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Priorisierung

Priorisierung

Die für das Gesundheitssystem zur Verfügung stehenden Finanzen sind begrenzt. Brauchen wir in Deutschland eine Priorisierung etwa nach skandinavischem Vorbild? Wie sinnvoll ist, medizinische Leistungen nach ihrer Vorrangigkeit zu klassifizieren und zu erbringen?

Avatar #89467
am Donnerstag, 28. Mai 2009 um 06:34
geändert am 28.05.2009 06:39:22
geändert am 28.05.2009 06:41:00
geändert am 28.05.2009 06:42:03

Vergleich mit Schweden

Mittwoch, 27. Mai 2009
Politik Hauptstadtkongress: Schmidt schließt Priorisierung bei Gesundheitsleistungen aus

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/36729/Hauptstadtkongress_Schmidt_schliesst_Priorisierung_bei_Gesundheitsleistungen_aus.htm#comment267

Frank hat zu diesem Artikel einen Kommentar geschrieben:

Frank am Mittwoch, 27. Mai 2009, 15:51

Krasses Gegenteil

Nach 8 Jahren Arbeit in Schweden kenne ich die Vor und Nachteile der Priorisierung. Die Realität in Deutschland lerne ich jetzt kennen, nachdem ich eine allgemeinmedizinische Praxis weiterfuehre : Hier in Deutschland gibt es die Wünsch-Dir-Was-Medizin. Patienten springen von einem Arzt zum anderen, "lassen" mal wieder ein Ultraschall machen, wuenschen sich Blutentnahmen und auf die Frage weshalb kommt oft die Antwort, dass dies immer so gewesen sei.
Ich verstehe nicht, dass ueberall gespart wird, ueberall gibt es Einschnitte und die Honorare der Ärzte werden gekuerzt,- nur den Patienten wird weiterhin vorgekaukelt, dass die Medizin in Deutschland "umsonst" ist. Man nimmt sich, was man möchte und muss dafuer nichts bezahlen. Ich rede nicht von IGEL-Leistungen sondern nur davon medizinische Leistungen durchzufuehren, die tatsächlich notwendig sind,- ich denke es könnten grosse Summen eingespart werden.
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Hallo Frank, das finde ich interessant. Berichte doch hier mal ausführlicher über Deine unterschiedlichen Erfahrungen in den beiden Ländern.
Avatar #44533
am Mittwoch, 10. Juni 2009 um 20:31

Priorisierung in der Krise - Korrosion von Werten

Priorisierung in der Krise

Bezug: Raspe, H., Meyer, T.: Priorisierung. Vom schwedischen Vorbild lernen. Deutsches Ärzteblatt 106(21): A-1036-A1039.

Die Arzt-Patienten-Beziehung wird von Normen und Prinzipien bestimmt.

Prinzipien 1. Ordnung…………………………..
I Gesundheits- und Wohbefindensfürsorge
II Selbstbestimmung des Patienten………..
III soziale Zuträglichkeit………………………
Prinzipien 2. Ordnung……………………..
I Vertrauen………………………………
II Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit..
III Schweigepflicht………………………..

Werte, welche unserer eigenen Rolle Form und Festigkeit verleihen, legitimieren sich im Dienst für diese Prinzipien. Arztrollen unterliegen dem historischen Wandel und sind kulturell geprägt. In einem Rechtsstaat ist der Arzt reguliert und verpflichtet. Nicht zuletzt der Schweigepflicht. Voran steht jedoch die Selbstbestimmung des Patienten. Die Fürsorge für den Ratsuchenden bei Gesundheit und Krankheit hat Grenzen in ihrer sozialen Zuträglichkeit.

Priorisierung ist daher kein neuer Aspekt der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Priorität der Fürsorge ist jedoch beständig aufgeweicht und Prinzipien zweiter Ordnung sind korrodiert worden. Die Spur diese Erosion zieht sich durch die Gesundheitsreformen. Ärzte können nur innerhalb des ordnungsstaatlichen Rahmens gestalten. Dieser schafft Korridore und zwingt Richtungen auf. Mitte finden wir in der Gestaltung, auch in der Formung neuer Interessensvertretungen.

Auf der Suche nach einer neuen Identität wenden sich Wissenschaftler dem Kern zu . Die Fragestellung offenbart die Suche nach Selbst und Sinn. Sie hinterfragt aber auch die zugrunde liegenden Modelle. Wenn der Lebenslauf eines Arztes nicht mehr den Spannungbogen von Studium, präklinischen Fächern wie Lehrjahre in Anatomie und Pathologie, Chirurgie, Innere, Weiterentwicklung in der klinischen Hierarchie und Sesshaftwerdung nach chefärztlicher Tätigkeit zeigt, wo bleibt dann die treibende Kraft für die selbständige Tätigkeit? Ärzte gingen aus den freien Berufen des 19. Jahrhunderts hervor. Zusammen mit Rechtsanwälten und Künstlern waren sie die ideologischen Bannerträger der jungen Republik. Die Rückbesinnung auf Werte kann Ärzten neuen Antrieb in einem System geben, das unbeweglich wie ein Mehlsack doch sichtbar angenagt die Ressourcen der Gemeinschaft symbolisiert. Kriterien freier Berufe sind hohe Professionalität, Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohl, strenge Selbstkontrolle und Qualitätssicherung, letztlich die Eigenveranwortlichkeit. Wir finden die Grundwerte Freiheit, Verantwortung und Wahrhaftigkeit in der Definition des Bundesverbandes der Freien Berufe. Diese Grundwerte sind notwendig um anderen Werten zu dienen.

Avatar #96605
am Freitag, 21. August 2009 um 08:03

Arbeit in Schweden

Ich habe Interesse, eine Zeit in Schweden als Allgemeinmediziner tätig zu sein. Kannst mir etwas mehr über deine Erfahrungen berichten?
Grüße R.

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