano Zago OFM, der mit der Anwendung der Aloe die meisten Erfahrungen gesammelt hat. Er hatte auch jahrelang im Heiligen Land gelebt und die Pilger an der Geburtskirche und der Grabeskirche betreut. Das dort derartig viele Kranke kamen, besonders Krebskranke die vor dem Tod noch die Hl. Staetten sehen wollten, so hat er diesen die Erfolgsformel mit der Aloe aus Brasilien gegeben. Die meist von den Aerzten aufgegeben Krebskranken wurden mit der Aloe zu 70% geheilt, lt. den Aussagen des Paters.“ sowie „ Selbst Jesus wurde bei der Grablegung mit 100 Pfund (=32 kg) Aloe und Myrrhe behandelt“. Bei beiden Aussagen überlege ich krampfhaft, welchen Evidenzwert diese Aussagen für dieses Forum haben...

Dieses Forum ist offen für alle Nutzer, egal ob Arzt oder Laie, solange sie etwas zum Thema zu sagen haben. Eine Besonderheit gibt es aber, juristisch ist jeder medizinische Eingriff eine Körperverletzung. In diese Richtung gehen auch die Kommentare von DrSchnitzler zum Thema Haftpflichtversicherung. Und wenn es hier um die Empfehlung von Therapien oder Arzneimitteln geht, dann muss der Arzt seinem Patienten Rede und Antwort stehen, wenn etwas daneben geht. Dieser Umstand rechtfertigt scharfe Nachfragen nach Wirkungen und Nebenwirkungen, unabhängig von der Person.

Ein komplexes Nahrungsergänzungsmittel als Wunderwaffe gegen eine Vielzahl an Krankheiten und Beschwerden und damit als Arzneimittel anzupreisen ist ein Gesetzesverstoß (siehe EU-Verordnung 1924/2006), ein Verstoß gegen das Werbeverbot in den Regeln zur Netiquette des DÄ, es ist ein Missbrauch der Notlage von schwerkranken Menschen und die völlige Abkehr von wissenschaftlichen und ethischen Grundwerten, denen sich Ärzte aufgrund ihrer besonderen Stellung verpflichtet fühlen sollten. Dieses Herangehen schadet auch dem Ruf der Aloe vera als Heilpflanze. Selbst die Grußformel von Herrn Peuser „ein frohes Aloe“ ist weder eine korrekte Grußformel noch passt sie zu diesem ernsten Thema, sondern sie weckt bei mir in erster Linie die Assoziation von Marketingsprech für bildungsferne Schichten.

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