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am Mittwoch, 20. Januar 2021 um 16:02
geändert am 20.01.2021 16:08:35
geändert am 20.01.2021 16:29:03

RKI räumt ein: Geringe Evidenz für eine Wirksamkeit der Impfung bei alten Menschen

Kommentar zur Nachricht
Barmer wirbt für gezielteres Impfen bei Risikogruppen
vom Dienstag, 19. Januar 2021
Die Frage muss erlaubt sein, aber kennt denn die Barmer überhaupt alle medizinisch-wissenschaftlichen Daten dazu, um uneingeschränkt und so offensiv für solche Empfehlungen zu werben?

Im Kleingedruckten einer 74-seitigen Fachpublikation, die vom Robert Koch-Institut (RKI) am 8. Januar veröffentlicht wurde steht: Die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs ist in der Altersgruppe über 75 Jahre „nicht mehr statistisch signifikant“ schätzbar. Aussagen über die Wirksamkeit seien daher „mit hoher Unsicherheit behaftet“, die Evidenzqualität für eine Wirksamkeit bei alten Menschen „gering“.

>>> https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile

Im RKI-Papier liest sich das so (S. 27):

„Der Endpunkt Covid-19-Erkrankung wurde in der Studie als erster primärer Endpunkt (…) erhoben. Tabelle 8 zeigt, dass die Impfeffektivität bezogen auf diesen Endpunkt 95 % betrug. Auch in der altersstratifizierten Analyse zeigten sich vergleichbar hohe Effektivitätsschätzer, die allerdings bei kleiner werdenden Altersgruppen bzw. Fallzahlen teilweise weite Konfidenzintervalle aufwiesen bzw. nicht mehr statistisch signifikant waren. In der höchsten Altersgruppe (älter als 75 Jahre) ist daher eine Aussage über die Effektivität der Impfung mit hoher Unsicherheit behaftet.“

Dem Epidemiologisches Bulletin, Ausgabe 2/2021, S. 27 ist zu entnehmen, dass weniger als 5 % der insgesamt etwa 40.000 Studienteilnehmer über 75 Jahre alt waren – also zu der Gruppe (Hauptriskikogruppe) gehören, die mit der Impfung vorrangig geschützt werden soll. Daher sind auch die absoluten Zahlen der Covid-Infizierten in dieser Altersgruppe verschwindend gering: In der geimpften Hälfte sind es 0 von 774, in der anderen Hälfte, die ein Placebo erhielt, 5 von 785. Rein rechnerisch beträgt die Impfeffizienz bei den Alten damit 100 % (5. Zeile der Tabelle, Seite 27), da eben keiner der Geimpften erkrankte. Doch aufgrund der absurd niedrigen absoluten Zahlen (null, fünf) liefert die Studie eine ebenso absurd riesige Schwankungsbreite, die von minus 13 % bis 100 % Wirksamkeit reicht.

Der von den Studienautoren berechnete negative Wert von minus 13 % bedeutet, dass es durchaus im Rahmen des Wahrscheinlichen liegt, dass alte Menschen ohne Impfstoff sogar besser vor Covid-19 geschützt sein könnten als mit Impfstoff. Man kann also aus den vorliegenden Daten zur Zeit keine seriöse Aussage über die Wirksamkeit der Impfung bei alten Menschen treffen, also gerade bei denen, um deren Schutz es gehen soll – und die derzeit zu Hunderttausenden geimpft werden.

Beim Moderna-Impfstoff sind die absoluten Zahlen der getesteten Menschen über 75 Jahre sogar so niedrig und die Unsicherheit einer Wirksamkeit damit so hoch, dass in den Papieren zu dieser Altersgruppe überhaupt kein Konfidenzintervall mehr angegeben wird (S. 28, Tabelle 9, 4. Zeile).

Die vermeintlich 95 prozentige Effektivität – über alle Altersklassen gerechnet – ergibt sich aus einem sehr speziellen Studiendesign: Als erfolgreich gilt der Impfstoff nicht etwa, wenn er eine schwere Erkrankung, eine Krankenhauseinweisung oder gar den Tod verhindert, sondern bereits dann, wenn er eine simple Covid-19-Infektion verhütet, die bekanntlich in den meisten Fällen symptomfrei verläuft. Das hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres Peter Doshi, Mitherausgeber der medizinischen Fachzeitschrift The BMJ (vormals „British Medical Journal“) kritisiert.

Es bedeutet, dass es Biontech und Moderna zur Behauptung der Wirksamkeit im Wesentlichen ausgereicht hat, zu messen, dass Menschen in der Placebo-Gruppe „einen Husten und einen positiven PCR-Test haben“, so Doshi, und nicht etwa, dass diese Nichtgeimpften auch schwer erkrankten. Das Ziel – die Impfstoffzulassung – ist so natürlich viel leichter zu erreichen.

Zur „Vertrauenswürdigkeit der Evidenz“ heißt es im RKI-Papier mit Blick auf die Impfstoffe von Biontech und Moderna, die Evidenzqualität für die Annahme, dass die Impfung Covid-19 verhindere, sei allgemein „moderat“, in der Altersgruppe ab 75 Jahre jedoch „gering“. Für die These, dass die Impfung eine Krankenhauseinweisung verhindere, gebe es sogar nur „eine sehr geringe Evidenzqualität“. (S. 33)

Lesetipp dazu: Peter Doshi: Pfizer and Moderna’s “95% effective” vaccines – we need more details and the raw data >>> https://blogs.bmj.com/bmj/2021/01/04/peter-doshi-pfizer-and-modernas-95-effective-vaccines-we-need-more-details-and-the-raw-data/

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