StudierenForenForschungsbetrugNeues Buch über angebliche Praktiken der Pharmaindustrie beim Umgang mit Ärzten

Forschungsbetrug

Forschungsbetrug

Nach den Ergebnissen einer aktuellen US-Studie scheint es mit der Ehrlichkeit der Wissenschaftler nicht weit her zu sein: Jeder Dritte gab in einer anonymen Befragung an, in den vergangenen drei Jahren mindestens ein straffwürdiges Vergehen begangen zu haben. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft geht davon aus, dass die Situation in Deutschland ähnlich ist. Wie schätzen Sie die Redlichkeit der Forscher ein? Sind Sie vielleicht sogar Opfer von Manipulationen oder wissenschaftlichem Fehlverhalten geworden. Ihre Meinung interessiert uns!

Avatar #89467
am Montag, 17. November 2008 um 10:03

Neues Buch über angebliche Praktiken der Pharmaindustrie beim Umgang mit Ärzten

Es gibt ein neues Buch über (angebliche?) Praktiken der Pharmaindustrie beim Umgang mit Ärzten:

Korrupte Medizin: Ärzte als Komplizen der Konzerne - ein Pharma-Consultant packt aus", Hans Weiss, Kiepenheuer & Witsch Verlag; ISBN-10: 3462040375; ISBN-13: 978-3462040371

In einem Interview mit dem ORF http://oe1.orf.at/inforadio/98752.html sagt der Verfasser dazu (Kopie von der Site: http://oe1.orf.at/konsole/otoninfo?id=98752 )

>>.....Große Beraterfirmen sammeln Daten über Ärzte und verkaufen sie Pharma-Konzernen. Die teilen Ärzte in Verschreibungsklassen ein und starten ihr aggressives Marketing, schreibt Hans Weiss. "Jeder Arzt wird von der Firma danach beurteilt, nützt mir der was, wie viel bringt er mir, wenn ich den einkaufe. Ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte in Deutschland liefert genaueste Auskünfte über sich selber und liefern damit der Pharmabranche selber den Strick, an dem sie dann wie Marionetten baumeln."....<<

---------------------

Ist das wirklich so, wie der Verfasser das in dem Interview schildert? Welche Erfahrungen habt ih damit gemacht? Was kommt denn da noch auf mich zu?
Avatar #87250
am Montag, 17. November 2008 um 11:22

@Praktiken der Pharmaindustrie

Es gibt Marktforschungsinstitute und bei denen kann man gegen Bezahlung seine Verordnungspraktiken abliefern. D.h. Arzt X verkauft sein Verordungsverhalten an ein Marktforschungsinstitut und bekommt dafür Geld. Dass diese dann analysiert werden ist klar und dass da ein Profil erstellt werden kann auch. ¨Der Kollege darf halt abwägen, ob er seine Daten verkaufen will oder nicht.
Ich persönlich habe keine Probleme mit der Pharmaindustrie gehabt. Ich verordne und habe nach medizinischen Gesichtspunkten verordnet. Dafür gab es halt auch nur Kugelschreiber für einen Euro. Wer natürlich Reisen usw annimmt braucht sich nicht zu wundern, dass dafür Gegenleistungen erwartet werden und dass man evt ganz schnell auf der Anklagebank sitzt. ( Das gilt oder sollte allerdings auch für andere Berufsgruppen: Richter, Politiker, Polizei, Zoll usw gelten).
Fazit: Wer redlich nach medizinischem Sachverstand handelt wird nicht mit Geschenken usw überhäuft, erspart sich aber auch eine Menge Scherereien.
Avatar #88656
am Montag, 17. November 2008 um 14:04

IMHO mangelhafter Datenschutz bei Anwendungsbeobachtungen

adonis:
>Es gibt Marktforschungsinstitute und bei denen kann man gegen Bezahlung seine Verordnungspraktiken abliefern. D.h. Arzt X verkauft sein Verordungsverhalten an ein Marktforschungsinstitut und bekommt dafür Geld. Dass diese dann analysiert werden ist klar und dass da ein Profil erstellt werden kann auch.

Der Kollege darf halt abwägen, ob er seine Daten verkaufen will oder nicht.<
----------------------------------------------------------------------------------------

Und nachdem man seine eigenen Daten verkauft hat, darf man auch Daten seiner Patienten verkaufen.

Es gibt Unternehmen, bei denen man sich an online-Anwendungsbeobachtungen beteiligen kann. Wer sich dort ein Zubrot verdienen will, kann online Datensammlungen über die Patienten, an denen er seine Anwendungsbeobachtungen durchführt, anlegen.

Dazu kann er ohne Wissen (und folglich zwangsläufig ohne Zustimmung) des Patienten dessen Initialen, sein vollständiges Geburtsdatum und weitere persönliche Daten des Patienten (z. B. Körpergröße) in online-Formulare eingeben, die dann auf dem Server des Unternehmens, das solche Anwendungsbeobachtungen im Auftrag von Pharmaunternehgmen betreut, gespeichert werden.

Ich bin aus Datenschutzgründen ein Gegner der geplanten elektronischen Gesundheitskarte. Die Kollegen, die heftig gegen deren Einführung protestieren und dabei vorgeben, das vorwiegend im Interesse der Patienten zu tun, dürften sich imho aber auch nicht an derartigen Anwendungsbeobachtungen beteiligen.
Ich finde es sehr bedenklich, dass da ohne Wissen von Patienten deren Initialen und deren vollständiges Geburtsdatum zusammen mit weiteren persönlichen und teilweise sensiblen medizinischen Daten (Diagnosen, ...) weitergegeben und auf dem Server eines Marketingunternehmens (oder etwas Ähnlichem) gespeichert werden.
Wenn man die Initialen und das vollständige Geburtsdatum einer Person hat, bedarf es keines allzu großen Aufwands, diese Person zu identifizieren.
Avatar #87250
am Dienstag, 18. November 2008 um 09:27

Anwendungsstudien und Marktforschung

Bitte nicht alles zusammenwerfen.
Es gibt Marktforschungstudien: Dabei wird das Verordnungsverhalten protokolliert oder der Kollege gibt in einem Fragebogen an: Atacand 5 mg 5x pro Woche... .
Das andere sind sogenannte Anwendungsstudien. Dabei wird der Verlauf der Behandlung protokolliert. In der Praxis sind es Versuche der Pharmafirmen ihr Präparat zu plazieren. "Kluge" Kollegen füllen die Fragebogen direkt aus ( ohne realexistierenden Patient) und kassieren auch. ( Was selbstverständlich vertragswidrig ist).
Die Weitergabe von Patientendaten hast du allerdings nur Bei Anwendungstudien.
Aber da du dich so für Datenschutz interessierst, was ich gut finde:
Vor deutschen Gerichten ist es ja viel schlimmer. Nun sehen wir uns doch mal die arme Familie Klatten an. Da werden alle Heimlichkeiten über die Presse herumgetratscht. Das ist nichts anderes als eine öffentliche Hinrichtung einer Familie. Diese Details sind völlig unnötig. Wohl gemerkt Frau Klatten ist Opfer nicht Täter.
Avatar #88656
am Dienstag, 18. November 2008 um 10:41

ad Anwendungsbeobachtungen

[quote=adonis]Bitte nicht alles zusammenwerfen.
Es gibt Marktforschungstudien: Dabei wird das Verordnungsverhalten protokolliert oder der Kollege gibt in einem Fragebogen an: Atacand 5 mg 5x pro Woche... .
Das andere sind sogenannte Anwendungsstudien. Dabei wird der Verlauf der Behandlung protokolliert. [/quote]

Keine Angst, ich bin zwar (noch) nicht niedergelassen, sondern erst im 1. WBJ, aber den Unterschied zwischen Marktforschungsstudien und Anwendungsbeobachtungen kenne ich trotzdem.

Also zurück zu den Anwendungsbeobachtungen:

[quote=adonis]In der Praxis sind es Versuche der Pharmafirmen ihr Präparat zu plazieren. "Kluge" Kollegen füllen die Fragebogen direkt aus ( ohne realexistierenden Patient) und kassieren auch. ( Was selbstverständlich vertragswidrig ist).[/quote]

Ts, ts, ts,....Auf diese Idee war ich auch schon gekommen. *grins*

[quote=adonis]Die Weitergabe von Patientendaten hast du allerdings nur Bei Anwendungstudien.[/quote]

Okay, Butter bei die Fische. Ich hatte dazu eigentlich keinen Link posten wollen, aber nun muss ich es wohl oder übel doch tun:

Ich meine zum Beispiel online-Anwendungsbeobachtungen wie diese: tinyurl.com/5dsrs6

Da muss man Daten der Patienten, die man dafür ausgewählt hat, in online-Formulare eingeben. Es werden zwar nicht deren vollständige Namen, aber immerhin deren Initialen und vollständiges Geburtsdatum und einige andere Informationen (z. B. Körpergröße, Körpergewicht, Rauchgewohnheiten, Alkoholkonsum, Diagnosen, Compliance, Behandlungsverlauf,..) eingegeben.

Da Anwendungsbeobachungen ohne vorherige Information und Zustimmung der Patienten gemacht werden dürfen, müssten sie auch nicht darüber informiert werden, dass diese Daten über an ein kommerzielles Unternehmen weitergegeben und auf dessen Server gespeichert werden. Oder hab ich da was Falsches gelernt? Dann korrigier mich bitte.

Wenn ich mir also in ein paar Jahren als niedergelassener Kollege auf diese Weise ein Zubrot verdienen wollte, hätte ich imho zwei Möglichkeiten:

a) Ich trüge Daten echter Patienten ein, wobei mir allerdings unter Datenschutzgesichtspunkten nicht wohl wäre.

b) Ich trüge gefakete Daten ein, dann wäre es Betrug, der aber eigentlich nicht entdeckt werden dürfte, denn um meine Angaben zu kontrollieren, müsste ich Einsicht in die Patientenakten gewähren, und das wäre wiederum ein Verstoß gegen die Schweigepflicht.

Letzte Beiträge zu diesem Thema

Zusatzinfos