Aufstand Kassenärzte

Aufstand Kassenärzte

Nach den Klinikärzten gehen nun auch die Niedergelassenen auf die Straße: Kassenärzte protestieren gegen Honorarverluste, Arzneiregresse, Bürokratie und politische Gängelung.

Avatar #96249
am Mittwoch, 9. Februar 2011 um 18:40

Online Petition

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?
action=petition;sa=details;petition=15520

Text der Petition

An die Politiker aller Parteien: Bitte stoppen sie die "Ambulanten
Kodierrichtlinien", wie sie von den gesetzlichen Krankenkassen und der
"Kassenärztliche Bundesvereinigung" unter Inkaufnahme großer zeitlicher
Belastungen für ambulant tätige Ärzte, aber ohne sachliche Notwendigkeit für die
Patientenversorgung durchgedrückt werden.
Begründung

Ich schreibe diese Petition als Hausarzt einer ländlich strukturierten Region.
Gerne hätte ich einen 48-Stunden-Tag um meinen Patienten die Zeit zu widmen,
die für eine gute ambulante Versorgung notwendig ist. Mit der für 2011
geplanten Einführung der "Ambulanten Kodierrichtlinien" (AKR) wird die sowieso
schon knappe Zeit im Ambulanten Bereich noch weiter gekürzt und gefährdet
damit die Qualität in der Medizin. Auch schreckt dieses Mehr an Bürokratie die
dringend in Deutschland benötigten jungen Ärzte ab hier zu bleiben, anstatt
scharenweise in die Schweiz zu gehen.

Warum sind diese Kodierrichtlinien so katastrophal? Hierzu nur drei Beispiele: Es
wird verlangt, dass über fünf (!) Stellen kodiert wird und damit schon für eine
einzige Diagnose ein zusätzlicher Zeitbedarf von bis zu 10 min notwendig werden
kann. Weiterhin müssen die Diagnosen chronisch kranker Patienten jedes
Quartal neu begründet werden – jedes Quartal von Neuem unsinnige Arbeit.
Kodes werden hinzugefügt, wenn der Patient ein Rezept holt und werden wieder
gelöscht wenn er in die Sprechstunde kommt. Und so weiter... . Anhand eines
Versuches mit einhundert Praxen in Bayern sowie minuziös dokumentierter
Einzeltests wurde festgestellt: Dieser Aufwand kostet uns ambulant tätige Haus-
und Fachärzte zwischen einer und zwei Stunden an zusätzlicher Büromedizin pro
Tag!

Dabei dient diese "Kodiererei" in keinster Weise einer besseren
Patientenversorgung! Die KBV schreibt hierzu bezeichnenderweise selber:
"anamnestische Diagnosen ohne Leistungsbezug sind nicht zu übermitteln". Es
interessiert offensichtlich gar nicht, was für den Patienten wichtig ist! Der einzige
Sinn der AKR besteht vielmehr in der Erfassung von statistischen Daten zur
Häufigkeit von Erkrankungen (Morbidität). Diese Information lassen sich aber
auch anders und mit viel weniger Aufwand erfassen. Völlig absurd ist die Aussage
der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die Ärzte hätten dieses System ja
selber gewünscht um endlich gerechter abrechnen zu können.

Durch politische Vorgaben in 2008 wurden Kassenvertreter, Statistiker und
andere Theoretiker in die Lage versetzt dieses Kodiersystem zu entwickeln. Nicht
beteiligt waren Patienten und ambulant tätige Ärzte. Diese sollen jetzt ohne
Rücksicht auf die immensen zeitlichen Belastungen ein Verfahren umsetzten, das
in dieser Form völlig unnötig ist und gleichzeitig dem Arzt 10 bis 20% seiner
Arbeitskraft entzieht. Dieses Vorgehen stiehlt dem kranken Menschen die so
notwendige Zuwendung und Aufmerksamkeit durch seine Ärzte und reduziert
damit die Qualität in der Medizin. Auch ein in letzter Zeit häufig versprochener
Bürokratieabbau sieht anders aus.

Deshalb soll diese Petition ein Appell an unsere Gesundheitspolitiker sein, sich
diese bürokratischen Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen bewusst zu
machen und Abhilfe zu schaffen!
Avatar #113380
am Mittwoch, 24. August 2011 um 18:49

Die Auswirkungen auf die Patienten

Es ist zum Auswachsen. Die Hausärzte werden mehr und mehr zu Bürokraten entwickelt- ob sie wollen oder nicht. Was ist das Ergebnis? Der Arzt bewältigt Papier, arbeitet viele Stunden ohne Honorar, weil der tatsächlich notwendige Aufwand nicht bezahlt wird. Er ist gefrustet und..... schließt wochenlang die Praxis. Das Bestellsystem, nach dem der Patient seine Krankheiten planen muss, ist katastrophal. Arbeitende Patienten haben kaum noch eine Gelegenheit, eine geöffnete Hausarztpraxis zu finden- zumindest im Raum Bitterfeld. Für die Fachärzte brauche ich auch als chronisch Kranker immer wieder für jedes Quartal eine neue Überweisung oder ich bezahle bei jedem Facharzt meine "Strafgebühr". Zeit für wirkliche Behandlung hat doch wohl ein Hausarzt kaum noch. Er verkommt zum Rezept- und Überweisungsschreiber und zum Buchhalter. Es war wohl so gedacht, dass der Hausarzt der "Lotse" für den Patienten sein soll. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Hausarzt nur noch macht, worauf ich als Pateint selber komme. Hätte ich eine Zulassung, könnte ich mir meine Medikamente und Behandlungen auch gleich selber verordnen. Ob das aber auch immer richtig oder überhaupt notwendig ist, bleibt hier die Frage. Jedenfalls weiß ich nicht mehr, wo in meiner Umgebung ein Arzt ist, der überhaupt noch zuverlässig seine Praxis öffnet. Leider bin ich nicht mehr ganz frisch und habe diverse Abnutzungen (trotz gesunder Lebensweise). Aber arbeiten soll ich bis 67. In meinem Alter schafft es kaum noch jemand ohne Medizin.
Avatar #87388
am Donnerstag, 25. August 2011 um 19:31

Aber arbeiten soll ich bis 67.

klar. wo soll denn sonst die kohle für die bankrotteure&spekulanten herkommen?

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