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Medizin

US-Zulassung eines Trigeminus-Stimu­lators zur ADHS-Behandlung von Kindern

Dienstag, 23. April 2019

/Siarhei, stockadobecom

Los Angeles – Die nächtliche elektrische Stimulation eines supraorbitalen Astes des Nervus trigeminus hat in einer randomisierten Studie im Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (2019; 58: 403-411) die Symptome der Aufmerksamkeits­defizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) abgeschwächt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Gerät jetzt für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren zugelassen, die keine verschreibungs­pflichtigen Medikamente einnehmen.

Aufgrund der oft unbefriedigenden Behandlungsergebnisse mit Medikamenten werden zur Zeit die Möglichkeiten einer Nervenstimulation bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns von der Epilepsie bis zur Major-Depression erkundet. Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation oder die transkranielle Gleichstromstimulation sind besonders beliebt, da sie noninvasiv sind, was den Patienten die Risiken einer Operation erspart.

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Mit relativ geringem Aufwand ist die transkutane elektrische Stimulation einzelner Nervenäste verbunden. Ein US-Hersteller hat zur Behandlung der ADHS ein Gerät von der Größe eines Smartphones entwickelt, das über eine auf der Haut befestigte Elektrode eine externe transkutane Nervenstimulation (eTNS) ermöglicht.

Das Gerät wurde in einer doppelblinden Studie an 62 Kindern mit mittelschwerer bis schwerer ADHS getestet, die über jeweils 4 Wochen mit einem angeschalteten oder einem abgeschalteten eTNS-Gerät behandelt wurden. Die Kinder trugen die Geräte, die von den Eltern angebracht wurden, jeweils nachts über 8 Stunden.

Primärer Endpunkt waren die Veränderungen in der „ADHD Rating Scale“ (ADHD-RS), in der die Ärzte den Eltern 18 Fragen zum Verhalten des Kindes stellen. Die Untersuchungen wurden während der Behandlung einmal wöchentlich durchgeführt.

Wie James McGough von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles und Mitarbeiter berichten, kam es in beiden Gruppen in der ersten Woche zu einer Verbesserung, die sich unter der echten eTNS-Behandlung in den folgenden Wochen steigerte, während es unter der Scheinbehandlung bei einer anfänglichen Placebowirkung blieb. Am Ende der vierten Woche hatte sich der durchschnittliche ADHS-RS-Score in der aktiven Gruppe von 34,1 Punkte auf 23,4 Punkte verbesserte gegenüber einer Verbesserung von 33,7 auf 27,5 Punkte in der Placebogruppe.

In der Clinical Global Impression Scale, in der die Ärzte ihren Gesamteindruck einschätzen, kam es ebenso zu einer Verbesserung, und in der quantitativen Elektroenzephalografie (EEG) wurde in den Ableitungen vom Stirnbereich eine erhöhte „Power“ gemessen, die die Autoren als Hinweis auf eine Wirkung deuten.

Die FDA hält aufgrund der Studienergebnisse eine gewisse Wirksamkeit der eTNS-Behandlung für gegeben, der kaum Risiken gegenüber stehen. Die häufigsten Nebenwirkungen der Behandlung sind laut FDA Schläfrigkeit, eine Zunahme des Appetits, Schlafstörungen, Zähneknirschen, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Es ist die erste zugelassene apparative Behandlung des ADHS in den USA. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 27. April 2019, 19:18

Falschdiagnosen

PS:
Bevor ich wieder nach einer qualifizierten Quelle gefragt werden, hier ist sie (Charitè):

https://dissoziation-und-trauma.de/neues-aus-psychiatrie-und-medien/428-90-prozent-der-adhs-diagnosen-sind-falsch
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 27. April 2019, 19:13

"Fragwürdige Quelle"

Der Spruch kommt immer, wenn einem der Inhalt nicht passt. Wenn DIE Studie zur ADHS-Therapie weltweit eine fragwürdige Quelle sein soll, dann wäre das Posting von Ambush.... (bitte selbst ergänzen).
Das "nicht heilbar" ist m.E. unsinnig, da a) die meisten ADHS-Diagnosen falsch sind (siehe diesbez. Anmerkungen aus der Charité) u. sich die Symptome entweder von selbst erledigen oder aufgrund einer anderen kausaleren Therapie "verschwinden".... und b) folgende Überlegungen....:
https://www.medizin-im-text.de/blog/2014/1907/adhs-ist-heilbar/
Avatar #749369
Ambush
am Mittwoch, 24. April 2019, 17:52

ADHS das ganze Leben lang, bis zum Lebensende Pharmakotherapie manchmal sogar ja, jeden Tag Trigeminus-Stimulation auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei

Anders als der Vorredner mit Verweis auf eine fragwürdige Quelle behauptet, ist die Therapie Stimulantien bei ADHS gemäß der wissenschaftlichen Datenlage sehr wohl wirksam und am wirksamsten , man kann übrigens ADHS nicht weg therapieren, sondern nur managen, ADHS besteht in zumindest einer Restymptomatik meist bis zum Lebensende, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bei-erwachsenen-haeufig-unterschaetzt/ , dass man nun bis zum Lebensende kontinuierlich Methylphenidat nehmen müsse, in den meisten Fällen nicht natürlich , die Betonung liegt auf phasenweise
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 24. April 2019, 15:17

Ritalin nicht so wirksam wie gedacht

@Ambush: Mag ja sein, dass es dem einen oder anderen einen Vorteil bringt (was nicht heisst, dass eine andere Therapie nicht auch geholfen hätte), aber die Forschungsergebnisse zeigen inzwischen, dass die Stimulantientherapie nicht das Gelbe vom Ei ist:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/news/tid-13852/adhs-langzeitbehandlung-mit-ritalin-sinnlos_aid_386475.html
Avatar #749369
Ambush
am Dienstag, 23. April 2019, 18:02

Exploration von Alternativen zur medikamentösen Therapie bei ADHS legitim, dennoch medikamentöse Therapie bei schwergradigem ADHS Goldstandard

...und das sage ich als jemand, der von der medikamentösen Therapie der ADHS mit dem einschlägig bekannten Standardmedikament vom 11. bis zum 30. Lebensjahr massiv profitiert hat. Ohne die medikamentöse Unterstützung hätte ich weder mein 1er-Abitur erreichen, noch mein Medizinstudium abschließen können, sondern wäre vielleicht heute "Penner" unter der Brücke oder wäre vielleicht auch schon längst hopps gegangen von der Brücke herunter. Die angeblich unheimlichen und Angst einflößenden Nebenwirkungen der Therapie mit Stimulantien bei ADHS sind das nur angeblich, unheimlich und angsteinflößend... da wird viel gelabert und nachgeplappert, ohne dass man eine Ahnung darüber hat bzw. erst Recht keine persönliche Erfahrung mit der Therapie mit Stimulantien hat... was nun das sogenannte Hirndoping angeht... letzten Donnerstag Abend auf ZDF zur Prime Time , Medizinstudenten, die den Leistungsdruck nicht aushalten und deswegen "Hirndoping" betreiben und dann physisch und psychisch dadurch kaputt gehen... das ist neunmalkluges Nachgeplapper von ganz besonders schlauen Drehbuchautoren... die überragende Mehrheit der sogenannten Hirndoper sind undiagnostizierte Fälle von ADHS , der Rest hat das Ganze vielleicht 1 oder 2 mal ausprobiert und keine nützliche Wirkung dabei festgestellt, schlichtweg deswegen, weil Methylphenidat bei Normalpersonen eine Wirkung hat, die nicht wesentlich über die von Koffein hinausgeht... da gibt es kein von off zu on wie bei ADHS... und zusätzlich ist das "Hirndoping" mit Stimulantien kein neues Phänomen, sondern besteht seit den 60ern mindestens, wohl eher seit den 50ern... damals gabs aber kein Internet... die nebulöse Debatte um Hirndoping oder Neuroenhancement ist ein Schein-Thema , in Wahrheit geht es dabei nur um Ritalin und nur um ADHS (da wird dann von Journalisten als Alibi-Funktion immer noch Modafinil genannt, obwohl gefühlt 90% oder mehr von dem "Hirndoping" mit Methylphenidat betrieben wird) und das ist das eigentliche Thema, dass sich dahinter verbirgt...

Was Alternativen zur medikamentösen Therapie bei ADHS angeht, gegen eine jeweilige Exploration ist nichts einzuwenden, aber gleichzeitig sei auf die sehr viel sicherer als kolportiert und sehr viel effektstärkere Anwendung der medikamentösen Therapie bei ADHS (phasenweise oder kontinuierlich) als Goldstandard verwiesen... zum Schluss nochmal ein kleiner Vergleich: angesichts der Medizinstudentin, die im ZDF-TV-Shocker letzten Donnerstag abends im Hörsaal umgekippt ist wegen der Einnahme von Methylphenidat... da hätten die ganz besonders gut informierten Dramaturgen ja auch die Pille mit anschließender Thrombose und Lungenembolie als Ursache nehmen können, aber da regt sich dann niemand von den unbedarften Zuschauern darüber auf... Selektive Empörung und selektive Wahrnehmung nennt man so was dann...


LNS

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