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Akupunktur: Spekulative Lehrinhalte?

Akupunktur: Spekulative Lehrinhalte?

Der „Vater der westlichen Akupunktur“ ein Scharlatan? Der Franzose George Soulié de Morant hat vermutlich nie in China eine Nadel gestochen oder eine eine Nadelung gesehen. Von rationalen Lehrinhalten kann so keine Rede sein. Die Einführung der „Zusatzbezeichnung Akupunktur“ war voreilig. Sie zementierte spekulative Lehrinhalte, die vielfach dem Aberglauben näher sind als der Wissenschaft.

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am Freitag, 20. August 2010 um 13:19
geändert am 20.08.2010 13:19:34

Stellungnahme der Akupunkturfachgesellschaften

P R E S S E M I T T E I L U N G
der ärztlichen Akupunkturfachgesellschaften
Bezug: Deutsches Ärzteblatt, 30. Juli 2010, Nr. 30, S. A 1454 – A 1457
Der Spiegel , 9. August 2010, Nr. 32, S. 108
Süddeutsche Zeitung, 14. August 2010, Nr. 186, S. 20
Die Süddeutsche Zeitung titelt Akupunktur: West-östlicher Scharlatan und ist
selbst einem Scharlatan aufgesessen
München, 16. August 2010
Am Anfang der westlichen Akupunktur stand ein Hochstapler namens Soulié de
Morant (1878-1955), schreibt ein Herr Lehmann in der Süddeutschen vom 14.
August. Und was ein Scharlatan begründet, bleibt Scharlatanerie. Die ärztlichen
Akupunktur Fachgesellschaften wenden sich ganz entschieden gegen diese
Aussage, die schlicht falsch ist.
Die Beiträge im Deutschen Ärzteblatt und in der Süddeutschen Zeitung von Herrn
Lehmann enthalten wirre und unsortierte Vorwürfe, krasse medizinhistorische
Irrtümer und Unterstellungen:
- de Morant ist nicht der Vater der westlichen Akupunktur. Die Arbeiten de
Morants hatten keinen Einfuß auf die Entstehung der TCM-Lehrbücher, die
seit Anfang der 1960er Jahre in China publiziert wurden.
- die Aussage, die ärztlichen Ausbildungsgesellschaften bezögen sich auf de
Morant, ist falsch.
- Der Autor behauptet, dass das Musterkursbuch der Bundesärztekammer die
Begriffe Meridian und Energie verwenden. Dort steht nichts davon.
- Der Autor behauptet: „Auch die Organuhr geht auf Soulié de Morant zurück“.
Falsch! Richtig ist: Dieses System wurde über einige Jahrhunderte entwickelt
und in der Yuan-Dynastie (1261–1368) vollendet.
- Der Autor behauptet, der Leitbahnumlauf sei eine Erfindung von de Morant.
Falsch! Richtig ist, dass das Konzept seit 2000 Jahren zum Kanon der TCM
gehört.
- Weitere Irrtümer und Unwahrheiten sind weiter unten dargestellt.
2
Der Autor der Beiträge ist Herr H. Lehmann. Leiter des „Deutschen Instituts für
Traditionelle Chinesische Medizin“. Verschwiegen wird, dass dieses Institut aus nur
einer Person besteht und bisher keine einzige wissenschaftlich anerkannte Arbeit
publiziert hat. Herr Lehmann praktizierte lange Zeit als Heilpraktiker und verdient
seinen Unterhalt als Romanschriftsteller.
Durch Veröffentlichung dieser schlecht recherchierten Beiträge wird nicht nur die
Akupunktur diskreditiert, sondern auch mehrere zehntausend Ärzte und ihre
Patienten.
Richtig ist, dass die Anwendung der Akupunktur wissenschaftlich fundiert ist. Zuletzt
haben die Zeitschriften Nature (Goldman et al. Nat Neurosci. 2010 Jul;13(7):883-8)
und das New England Journal of Medicine (Berman et al. N Engl J Med
2010;363:454-61) die Akupunktur als wissenschaftlich anerkannte Methode belegt.
Es ist für alle Beteiligten vollständig unwesentlich, ob ein Herr de Morant ein
Scharlatan ist oder nicht. Es scheint aber, dass hier seriöse Zeitschriften auf einen
modernen Soulie de Morant herein gefallen sind!
Im Namen von:
Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. DÄGfA
Deutsche Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie e.V. DGFAN
Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial der Chinesischen
Arzneitherapie e.V. DECA
Deutsche Akademie für Akupunktur e.V. DAA
Deutsche Akupunktur Gesellschaft
Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin e.V. (SMS)

Dr. med. Wolfram Stör
1. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V.

Details zur P R E S S E M I T T E I L U N G

Bezug:Deutsches Ärzteblatt Nr. 30 30. Juli 2010 S. A 1454 – A 1457 Der Spiegel Nr. 32 09. August 2010 S. 108
Süddeutsche Zeitung Nr. 186 14. August 2010 S. 20

Die Artikel fahren starke Geschütze auf. Geht es vordergründig nur um die Entlarvung eines Scharlatans, der vor 110 Jahren im kolonialen China an der Französischen Botschaft sein Unwesen getrieben haben soll, dient die Darstellung in Wirklichkeit der Diskreditierung einer medizinischen Methode, deren überwältigende Erfolge in den letzten 10 Jahren hierzulande manchen heftig ärgert.
Die Akupunktur, ihre historischen Quellen, die Linien ihrer Rezeption im Westen, ihre klinischen Erfolge, ihre erst teilweise physiologische Begründung werfen viele interessante und wichtige Fragen auf, an denen die ärztlichen Fachgesellschaften und Fachleute seit Jahren ernsthaft arbeiten und forschen. Umso bedauerlicher ist es, dass dieser Artikel unter dem Deckmantel vorgeblicher Wissenschaft eben diese missbraucht.
Auf der Suche nach dem Scharlatan hat sich der Autor verbissen und konfrontiert nun seinerseits den Leser mit Spekulationen. Zunächst wird hier methodisch unsauber gearbeitet:
Werke eines Autors von 1901 werden auf innere Widersprüche abgeklopft und da, wo Angaben fehlen, Vermutungen angestellt. Mit historischer Wissenschaft hat dies nichts zu tun. Es liegt nicht an uns, den Autor Soulié de Morant gegen den Autor Lehmann zu verteidigen. Aber der Autor Lehmann muss sich schon fragen lassen, warum er z. B. „kaum glauben“ kann, dass der Autor Soulié de Morant als 22-Jähriger im diplomatischen Dienst das Chinesische beherrscht: warum eigentlich nicht? Waren die Menschen früher dümmer als heute? Oder ist es so, dass hier unbedingt heraus kommen soll, was sich der Autor Lehmann in den Kopf gesetzt hat?
Auf der anderen Seite äußert der Autor persönliche Vermutungen zur klinischen Anwendung der Akupunktur, die nicht dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechen.
Verwunderlich ist dies nicht, hat doch der Autor bisher - außer einer Kompilation aus anderen Büchern (1) - durch keine einzige Publikation in einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitung von sich Reden gemacht. Seinen Unterhalt verdient er als Romanschriftsteller.
Er lässt sich als Leiter eines deutschen Instituts für Traditionelle Chinesische Medizin nennen, das angeblich die wissenschaftliche Basis chinesischer Medizin erforscht. Er verschweigt, dass dieses Institut aus einer – seiner – Person besteht und in der Fachwelt bisher nicht durch irgendeine Publikation aufgefallen ist
Es irritiert, dass renommierte Blätter wie das Deutsche Ärzteblatt oder die Süddeutsche Zeitung, sich über diese Hintergründe nicht informieren und sie falsch transportieren.

Aus der Vielzahl der wirren und unsortiert präsentierten Vorwürfe sollen die krassesten medizinhistorischen Irrtümer und Unterstellungen an die gegenwärtigen Akupunkturfachleute hier besprochen werden.
1. Organuhr „Auch die Organuhr geht auf Soulié de Morant zurück“. Falsch!
Richtig ist vielmehr: Die Idee eines Qi- Flusses durch die Leitbahnen in Abhängigkeit von Jahrzeit, Tag und Tageszeit ist seit der Song-Zeit als differenziertes System verbreitet und spätestens 1601 kanonisiert (2 Zhenjiu Da Cheng - Großes Kompendium der Akupunktur und Moxibustion - zit. bei Tao, I. 3). Bildliche Darstellungen der Beziehungen zwischen Zeitabläufen und den Inneren Organen finden sich schon in den Kommentaren zum Nan-Jing (4 S. 687 ff). Die Organuhr ist also keineswegs eine Erfindung von Soulié de Morant. Die Grundlagen dazu sind in den alten Lehren zu finden. Der deutsche Begriff wurde wohl im deutschen Sprachraum erst nach 1960 aus didaktischen Gründen geprägt, hat aber heute kaum noch praktische Bedeutung. Er ist auch nicht Bestandteil des Kursbuchs der Ärztekammer, wie Lehmann suggerieren möchte (http://baek.de/downloads/mkakupunktur.pdf).
2. Meridianbegriff. Dem Autor ist entgangen, dass der Meridianbegriff in den letzten 20 Jahren in Anlehnung an Porkert (5) systematisch durch die bessere Übersetzung Leitbahn ersetzt wurde. Entscheidend ist, dass der Autor nicht weiß, dass der zugrunde liegende Begriff jing im ausgehenden 19. Jahrhundert in China für die neu aus dem Westen eingeführten geographischen Meridiane benutzt wurde, und daher Soulié de Morant aus seiner damaligen Kenntnis Gründe hatte, zunächst einmal den Begriff jing aus dem Chinesischen ins Französische mit „meridien“ zu übersetzen. (6). Dies Beispiel zeigt, wie schwierig die angemessene Übersetzung historischer chinesischer Begriffe aufgrund ihrer Doppeldeutigkeit ist. Es ist ein Leichtes, heute einem Autor eines Werkes von vor 110 Jahren Schwächen in der Übersetzung nachzuweisen – hilfreich für die wissenschaftliche Erkenntnis der richtigen Übersetzung ist das nicht.
3. Der Vorwurf, das Musterkursbuch der Bundesärztekammer würde die Begriffe Meridian und Energie verwenden, geht ins Leere: Dort steht nichts davon.
4. Autor Lehmann ergeht sich in unbelegten Pauschaläußerungen, z.B. über „Leitbahnsehnen“. In keinem relevanten Lehrbuch steht etwas davon. Richtig ist aber, dass ähnliche Leitbahn durchaus zum Kanon der Klassiker gehören und sich zwanglos mit modernen, klinisch erfolgreichen und pathophysiologisch gut belegten Konzepten, beispielsweise der Triggerpunkt-Akupunktur, in Deckung bringen lassen.
5. Die Tonisierungs- und Sedierungspunkte sind keine Erfindung von Soulié de Morant, sondern von ihm nur – zweifellos unzureichend (Gründe s. o.) - übersetzt. Sie basieren auf dem Konzept der 5 Transportpunkte, das sich schon in Klassikern wie dem Nanjing "Klassiker der schwierigen Probleme ("7) (1.-2. Jh. n. Chr.) findet. Weiter heißt es in einem chinesischen Lehrbuch von 1980 „The Mother and Son Points of Reinforcing and Reducing“ (8 S. 327 ). Es ist schwer vorstellbar, dass man im kommunistischen China von 1980 die Akupunkturbücher nach den Vorgaben eines französischen Kolonialbeamten von 1901 verfasst hätte - hier zeigt sich einmal mehr der ganze Unsinn der Konstrukte von Herrn Lehman. Was die klinische Bedeutung dieser Punkte angeht, kann man diese seriös weder annehmen noch ablehnen, da sie bis heute nicht im modernen wissenschaftlichen Setting geprüft wurden.
6. Der Artikel soll suggerieren, Soulié de Morant sei der Vater der Akupunktur im Westen. Richtig ist vielmehr, dass die heute im Westen gelehrte Akupunktur sich auf die Lehrinhalte aus dem China der 1970er und 1990er Jahre bezieht. Den Beweis, dass diese nur „reaktionär“ gebildet wurden, um den Westen zu erfreuen, bleibt Lehmann schuldig und wird ihn aus den angeführten Gründen auch nicht führen können. Wie auch sollen 300 000 Ärzte, die nach Angaben des Autors die traditionelle chinesische Medizin in China ausüben, das alles nur tun, um einen Exportartikel in den Westen zu kreieren? Welch eine Gedankenverwirrung macht sich hier breit!
7. Nadeln: Es gab in China immer Nadeln, meist aus Eisen, teilweise mit Gold beschichtet, Silbernadeln, Bronzenadeln. In Ausgrabungen hat man Nadeln gefunden, von denen nicht klar ist, ob es Akupunkturnadeln oder Nähnadeln sind – allerdings vor 2000 Jahren! Auch scheint der Autor nicht zu wissen, dass Gold- und Silbernadeln nie eine nennenswerte Verbreitung gefunden haben und seit Jahrzehnten nicht mehr angewandt werden. Stattdessen ergeht er sich in Vermutungen, warum Herr Soulié de Morant diese nicht erwähnt – als ob damit irgendein Erkenntnisgewinn verbunden wäre.
8. Die Bewegung des Qi in den Leitbahnen wird ausführlich im Nanjing aus dem 1.-2. Jh. n. Chr. diskutiert. Das Grundkonzept für die Leitbahnumläufe findet sich in der 22. Schwierigkeit und den zugehörigen Kommentaren (4 S. 298 und 299) und bereits im Lingshu, Kapitel 38 (zit. in 9 S. 37).
9. Der Autor suggeriert, die Akupunktur sei erst mit Soulié de Morant im Westen aufgetaucht. Es ist allseits bekannt, dass dies falsch ist: die ersten Berührungen fanden im 17. Jahrhundert, wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert statt. Im 19. Jahrhundert wurde die Akupunktur in Frankreich und England vielfach von dortigen Ärzten angewandt (10).
10. Der Autor wirft Soulié de Morant vor, er kenne die Yin -Yang- Lehre nur oberflächlich. Das trifft auch auf den Autor zu: sonst wüsste er, dass in den chinesischen Klassikern es zwar mehrheitlich, aber keineswegs einheitlich eine Zuordnung von Yin und Yang zu rechts und links gegeben hat. Würde der Autor sich die Mühe machen, die heutigen Ausbildungsrichtlinien zu lesen, wüsste er auch, dass dieses Thema ohnehin nur noch historisches Interesse weckt, da es für die Krankheitsbehandlung keine Rolle spielt.
11. Vom Autor inkriminierte Lehrinhalte finden sich in aktuellen, d. h. nach 1960 verfassten Lehrbüchern der chinesischen Medizin aus China wieder (3 S. 52). Es ist schwer zu glauben, dass man dort alle Lehrbücher übereinstimmend so abgefasst hat, um Herrn Soulié de Morant und „dem Westen“ einen Gefallen zu tun. So wie im Westen hat auch in China kaum jemand den Namen je gehört. Richtig ist, dass Soulié de Morant Lehrinhalte missverstanden hat, Übersetzungen nicht richtig vorgenommen hat und bruchstückhaft adoptiert hat: Wen, wer historisch und wissenschaftlich arbeitet, sollte das wundern? Dies ändert aber nichts daran, dass diese Bruchstücke einen historischen Hintergrund haben und keineswegs Spekulationen sind, die im Westen entstanden sei.
Schlussfolgerung
Die Rezeption der Akupunktur im Westen über die Jahrhunderte ist spannend und vielfältig. Auch wenn naive Gemüter dies gern so hätten: Die TCM gibt es nicht, denn es gibt 14.000 (!) klassische chinesische medizinische Texte, von denen nur etwa 50 in westliche Sprachen übersetzt sind. Es ist Aufgabe und Bestreben der Fachleute und Fachgesellschaften, aus dem Vorhandenen mit textkritischen Analysen philosophische von kulturellen, politische von biologischen Aussagen zu trennen. Nur so können in kritischer Analyse neue Erkenntnisse über die historischen Überlagerungen erfahrungsheilkundlicher Erkenntnisse der alten Ärzte gewonnen werden. Daneben wird mit der Methodik physiologischer und biochemischer Grundlagenforschung und mit klinischen Studien im Westen wie in China die Akupunkturwirkung erforscht und an einem umfassenden Erklärungsmodell gearbeitet. Mit in die Welt gestreuten Vermutungen und Falschaussagen sind diese Fragen nicht zu beantworten.

Für die Fachgesellschaften:
Dr. med. Wolfram Stör
1. Vorsitzender der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur DÄGfA e.V. gegr. 1951

Literatur

1. Lehmann H / Zhu J: Allgemeine Statistik d. Akupunkturpunkte. Asiartco Verlag, Berlin (1990).
2. Zhenjiu Da Cheng - Großes Kompendium der Akupunktur und
Moxibustion . (1601).
3. Tao, I. F. Physiologie der Akupunktur: Anatomie eines historischen Konstrukts -
Kritische Evaluation der modernen Akupunkturforschung. Dissertation Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen (2007)

4. Unschuld, P. U. Nan-Ching, The Classic of Difficult Issues. (1986).
5. Porkert, M. Die theoretischen Grundlagen der chinesischen Medizin. S. Hirzel Verlag, Stuttgart (1982).
6. Tessenow, H. Persönliche Mitteilung (2010)
7. Huangdi bashiyi nanjing Klassiker der schwierigen Probleme. 1.-2. Jh. n. Chr.
8. Beijing College of Traditional Chinese Medizin et.al. Essentials of Chinese Acupuncture. Foreign Language Press, Beijing (1980).
9. Shanghai College of Traditional Medicine & translated and edited by John O'Connor and Dan Bensky Acupuncture, A Comprehensive Text. Eastland Press, Seattle (1981).
10. Lu Gwei-djen and Needham, J. 1. Celestial Lancets. A history and rationale of Acupuncture and Moxa. Cambridge University Press., Cambridge (1980).

Avatar #87250
am Freitag, 20. August 2010 um 17:19
geändert am 20.08.2010 17:25:01

Was steht hinter der ganzen Diffamierung?

,
Das darf man sich fragen.
Die Süddeutsche? Na da frage ich mich immer, wie sie mal zu ihrem guten Namen gekommen ist. Ein kurzer Blick auf die Publikationen zum Fall Polanski oder zu Gewalttaten der letzten Zeit zeigt den Geist der dahinter steht. Jeder mag sich seine eigene Meinung bilden.
Zum Ärzteblatt muss ich allerdings sagen, dass mich schon der negative Name des Forms gestört hat. Er nimmt schon einen negativen Aspekt vorweg, so dass Diskussionen gar nicht möglich sind.
Witziger Weise kommen ja die negativsten Statements von Leuten, die gar keine Ahnung von der Materie haben. Das war schon von Jahren so, ein Kapitel in der Stiftung Warentest über Akupunktur war von Prof. Bachmann aus Bad Wörishofen ( bin mir gar nicht mehr so sicher) geschrieben. Der verteufelte die Akupunktur und hat seine Heusäcke in den Himmel gelobt. Meine telefonische Nachfrage bei ihm und einem Assistenzarzt, den ich später mal zufällig traf, ergab, dass besagter nie eine Akupunkturnadel in der Hand hatte.
Nun ja, vielleicht fühlen sich die Heilpraktiker auf den Schlips getreten. Ich hatte an anderer Stelle schon kommentiert: Es ist am einfachsten gegen etwas Stimmung zu machen,wenn man vorgibt Freund desselben zu sein und dann seinen Spam ins Internet zu setzen.
Ich meine, dass durch so eine Propaganda einem Teil der Patienten die Möglichkeit einer Behandlung genommen wird. Da Schmerzen nicht wie sich mal ein Schmerzguru geäussert hat, ein Problem der Morphindosis ist!!
Durch dummes Geschwätz von Leuten, die überhaupt keine Erfahrung mit Akupunktur oder auch Allgemeinmedizin haben, wird ein gutes Verfahren schlecht geredet. Logisch: Wer in der Klink hockt und sich mit Kardiolgie befasst interessiert sich für ein Organ, das 250 gr wiegt. Der Rest ist für ihn uninteressant. Selbst ein Orthopäde interessiert sich nur für einen Teilaspekt des Menschen und wie oft habe ich von Patienten gehört: Der Orthopäde Soundso hat mich zu ihnen geschickt. Er kann mir nicht helfen. Gerade in der Allgemeinmedizin leistet die Chinesische Medizin gute Dienste in dem sie mir zu mindest ein neues Blickfeld auf die Menschen und ihre Beschwerden geebnet hat. Denn nicht alles kann man akupunktieren oder ist sinnvoll zu akupunktiern. Aber man kann sich den Problemen auf eine andere Weise annähern. Gerade zu pervers ist ja letzlich, dass man von Patientenseite und von der Politik immer wieder den Gesamtheitsaspekt des Menschen in der Medizin haben will, aber gleichzeitig Methoden wie Akupunktur, chinesische Medizin oder Homöopathie ablehnt. Wenn man nur die These aufstellt, dass diese Methoden nur einen Plazeboeffekt haben, dann muss ich mich fragen, was für gottärbärmlich schlechte sog. Schulmediziner sein müssen, wenn sie nicht ein mal in der Lage sind eine Plazeboeffekt bei ihren Patienten auszulösen, denn das ist ja die logische Schlussfolgerung. Den Patienten ist mit diesen idiotischen Argumenten auf alle Fälle nicht geholfen.
Denn eines ist doch sicher: Die Patienten in der Allgemeinpraxis haben zum grossen Teil Probleme, die durch Erfahrung gelöst werden. Es ist halt nicht die grosse Wissenschaft. Wieviele Patienten haben in einem Jahr einen Herzinfarkt, einen Krebs usw. sehr sehr wenige. Aber ihre alltäglichen Beschwerden haben sie. Und mit diesen darf man sie nicht alleine lassen.
Ein lieber leider schon verstorbener amerikanischer Chiropraktor hat mal zu mir gesagt: Was ist wenn in deinem Handwerkskoffer nur ein Hammer liegt? Klar, dann muss jedes Problem ein Nagel sein. Und ich denke er hatte recht.
Avatar #88905
am Freitag, 20. August 2010 um 18:27

ehrlich sollte man nur sein!

akupunktur hilft - die beweislage ist klar. allerdings: nicht aufgrund irgendwelcher schwurbeliger energieströme oder-punkte die niemals nachgewiesen werden konnten. es ist nämlich egal wo genau man hinsticht. auch das ist nachgewiesen.

akupunktur hilft; über den placebo-effekt, und ja das gilt auch für eine reihe sogenannter "schulmedizinischer" therapien, aber es gibt eben keine über den placebo-effekt hinaus reichende nachweisbare wirkung der akupunktur.

und: über die zuwendung die der patient erfährt. ist auch klar, ein arzt der nur zum rezeptblock greift, tramadol verschreibt und den patienten nach 2 minuten wieder aus der ordination schmeißt, ein solcher arzt verliert eine ganz ganz wesentliche schiene der arzt-patient-interaktion. und weil es auch sowas wie einen negativen placebo-effekt gibt kann es die erlebte wirksamkeit eines medikaments sogar beträchtlich herabsetzen.

die theorien hinter der akupunktur sind und bleiben schwurbel, aber methoden die keinen schaden anrichten (obwohl es ein augenarzt der anonym bleiben möchte bereits geschafft hat einem patienten die nadel durchs auge zu stechen..), und über zuwendung und placebo eine nebenwirkungsfreie wirkung erzielen sind ja nicht an sich zu diffamieren.

aber ehrlich sollte man bleiben!

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