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Hochschulen

Kein Trend zu externen Repetitorien im Medizinstudium

Montag, 8. April 2019

vectorfusionart, stock.adobe.com

Berlin – Beim Jurastudium greifen die meisten Studierenden zur Examensvorbereitung auf externe Repetitorien zurück. Seit kurzem nutzt auch die Justus-Liebig-Universität Gießen dieses Mittel. Eine bundesweite Entwicklung hin zu externen Repetitorien ist im Medizinstudium aber nicht zu erkennen. Die medizinischen Hochschulen in Deutschland vertrauen nach wie vor auf die eigene Ausbildung, wie eine aktuelle Umfrage des Deut­schen Ärzteblattes (DÄ) unter allen 37 staatlichen deutschen Universitäten zeigt, an de­nen ein Medizinstudium möglich ist.

Bis auf zwei Hochschulen beziehungsweise medizinische Fakultäten haben alle geant­wortet. Demnach erklärten 31 Universitäten in der Befragung, dass sie nicht mit externen Anbietern zusammenarbeiten. Einige davon gaben an, dass sie es als ureigene Aufgabe der medizinischen Fakultäten ansehen, die Studierenden so auf die Examina vorzube­rei­ten, dass diese die Examina auch bestehen.

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„Die Medizinische Fakultät der Universität Hamburg und das Dekanat sind von der Quali­tät des Präsenzunterrichts der Fakultät zur Vorbereitung auf die Staatsexamina überzeugt und stehen daher privaten Anbietern von Repetitorien kritisch gegenüber“, heißt es bei­spielsweise aus Hamburg. Ähnlich sieht man das in Halle. Es sei die Aufgabe der medizi­nischen Fakultät, die eigenen Studierenden bestmöglich auf das Examen vorzubereiten.

Dabei setzen eine Reihe von Hochschulen auf zusätzliche Hilfsmittel wie Lernsoftware. So gaben elf Universitäten bei der Befragung an, den Studierenden für die Vorberei­tung auf das Examen Zugänge dazu zur Verfügung zu stellen. 18 antworteten, dass sie interne Lernangebote für Studierende bereithalten, um diese unter anderem in speziellen Fachgebieten zusätzlich zu schulen – oder auch auf die Examina vorzubereiten.

Vier Universitäten greifen auf Externe zurück

Durch beides erhoffen sich die Hochschulen, die Studierenden zusätzlich zu schulen. „Durch die Lernprogramme sollen die verschiedenen Lerntypen angesprochen werden“, heißt es etwa vom Universitätsklinikum Bonn. Wie die Nutzung der Programme sich auf die Examensergebnisse auswirke, werde derzeit untersucht.

Mit Gießen gaben lediglich vier Universitäten an, im Medizinstudium auch auf externe Anbieter zurück zu greifen. Neben Duisburg-Essen und Mainz, die diesen Weg seit 2011 bzw. 2015 beschreiten, setzen Tübingen und neuerdings Gießen auf dieses zusätzliche Angebot für Medizinstudierende.

An der Universität Duisburg-Essen ist das Angebot speziell zur Vorbereitung des schrift­lichen Teils des 2. Staatsexamens gedacht, wie die Uni mitteilte. In Mainz wird zweimal jährlich ein Repetitorium zur Vorbereitung auf den schriftlichen Teil des ersten Abschnitts der ärztlichen Prüfung angeboten. Man habe die Angebote 2015 unter anderem einge­führt, um die Examensergebnisse der Mainzer Teilnehmer zu verbessern, hieß es von der Unimedizin Mainz.

Die Hilfestellung hat nach Angaben der Mainzer zu einer Verbesserung und Stabilisierung der Examensergebnisse geführt. „Zuletzt lag die Mainzer Erfolgsquote im Prüfungstermin Herbst 2018 bei 89,7 Prozent“, schreibt die Universität. Finanziert werden die Angebote in Mainz weitgehen durch die Uni, die Studierenden zahlten einen „geringen Selbstkostenanteil“.

Gießen will bestmögliche Hilfestellung

Gießen ermöglicht dieses zusätzliche Angebot für Medizinstudierende seit diesem Jahr. Für die Studierenden entstehen dabei keine Kosten – diese werden vom Fachbereich Medizin getragen, teilte die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) Ende Januar mit. Die Kurse sollen den Studierenden helfen, die zuvor im Studium erworbenen Kenntnisse zu wiederholen und zu verinnerlichen, um die größtenteils aus Multiple-Choice-Tests bestehenden Prüfungen zu bestehen.

Die JLU stehe zu ihrem Weg der Medizinerausbildung, sehe sich aber gleichzeitig in der Pflicht, ihre Studierenden so gut wie möglich zu unterstützen, um die Multiple-Choice-Tests zu meistern, begründete Dieter Körholz, Studiendekan des Fachbereichs Medizin, den Schritt Ende Januar in einer Mitteilung. Gerade in Zeiten des Ärztemangels könne man es sich nicht leisten, angehende gute Ärzte auszubremsen, weil sie im ersten Anlauf an Multiple-Choice-Tests scheiterten.

Im Übrigen seien solche Repetitorien auch in anderen lernintensiven Fächern wie etwa Jura sehr verbreitet. Dass die Kosten für die Kurse nicht auf die Studierenden abgewälzt werden, ist für den Fachbereich aus sozialen Gründen selbstverständlich. „Wir haben kein Interesse daran, weniger wohlhabende Studierende zu benachteiligen“, so Körholz. © may/aerzteblatt.de

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