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Avatar #88767
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 18:04

ePatientenakte: Finger weg davon!

Das Ministerium versucht sich in Vernebelungsstrategien. Zitat aus dem Bericht: „Es gebe aber keine Abstriche beim Datenschutz. Denn der Patient entscheide immer selbst, ob ein Arzt überhaupt Einblick in die Akte bekomme und welche Da¬ten darin gespeichert würden.“

Na super, wenn die einzige Möglichkeit darin besteht, Dritten den Zugang zur Akte insgesamt zu verweigern, weil es entweder alles oder nichts heißt, dann sind wir doch da angekommen, wo wir heute schon stehen: Kein Informationsaustausch. Braucht es dazu eine ePatientenakte? Muss man für diese Nullnummer die Ärzte mit Honorarkürzungen sanktionieren, weil die sich zum Schutz der Patientendaten nicht anschließen lassen wollen?
In Berlin merkt man offenkundig keine Einschläge mehr. Weder bei der gematik noch bei der KBV noch im Ministerium. Soweit das Auge reicht – nur Dilettanten.

Jedem Patienten kann man bei dem, von den dafür Zuständigen für überflüssig erachteten, Sicherheitskonzept nur empfehlen: Finger weg von dieser Akte!

Avatar #672734
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 18:36

Abstriche digital?

Nein bitte nicht! Das gibt die "virtuelle Realität" gerichtsfest sicher nicht her.
Ach so, hier wurde nicht medizynisch argumentiert ... aber man weiss ja nie bei diesem Minister ...
Avatar #17442
am Dienstag, 21. Mai 2019 um 20:41

eEPA ohne Berechtigungsmanagement?

Ein Berechtigungsmanagement muss jede kleine (und große) Softwarefirma in Ihrem Produkt ab Verkaufsstart implementiert haben - ob Software für Buchhaltung, Personalwesen, Materialwirtschaft usw. - und im KIS, PVS ... sowieso - sonst verkauft man Sowftare nicht und gewinnt auch keine Ausschreibung.
Einige Ideen dazu auch unter: https://blog.der-digitale-patient.de/zugriffsberechtigungen-elektronische-patientenakten/ - wird für reine Dokumentenakten wie derzeit als nationale eEPA geplant sogar noch einfacher zu implementieren.
Avatar #760232
am Mittwoch, 22. Mai 2019 um 11:23

ePA : Notfallstrategie fehlt


Alle Datenerfassung im Bereich der Medizin am Menschen ist unvermeidlich janusköpfig.
Die - möglichst zentrale - Erfassung aller Daten sowie die Zugreifbarkeit auf behandelnde Ärzte,Wissenschaftler, Gesundheitsbehörden ist vom sachlichen Standpunkt her natürlich äußerst attraktiv.
Notwendige Anonymisierung sowie absolut sicheren Datenschutz angenommen könnte man sich dafür begeistern.
Diese Voraussetzung ist aber grundsätzlich nicht erfüllbar - die Vergangenheit hat das hinreichend gezeigt.
Es besteht immer eine gewisse, aus der Erfahrung bisher auch ungefähr angebbare Wahrscheinlichkeit des Mißbrauches dieser Daten.
Das muß jedem Patienten, also jedem Bürger, ungeschminkt vermittelt werden. Auf einer solchen Informationsbasis muß dann jeder für sich entscheiden, ob er einer solchermaßen stringenten Erfassung seiner Daten zustimmt.
Die Frage ist, ob nicht viele Menschen mit dieser Entscheidung überfordert sind.
Ein gutes Beispiel für diese Problematik ist die elektronische Gesundheitsakte, die jetzt von der Technikerkasse offiziell verfügbar - über eine APP auf mobilen
IT-Geräten - gemacht wurde. Von der Praktikabilität und von den Nutzungsmöglichkeiten bestechend. Wer aber an die absolute Sicherheit der Daten glaubt, ist einfach naiv.
Was tun ?
Um eine Antwort zu finden, muß man den Kern des Problems erkennen :
Der Einzelne hat einen hohen Anspruch auf Schutz seiner Persönlichkeit mit all ihre Facetten. Das ist die Basis des Grundgesetzes.
Aber eine Gesellschaft hat ein hohes Interesse an Informationen, um daraus sinnvolle Handlungstrategien zu entwickeln.Diese Informationen können immer nur statistisch ausgewertet werden - erfordern also eine möglichst breite und tiefe Erfassung .
Das Problem besteht also in dem Abgleich zwischen Individual- und Allgemein-Interessen.
Es geht daher um die Findung eines Kompromisses. Dazu gehört vor allem der Respekt vor Tatsachen - und eben auch das Eingeständnis der Mißbrauchswahrscheinlichkeit.
Was bisher vollkommen fehlt ist etwas, was ich als Notfallstrategie bezeichnen werde :
Was sollen die Folgen eines Datenmißbrauches für den einzelnen Betroffenen ausgeglichen werden? Das muß geklärt sein, bevor der Notfall eintritt.
Ich erläutere es an einem Beispiel :
Ein 40-Jähriger mit einer schweren Erkrankung in der Vergangenheit wird arbeitslos, weil sein Arbeitgeber in den Besitz von illegal abgegriffenen Gesundheitsdaten gelangt ist.
Eine Versicherung verweigert den Vertrag, weil sie in den Besitz solcher Daten gelangt ist.
Ist die Gesellschaft an einer zentralen Datenerfassung interessiert - und das ist sie - dann muß sie für solche Fälle geeignete Absicherungen bereitstellen. Eine Aufgabe der Politik.
Aber die blndet diese Notwendigkeit aus. Vielleicht hat sie es aber überhaupt noch nicht begriffen.
Zunächts kannm man eigentlich nur jedem raten , einer personifizierte, zentralen Erfassung dieser Daten zu widersprechen - leider.
Avatar #703521
am Donnerstag, 23. Mai 2019 um 07:45

War wohl nicht anders zu erwarten

So ein Berechtigungsmanagement ist ja auch ein enorm komplexes Feature, das ein paar Mannmonate in der Entwicklung benötigt. IT-Projekte in Deutschland... einfach nur traurig!

Noch unverständlicher als das Unvermögen, simple Software mit so einem Riesenbudget rechtzeitig fertigzubekommen, ist aber der Vorschlag, die ePA ohne diese Funktion zu veröffentlichen, die in meinen Augen essenziell ist. Man legt es wohl darauf an, das Projekt schon vor dem Launch möglichst unbeliebt zu machen.

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