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Marburger Bund pocht auf Datensicherheit und Funktionalität bei der Patientenakte

Dienstag, 26. Februar 2019

/chombosan, stock.adobe.com

Berlin – „Der Marburger Bund befürwortet und unterstützt ausdrücklich die aktuelle Entwicklung hin zur digitalisierten Medizin, ebenso den Aufbau der Telematik­infrastruktur und insbesondere auch die Entwicklung der elektronischen Patienten­akte“, betonte Peter Bobbert, Mitglied im Bundesvorstand des Marburger Bundes (MB), heute vor Journalisten in Berlin. „Wir sehen die großen Chancen und die Potenziale, die darin zu heben sind, um die medizinische Versorgung und die ärztliche Leistung in der zukünftigen Medizin erheblich zu verbessern.“ Dies sei jedoch nur dann möglich, wenn Risiken von Anfang an erwähnt und gegebenenfalls dann auch ausgeschaltet würden.

Datensicherheit ist gleich Patientensicherheit

Die elektronische Patientenakte (ePA) sei mit einem Datenpool verbunden, der Begehrlichkeiten wecke, etwa bei Arbeitgebern, Versicherungen, Krankenkassen und anderen wirtschaftlich denkenden Unternehmen. Daher gelte mit höchster Priorität, dass die Datensicherheit in der Medizin gleich der Patientensicherheit sei. Daran dürften keine Abstriche gemacht werden, so der MB-Vorstand.

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Die ePA könne nur dann erfolgreich sein, wenn sowohl die Datensicherheit als auch die Funktionalität berücksichtigt würden, betonte Bobbert. Beide Punkte seien wichtig. Sorge bereite beim ersten Punkt, dass bestimmte Grenzen aufgehoben würden, wenn derzeit nur die Krankenkassen vom Gesetzgeber damit beauftragt seien, die ePA zur Verfügung zu stellen. Dies geschehe aktuell nur auf Basis des Paragrafen 68 Sozialgesetzbuch (SGB) V (Erstellung einer elektronischen Gesundheitsakte), der ein geringeres Sicherheitsniveau als die künftige ePA nach Paragraf 291a SGB V vorsehe.

Letzterer regelt dem MB zufolge klar das Weitergabe- und Verwendungsverbot von gesundheitsrelevanten Daten auch seitens der Herausgeber der Akten, also der Krankenkasse oder Kran­ken­ver­siche­rung. „Wir müssen Wert darauf legen, dass die individuellen medizinischen Daten nur in eine Hand gehören, nämlich in die Hand der Patienten“, sagte Bobbert. Daher sei durch entsprechende Vorschriften sicherzustellen, dass Patienten auch künftig vor einer nicht gewollten Weitergabe ihrer Gesundheits­daten an Dritte geschützt sind.

Darüber hinaus regt der MB an, mögliche Alternativen der Datensicherung – ob zentral und dezentral – im Hinblick auf die ePA in Erwägung zu ziehen und dabei nicht nur auf die Vorstellungen der Krankenkassen zu setzen, die ihre Aktenprojekte derzeit vorantreiben. „Bevor einseitig allein Anwendungen der Vorzug gegeben wird, bei denen Krankheitsdaten ausschließlich auf zentralen Servern gespeichert werden, sollten daher alternative Wege der Datenhaltung geprüft und im Falle einer positiven Begutachtung in die weiteren Überlegungen zur Einführung elektronischer Patientenakten einbezogen werden“, heißt es dazu im Positionspapier, das der MB heute veröffentlicht hat.

Funktionalität der Akte sektorübergreifend sicherstellen

Was die Funktionalität der ePA betrifft, so „wissen wir Ärzte genau, mit welchen Features eine Akte ausgestaltet werden muss, damit sie im medizinischen Arbeitsalltag auch gut funktioniert“, meinte Bobbert. Hier befürchten die Ärzte, dass die mit der Entwicklung der ePA beauftragten Krankenkassen die ärztlichen Anforderungen dabei nicht ausreichend berücksichtigen können.

Hinzu kommt, dass das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz vorsieht, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine Ermächtigung hinsichtlich der Standardisierung der medizinischen Inhalte der ePA zu erteilen. Die KBV müsse zwar gerade auch für den ambulanten Bereich mit im Boot sein, doch ebenso sollte der stationäre Bereich seine Expertise einbringen können. Daher sollte eine sektoren­übergreifende Lösung der Funktionalität in der EPA Priorität haben, forderte der MB-Vorstand. Dies habe sich im letzten Jahr insbesondere bei der berufspolitischen Zusammenarbeit im Bereich der Notfallmedizin bewährt.

Zudem müssen nach Auffassung des MB auch Organisationen und Institutionen wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft, die medizinischen Fachgesellschaften oder das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) mit einbezogen werden. Ebenso dürfe der Bereich der Forschung nicht vergessen werden.

Philipp Stachwitz, Facharzt für Anästhesiologie und Experte für Telematik im Gesundheitswesen, verwies darauf, dass es bei der ePA um eine schrittweise Realisierung geht. „Wir haben zunächst das Modell einer dokumentenbasierten Akte mit in sich abgeschlossenen Informationseinheiten. Das kann beispielsweise ein Befundbericht oder ein Entlassungsbericht sein.“ Diese Dokumente müssten nach bestimmten Kriterien auffindbar sein. Wichtige Kriterium dafür sind ihm zufolge der Zeitaspekt und weitere Metadaten. Natürlich könnten Dokumente inhaltlich-semantisch und syntaktisch in jedem Detail strukturiert werden, aber: „Da sind wir heute noch nicht“, sagte Stachwitz. Das lasse sich nur über einen längeren Zeitraum hin entwickeln.

Gesundheitskarte besser als ihr Ruf

In seinem Positionspapier geht der MB auch auf die Rolle der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ein. Sie sei besser als ihr Ruf, heißt es, denn sie ermögliche künftig beispielsweise den Zugriff auf wichtige Notfalldaten auch unabhängig von der ePA. Versicherte könnten die Notfalldaten künftig auf der eGK speichern lassen, ebenso wie den Medikationsplan, sodass wichtige medizinische Informationen jederzeit abrufbar seien – sofern der Patient der Speicherung zugestimmt hat.

Telematikexperte Stachwitz betonte zudem, dass die eGK als Kryptokarte auch einen Sicherheitsfaktor für die ePA darstellen kann. Denn mit ihr könnten Menschen, die nicht mobil auf ihre Gesundheitsdaten zugreifen wollen, ihren Ärzten dennoch den Zugriff auf ihre Daten ermöglichen. © KBr/aerzteblatt.de

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