StudierenForenKommentare NewsWozu eine Impfpflicht für eine mangelhafte Impfung?

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Avatar #653573
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 17:37

Masernimpfung ist wichtig-Lösung?

Sehr geehrter Herr JohannMed,
‚Die Masernimpfung ist wichtig, aber es gibt keinen Grund für eine Impfpflicht.‘
Was wäre denn Ihr Lösungsvorschlag?
Avatar #103488
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 19:27

Impfgegnerlogik: Durch Ideologie die Impfpflicht provozieren

Die Art, wie Impfgegner sich die Welt zusammenreimen, ist schon erstaunlich. Man meint fast, vor der Impfung hätte es keine Masernsterbefälle gegeben. Es waren aber noch in den Jahren unmittelbar vor der Impfung jährlich ca. 100 (1969: 104, 1970: 79, 1971: 84), danach gingen die Zahlen rapide nach unten. In Madagaskar oder im Tschad kann man gerade auch ansehen, wie "harmlos" die Masern sind.

Auch die SSPE-Fälle sind übrigens im Laufe der Jahre weniger geworden, wie die Todesursachenstatistik zeigt. Würden sie mit der Impfung in Zusammenhang stehen, wäre das bei steigenden Impfquoten nicht erklärbar, ganz abgesehen davon, dass bisher stets das Wildvirus im Gehirn der Opfer nachgewiesen wurde, nie das Impfvirus.

Ich bin ja eigentlich gegen eine Impfpflicht (und für die Beseitigung von Impfhemmnissen), aber bei der ideologischen Verbohrtheit von Impfgegnern, bis dahin, dass Leute wie Lanka die Existenz des Masernvirus leugnen, kommt bei mir die Frage auf, ob der Gesetzentwurf wirklich so schlecht ist. Wenn das Gesetz so durchgeht, werden nämlich auch impfkritische Heilpraktiker, anthroposophische Ärzte und Walddorfschulen-Lehrer verpflichtet, sich impfen zu lassen. Waldorfeinrichtungen waren an den meisten Ausbrüchen der letzten Jahre beteiligt.
Avatar #771555
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 23:36

Impfpflicht gegen Ideologie? SSPE zunehmend im Alter

Hallo JKuhn,
der Zweck von Gesetzen ist nicht, die vermeintliche Ideologie von Leuten zu ändern, jedenfalls in einer Demokratie. Ich glaube gar nicht, daß die wenigen Impfgegner eine Impfpflicht erst provoziert haben, sondern es gibt wohl ein wirtschaftliches und ein politische Interesse daran. Z.B. bringt Karl Lauterbach die Impfpflicht bereits seit 2013 regelmäßig ins Spiel.

Wohin eine Impfpflicht führt, die dann mit der Zeit immer weiter verschärft wird, nämlich religiös/weltanschauliche Minderheiten in Privatkindergärten und -schulen zu verdrängen, die das Virus neu aus ihren Reiseländern importieren und größere Ausbrüche verursachen, kann man zur Zeit an den USA beobachten. Gelebte Praxis religiöser Toleranz ohne Impfplicht konnte man dagegen lange an Nachbarländern wie den Niederlanden, Dänemark oder Österreich studieren. Gerade von den grünen Parteien etwa in Australien, aber auch in Deutschland erlebt man zuletzt eine zunehmende Intoleranz etwa gegen die anthroposophische Lehre und Weltanschauung. Ob tatsächlich Anthroposophen an "den meisten" Ausbruchsgeschehen beteiligt sind wäre solide zu belegen; wobei Ausbrüche halt auch auf andere Gruppierungen wie z.B. Asylbewerber, Roma oder Arbeitsmigranten zurückgeführt worden sind.

Zu den SSPE-Fällen: die Kurve ist bereits seit 1992 praktisch konstant, bei höchstens 5 Todesfällen pro Jahr. Also zu einer Zeit, als Quoten der 1. Masernimfpung für Grundschulkinder noch auf nur ca. 60% geschätzt wurden.

Von den SSPE-Fällen sind ein erheblicher Teil nicht-deutsche, vermutlich erst zur Behandlung nach Deutschland eingereiste Patienten, deren Erkrankung somit nicht auf Infektion in Deutschland zurückgzuführen ist. Des weiteren findet eine deutliche Verschiebung ins höhere Lebensalter statt. Während in den letzen Jahrzehnten bei den über 30-jährigen und über 65-jährigen SSPE sogar zunimmt gibt es kaum noch Fälle bei Kindern und Jugendlichen. Seit 2000 lassen sich allenfalls noch ca. 6 SSPE-Fälle in Deutschland auf frühkindliche Masern-Infektionen zurückführen. Die Zahl der Maserntodesfälle bei Kindern liegt noch unter den SSPE-Fällen. Dies ist vermutlich auch der immer früher empfohlenen und vollzogenen ersten Masernimpfung mitzuverdanken. Andererseits wird bei Kleinkindern vermutlich häufiger in einen noch bestehenden Nestschutz geimpft, so daß die Bedeutung der zweiten Masernimpfung tatsächlich größer geworden ist.
Avatar #687997
am Mittwoch, 22. Mai 2019 um 00:55

Wozu eine Impfpflicht für eine mangelhafte Impfung?

Das Hauptargument für die Impfpflicht war bisher die Herdenimmunität, die angeblich erst bei einer 95% Durchimpfungsrate gesichert wäre. Wo bleibt der Beitrag zur Herdenimmunität der vor 1970 Geborenen? Schließlich handelt es sich um etwa die Hälfte der Bevölkerung, bei der lt. RKI eine 95 - 98%ige natürliche Immunität vorliegt. Demnach hätten wir schon >95% Herdenimmunität erreicht und trotzdem gibt es Masernerkrankungen. Die Masern sind nicht ausrottbar und vielleicht ist das gut so: Die durchgemachten Masern schützen vor Krebs; die Impfung nicht.
Avatar #103488
am Mittwoch, 22. Mai 2019 um 08:57

Daten

@ Rosenkohl:

Das Jahr 1992 bei den SSPE-Fällen haben Sie mit Bedacht gewählt, in der Tat ist seitdem die Fallzahl auf sehr niedrigem Niveau mit Zufallsschwankungen unter 5 Fällen pro Jahr. Im Jahrzehnt vorher waren es aber im Schnitt etwa 10 Fälle, im Jahr 1980 weist die Todesursachenstatistik sogar 27 SSPE-Sterbefälle aus. Was Sie vorführen, ist eine klassische "Achsenmanipulation", vielleicht nehme ich das Beispiel künftig in den Unterricht.

Dass sich das Sterbealter etwas nach hinten schiebt, ist richtig. Das hat aber vermutlich viele Gründe, möglicherweise bei Kindern auch die bessere medizinische Betreuung, ich kenne mich da nicht aus. Die Sterbefälle im späteren Erwachsenenalter passen gar nicht zu Ihrer These, denn die sollten überwiegend noch die Masern durchgemacht haben.

Was anthroposophische Einrichtungen als Ausbruchsquellen angeht: Schauen Sie sich halt die größeren Ausbrüche der letzten 15 Jahre an. Dass z.B. in Berlin auch eine Flüchtlingseinrichtung Ausbruchsquelle war, ist richtig: Überall dort, wo viele Ungeimpfte auf engem Raum zusammenkommen, besteht ein erhöhtes Ausbruchsrisiko.

Woher Sie wissen, dass ein "erheblicher Teil" der Masernfälle sich nicht in Deutschland angesteckt hat, würde mich mit Angabe des Bezugszeitraums doch sehr interessieren, Sie werden das ja hoffentlich nicht aus dem AfD-Europawahlprogramm haben?

@ Pro Natur:

Die Herdenimmunität gibt es nicht nach Altersgruppen. Ihr Argument ist schlicht unsinnig. Dass der Impfschutz bei den Kindern wirkt, sehen Sie doch u.a. daran, dass sich das Erkrankungsalter nach hinten verschiebt, ein Argument, das Impfgegner sonst gegen die Impfung verwenden.

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