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Avatar #691359
am Montag, 30. September 2019 um 00:10

Wie reitet man ein totes Pferd?

Dazu gibt es im Netz zahlreiche Kommentare:
https://wirelesslife.de/tote-pferd/

Aber der Reihe nach. Zu den Grundprinzipien der Homöopathie gehören das Ähnlichkeitsprinzip und die Potenzierung. Eine ausführliche Erklärung gibt es auf den Seiten des VKHD:
https://www.vkhd.de/patienten/homoeopathie/die-homoeopathischen-grundprinzipien
Dort steht explizit: „ Eine Krankheit wird mit einem Arzneimittel behandelt, das ähnliche Symptome bei einem Gesunden erzeugen kann.“ In der Diskussion z.B. hier im Forum wird immer darüber gestritten, welche Wirkung homöopathische Mittel auf kranke Personen haben. Mindestens genauso wichtig ist die umgekehrte Seite, die Wirkung auf die Gesunden. Wenn Homöopathie wirkt, dann müssen in einer randomisierten doppelverblindeten Testumgebung reproduzierbare Effekte auf Gesunde nachweisbar sein. Diese Idee ist nicht neu, genau genommen ist dies Inhalt des Donner-Reports:
https://www.kwakzalverij.nl/behandelwijzen/homeopathie/der-donner-bericht/
https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Donner
Diese Prüfungen wurden randomisiert und verblindet mit mittleren und hohen Potenzen in den 30-er Jahren durchgeführt. Weil die Schulmedizin in den 30-er Jahren als jüdisch unterwandert galt, wurde die Homöopathie damals staatlich gefördert. Letztendlich wurden all diese Arzneimittelprüfungen 1939 mit Kriegsbeginn erfolglos abgebrochen. Der Kriegsausbruch ersparte den beteiligten Homöopathen die Peinlichkeit für die offiziellen Behörden einen Abschlussbericht erstellen zu müssen. Die Details können in dem o.g. Bericht nachgelesen werden. Zusammenfassend kann festgestellt werden, als wissenschaftliche Disziplin ist die Homöopathie seit dem 01.09.1939 offiziell tot.

Auch wenn es unter derzeitigen Bedingungen deutlich schwieriger wäre, diese Arzneimittelprüfungen durchzuführen (damals waren Ethik-Kommissionen ein Fremdwort), so steht die Frage, ob sich seitdem etwas an der Datengrundlage, den Arzneimittelbildern, getan hat. Im Donner-Bericht gibt es z.B. Anmerkungen zu apis mellifica und der „Rechtsseitigkeit“ der Symptomatik. Wenn man auf die Seiten des DZVHA geht und dort nach Arzneimittelbildern sucht, stößt man auch jetzt noch auf die gleichen „ Rechtsseitige Beschwerden oder rechtsseitiger Beginn“
https://www.homoeopathie-online.info/arzneimittelbilder-in-der-homoeopathie/
https://www.homoeopathie-online.info/apis-mellifica-honigbiene/

Das bedeutet, seit mindestens 80 Jahren reiten die ca. 7000 im DZVHA organisierten Ärzte und unzählige Heilpraktiker ein totes Pferd. Wie konnte dies so lange geheim gehalten werden? Diese Frage ist ganz einfach, weil sie dieses tote Pferd nie allein geritten haben, sondern immer nur im Dreigespann Homöopathie, Ritual und Placebo.

Es ist nicht verboten, auf einem toten Pferd zu reiten (mal abgesehen davon, dass für einen rationalen Menschen dieser Kadaver einfach zum Himmel stinkt). Es ist auch nicht verboten, daran zu glauben, dass dieses Pferd noch am Leben ist. Aber wie alle Glaubenssätze ist dies eine reine Privatsache und nicht Aufgabe einer Solidargemeinschaft. Somit ist die aktuelle Diskussion über die Herausnahme der Homöopathie aus der GKV überfällig und die Konsequenz der ärztlichen Musterweiterbildungsordnung in Bremen ein logischer Schritt.
Avatar #79783
am Montag, 30. September 2019 um 00:51

@Mitdenker...

"Impfung gegen Realitätsreduktionismus, pseudowissenschaftliche Besserwisserei ..." wäre für Sie whrscheinlich mit einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock verbunden...
Die Homöopathie ist genau das, was die Bezeichnung "Schulmedizin" für die wissenschaftliche Medizin suggerieren soll:
Verknöchert, unbelehrbar, ohne jede Fortentwicklung seit 200 Jahren...
Cherry-Picking betreiben die Homöopathieverfechter, denen selbst grobe Fehler in den von ihnen ziterten Studien nicht auffallen!
Avatar #759489
am Montag, 4. November 2019 um 15:14

Donner-Report

Schwacher und unwissenschaftlicher Diskreditierungsversuch von S. Rex, ist man schon gewohnt:

Im Ärzteblatt ist u.a. dazu zu lesen:
"An diesen Überprüfungen war auch der damals an der homöopathischen Abteilung des Rudolf-Virchow-Krankenhauses in Berlin tätige Arzt Dr. med. Fritz Donner (1896–1979) maßgeblich beteiligt. Sein ungedruckter Bericht über diese Versuche ist allerdings quellenkritisch sehr problematisch. Er wurde erst ungefähr zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfasst und ist stark subjektiv geprägt. Dennoch wird dieses Dokument von Gegnern der Homöopathie bis heute immer wieder herangezogen, um einerseits zu zeigen, welches große Interesse die damaligen Machthaber an der Homöopathie hatten, und andererseits den fehlenden Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie zu belegen.

Nach dem Kriegsausbruch im September 1939 fanden die Überprüfungen im Auftrag des Reichsgesundheitsamtes ein jähes Ende. Einen Abschlussbericht gibt es daher nicht. Die Originalunterlagen, die nach Donners Angaben den Krieg überdauert haben, sind bislang trotz intensiver Bemühungen noch nicht wieder aufgetaucht und müssen als verschollen gelten, so dass man sich, wie Harald Walach mit Recht betont, davor hüten muss, allein auf der Grundlage des sogenannten Donner-Reports „das Kind mit dem Bade auszuschütten und alle homöopathischen Effekte als Placebo-Effekte zu verstehen“.

https://www.aerzteblatt.de/archiv/155370/Homoeopathie-und-Nationalsozialismus-Letztendlich-keine-Aufwertung-der-Homoeopathie
Avatar #691359
am Donnerstag, 7. November 2019 um 23:41

Quellen und Interessenskonflikte beim Donner-Report

Die von mir präsentierte Quelle ist bei genauerer Betrachtung nur eine Sekundärquelle:
https://www.kwakzalverij.nl/behandelwijzen/homeopathie/der-donner-bericht/
Dort wird zwar auf die Originalquelle verwiesen: „Das Original dieses Textes befindet sich im Homöopathie-Archiv des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung“. Auf den Seiten dieses Instituts gibt es keinen direkten Hinweis auf den Donner-Bericht, allerdings gibt es einen Online-Katalog, der bei der Eingabe von Donner, Fritz 21 Quellen liefert, darunter auch den hier besprochenen Donner-Report.
http://www.igm-bosch.de/content/language1/html/10343.asp

Das bedeutet, der Donner-Bericht existiert und das Original befindet sich in diesem Institut. Nach eigener Darstellung hat das Institut zwei Schwerpunkte, einer davon ist die Geschichte der Homöopathie. Ein Blick auf die präsentierten Informationen zeigt, dieser Schwerpunkt wird im Sinne von Bewahrung der Homöopathie, nicht im Sinne von Aufarbeitung der Homöopathie interpretiert. Der Donner-Bericht ist der Bericht eines Insiders, der für das Selbstbild der Homöopathie wenig schmeichelhaft ist. Die hier im Forum aktiven Verfechter der Homöopathie würden diesen Bericht sicher gern verbrennen oder im hintersten Winkel eines Giftschranks verstecken. Andererseits ist die Robert Bosch Stiftung eine seriöse Stiftung, was bleibt ist der Kompromiss, dass derartige Dokumente auf gezielte Nachfrage zur Verfügung gestellt werden, ein niedrigschwelliger Zugang auf der eigenen Webseite aber unterbunden wird, um die eigene Klientel nicht unnötig zu traumatisieren. Die o.g. Sekundärquelle ist bereits seit 2008 online, also ausreichend Zeit für ein Dementi durch die Robert Bosch Stiftung, falls das dort präsentierte Dokument nicht authentisch sein sollte.

Was bleibt, ist die Bewertung dieses Berichts. Der Autor des von MITDENKER präsentierten Beitrags im DÄ, Jütte, Robert hat seine Dienstadresse an eben jenem Institut für Geschichte der Medizin. Er hat somit Zugriff auf die Originalquellen. Es gibt keine Zweifel an seiner Sachkompetenz, aber aus seiner Position ergeben sich erhebliche Zweifel an seiner Neutralität in Bezug auf Homöopathie und an der Kritik an der Homöopathie. Ich kann in einem Punkt mit Prof. Jütte mitgehen. Die Bedeutung des Donner-Reports liegt nicht in seinem Wert als wissenschaftliche Arbeit. Die Bedeutung liegt vielmehr im Wert als historisches Dokument als Darstellung der Homöopathie aus der Sicht eines Insiders. In seinem DÄ-Beitrag beschreibt Prof. Jütte den Wandel von der Euphorie der Homöopathie im Jahr 1933 zur Ernüchterung im Jahr 1940. Was er verschweigt, ist der Grund für diese Ernüchterung, nämlich dass in der Zwischenzeit mit massiver staatlicher Förderung intensiv wissenschaftlich gearbeitet wurde und dass die Homöopathie trotz optimaler Rahmenbedingungen nicht liefern konnte, nämlich belastbare Ergebnisse selbst für ein wohlwollendes Publikum.

Der Donner-Report hätte zum Beweis für die Unwirksamkeit der Homöopathie werden können, dazu hätten aber die zig Aktenordner mit den Rohdaten wissenschaftlich ausgewertet werden müssen. Diese Auswertung und deren Veröffentlichung wurden zu Lebzeiten Donners von den damaligen Homöopathen erfolgreich hintertrieben. Zum jetzigen Zeitpunkt muss man davon ausgehen, dass die Rohdaten verloren sind. Es bleibt die Dokumentation des Scheiterns des Versuchs, die Homöopathie wissenschaftlich zu belegen in einer Zeit, als die Rahmenbedingungen nicht besser hätten sein können (aus Sicht der Patientenrechte bekommt man beim Lesen des Donner-Reports an einigen Passagen einen faden Beigeschmack). Und der Donner-Bericht ist ein spannender Insiderreport, der aufzeigt, wie schlampig damals bei den Symptombeschreibungen gearbeitet wurde. Einige dieser Insiderdetails sind auch jetzt noch nachprüfbar. Die rechtsseitige Wirkung bei Bienengift war bereits damals ausgemachter Humbug. Wer die Hoffnung hatte, 80 Jahre wären ausreichend, um einen offensichtlichen Fehler in den Symptombeschreibungen zu eliminieren, der wird enttäuscht. Um die Homöopathie bei einer derartigen Fehlerkultur ernst nehmen zu können, muss man schon sehr stark im Glauben sein.

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