Aufstand Kassenärzte

Aufstand Kassenärzte

Nach den Klinikärzten gehen nun auch die Niedergelassenen auf die Straße: Kassenärzte protestieren gegen Honorarverluste, Arzneiregresse, Bürokratie und politische Gängelung.

Avatar #44533
am Mittwoch, 17. Januar 2007 um 21:23

Wo bleibt der Aufstand?

Am 17.1.2007 erklärt Frau Ministerin Ulla Schmidt ihren "Kollegen" wie die Gesundheitsreform funktioniert. Alles schweigt. Kassenärzte arbeiten weiter für 20 bis 23 Euro pro Versorgungsfall. Wer einen Hausbesuch im strömenden Regen macht, darf ein paar Ziffern beischreiben. Die Wegegebühren rangieren im Bereich von 2 bis 7 Euro. Nein, nicht pro gefahrenen Kilometer, sondern Luftlinie. Nein nicht vom Standort der Praxis, sondern von der Mitte des Versorgungsbereiches, wo ein Telefonist sitzt. Die oder der arme Mensch arbeitet für 6,- Euro pro Stunde. Manchmal ist das aber mehr, als der Kollege im Fahrdienst pro Stunde erwirtschaftet. Klar, kann jeder mehr verdienen. Dann braucht man nur mehr Stunden zu arbeiten.
Endlich kommt dann der Montag. Nach 48 Stunden Notdienst, darf der Kassenarzt die geknechteten Arbeiter des Systems krankschreiben. Die Arbeitsbedingungen sind entwürdigend. Da muß sich so ein Mensch durch eine 36-Stunden-Woche quälen und hat ein Kratzen im Hals. Mich juckt auch etwas. Als Arzt muß man das durchhalten. Wo sind die Kranken? Vor uns. Wer steht hinter Frau Ministerin Ulla Schmidt? Die Hausärzte. Die Fronten sind damit geklärt.
Wenn es keinen Aufstand gibt, muß man eben auswandern. Wenn der Bürger eh schon 10,- Euro für die Anmeldung seines Notfalles zahlen muß, ich insgesamt nur 20,- Euro bekomme, dann könnte er doch direkt 20,- Euro an mich entrichten. Davon würde ich gerne 10,- Euro spenden. Aber nicht für die Partei. Nicht und niemals für diese Partei.
Avatar #88111
am Mittwoch, 17. Januar 2007 um 22:14

Vielleicht kommt der Aufstand irgendwann einmal zu spat!

Hallo,
Ich frage mich, wann der Aufstand denn kommen soll! Wieviele Verschlechterungen muss es im Deutschen System noch geben?
Vielleicht muss man bald noch Geld mitbringen, um im System arbeiten zu dürfen?
Es wird in Deutschland immer mehr freie Stellen geben, ohne Grenze nach oben. Hausärztliche Versorgung der Zukunft werden vielleicht Polikliniken sein, wo zum Fädenziehen 4 Wochen gewartet werden muss. Zukunftsmusik?
Wir werden es in den nächsten 10 Jahren sehen.
Wer jetzt nicht dieses System verläßt ist selbst schuld!
Irgendwann bietet halt zumindest das europäische Ausland keine Alternative mehr.
Ich selbst bin froh mich nicht mehr als Kassenarzt bezeichnen zu müssen, denn ich habe mein Heil und Glück im Ausland gesucht und gefunden.

Gruss

daisy23568
Avatar #87250
am Donnerstag, 18. Januar 2007 um 08:23

Ganz Deutschland ist in Ulla Schmidt Hand...

ganz Deutschland?
Ein kleiner Winkel im Süden kämpft gegen Ulla:
http://www.derwestallgaeuer.de/news.php?id=3274
http://www.derwestallgaeuer.de/news.php?id=3282

Die Aktion wird übrigens von der hohen Politik aller Fraktionen ignoriert! Da frage ich mich schon, welches nur ansatzweise Demokratieverständnis unsere Abgeordneten in Land und Bundestag haben.

Avatar #91866
am Donnerstag, 18. Januar 2007 um 13:45

Warum nicht wie in Schweden?

Zitat aus http://www.derwestallgaeuer.de/news.php?id=3282 ___________________________________________________________
(....) Ich muss als Arzt nicht selbst finanziell investieren und kann den Patienten im Wesentlichen so behandeln, wie ich es für richtig halte. Dadurch fühle ich mich hier wirtschaftlich viel freier. Streit ums Geld mit Patienten gibt es auch nicht, denn das Landsting (die Verwaltung) zieht das Geld ein.

Als Vertragsarzt in Deutschland ist man Freiwild für Politik und Kassen. Das Bundessozialgericht hatte ja sogar festgestellt, dass Ärzte ihre Leistungen auch dann erbringen müssen, wenn die Leistung nicht kostendeckend zu erbringen ist.

Hier in Schweden bin ich angestellt mit allen Vorteilen und unser Dienst ist geregelt: in der ersten Woche acht Stunden Arbeit am Tag und anschließend Rufbereitschaft. Dann folgt eine Woche mit normalen 40 Stunden Arbeit. In der dritten Woche hat man frei und feiert die Überstunden aus der ersten Woche ab. Zudem hatte ich im Sommer sechs Wochen Urlaub am Stück.(.....)

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So eine schwedische Vardcentral ist doch nichts anderes als ein vom Staat betriebenes MVZ, also das, was ich hier im Forum auch mal vorgeschlagen habe.

In D werden MVZs von den Ärzten bekämpft, als sie der Leibhaftige persönlich wären, und die Patienten werden vor der Einführung einer Staatsmedizin gewarnt, obwohl das gar nicht stimmt, weil die MVZs hier private Betreiber haben. Das ist eher Kapitalismus als Sozialismus.

Von privaten MVZs halte ich nichts (habe das hier schon mal ausführlich begründet), aber warum wird hierzulande nicht über landeseigene MVZs analog zu den MVZs in Schweden nachgedacht, wenn deutsche Ärzte nach Schweden auswandern, weil ihnen die Arbeitsbedingungen an einer Vardcentral mehr zusagen als die in einer egenen Praxis? Das sollte man ihnen doch auch hier bieten können.
Avatar #90315
am Donnerstag, 18. Januar 2007 um 15:27

vollkommen richtig!

anstelle patienten nach 5 minuten wieder herauskomplimentieren und anschliessend diagnosen erfinden zu müssen weil man sonst seine praxis nicht finanzieren kann und weil ja jeder seine eigene praxis haben muss - ich sehe das schwedische system mit MVZ als durchaus vorteilhaft.

hier ist wesentlich mehr zeit für die patienten da, man hat geregelte arbeitszeiten usw.

einziger nachteil speziell in schweden: man muss die behandlungsrichtlinien befolgen und hat so keine medizinische behandlungsfreiheit. dies ist allerdings ein schwedisches spezifikum und müsste ja nicht für deutschland gelten.

ich finde allerdings auch dass das schwedische grundversorgungssystem mit VC viel effektiver und vernünftiger ist als das deutsche. und dennoch kämpft der nicht auswanderungswillige teil der ärzteschaft dagegen an, dass es ihr besser gehen könnte??? absurd!!!

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