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Medizin

Antikörper unterdrückt HIV-Infektion bis zu vier Monate lang

Dienstag, 23. April 2019

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

New York – Infusionen eines monoklonalen Antikörpers, der nicht an den HI-Viren selbst bindet, sondern deren Rezeptor auf den CD4-Zellen blockiert, hat in einer offenen Phase-2-Studie im New England Journal of Medicine (2019; 380: 1535-1545) die Virusreplikation zuverlässig unterdrückt. Der Antikörper könnte bei Patienten infrage kommen, für die aufgrund von Resistenzen gegen antiretrovirale Medikamente die Therapieoptionen ausgereizt sind.

Die antiretrovirale Therapie bewahrt Menschen mit HI-Infektion vor einer unweigerlich tödlich endenden Immunschwäche. Die Medikamente können die HI-Viren jedoch nicht eradizieren und die Patienten sind gezwungen, die Medikamente lebenslang einzunehmen. Bei vielen kommt es zu einer Pillenmüdigkeit oder zu einer Resistenz, die zum Wechsel auf weniger gut verträgliche Wirkstoffe zwingt.

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Vor diesem Hintergrund wäre ein Antikörper, der die Virussuppression über Wochen stoppt, ohne dass es zu einer Resistenz kommt, sicherlich eine nützliche Ergänzung, wobei immer die Hoffnung mitschwingt, dass eines Tages eine Heilung der Infektion erreicht wird.

Nachdem die Ergebnisse mit sogenannten breitneutralisierenden Anti-HIV-Antikörpern, die an unveränderlichen Abschnitten auf der Oberfläche der Viren binden und deren Zerstörung einleiten sollen, die Erwartungen bisher nicht erfüllt haben, scheint sich ein anderer Ansatz jetzt zu bewähren.

UB-421 bindet am Rezeptor CD4 auf der Oberfläche von T-Zellen 50- bis 100-mal stärker als das HI-Virus und verhindert dadurch dessen Eintritt in die Abwehrzellen, deren Mangel die Immunschwäche Aids auslöst. Eine frühere Phase-1-Studie und eine frühere Phase-2a-Studie haben gezeigt, dass UB-421 in der Anwendung sicher ist und bei Patienten, die noch keine antiretroviralen Medikamente erhalten haben, die Virusreplikation über einen längeren Zeitraum effektiv unterdrücken kann.

Jetzt wurden erstmals 29 Patienten behandelt, die die Virusreplikation bisher erfolgreich mit antiretroviralen Medikamenten unterdrückt hatten. Die Medikamente wurden abgesetzt, und die Patienten erhielten insgesamt 8 intravenöse Infusionen des Antikörpers UB-421. In einer ersten Kohorte erfolgten die Infusionen wöchentlich in einer Dosis von 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Die zweite Kohorte erhielt alle 2 Wochen eine Infusion mit der höheren Dosis von 25 mg/kg. Die Studie wurde an einer Klinik in Taiwan durchgeführt. Sie wurde vom Hersteller United Biomedical aus Hauppauge auf Long Island in der Nähe von New York City gesponsert mit Unterstützung der US-National Institutes of Health.

Wie Chang-Yi Wang vom Hersteller und Mitarbeiter mitteilen, erreichten beide Dosierungen ihr Ziel. Bei keiner der Laborkontrollen kam es zu einem Anstieg der Viruskonzentration über die kritische Grenze von 400 Kopien pro Milliliter. Bei 8 Teilnehmern (28 %) wurden bei einzelnen Laborkontrollen lediglich „blips“ mit einer Viruskonzentration von 21 bis 142 Kopien pro Milliliter gefunden, die bei der nächsten Untersuchung wieder verschwunden waren. Die pharmakokinetischen Untersuchungen ergaben, dass die Konzentration von UB-421 vor der jeweils nächsten Infusion abgefallen war, aber offenbar noch in einem Bereich lag, der eine sichere Virussuppression gewährleistet. UB-421 übertraf in der Virussuppression laut Wang alle bisher getesteten breitneutralisierenden Anti-HIV-Antikörper.

Ein unerwünschter Abfall der CD4-Zellen, zu dem es kommen könnte, wenn UB-421 eine Abwehrreaktion des Immunsystems stimulieren würde, ist bisher ausgeblieben. Es kam jedoch zu einem Rückgang der regulatorischen T-Zellen, die eine Zerstörung der CD4-Zellen verhindern. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob UB-421 eine langfristige Alternative zur Medikamenteneinnahme sein kann, zumal die intravenösen Infusionen im Abstand von 1 oder 2 Wochen viele Patienten mehr belasten dürften als die tägliche Einnahme der antiretroviralen Medikamente.

Ein weiterer Nachteil dürften die Hautausschläge sein, zu denen es bei jedem zweiten Patienten nach einzelnen Infusionen kam, auch wenn diese bei den meisten Patienten milde blieben. Sofern die klinischen Studien zur Zulassung führen, dürfte die Anwendung auf Patienten beschränkt bleiben, bei denen Resistenzen eine sichere Virussuppression durch antiretrovirale Wirkstoffe nicht mehr gewährleisten. © rme/aerzteblatt.de

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