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Nutzen der allogenen Stammzelltrans­plantation bei Non-Hodgkin-Lymphom unklar

Mittwoch, 22. Mai 2019

/science photo, stockadobecom

Köln – Es fehlen aussagekräftige Studien dazu, ob Patienten mit einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) von einer allogenen Stammzelltransplantation profitieren. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt daher jetzt in einem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, „dass Aussagen zum Nutzen dieser risiko­reichen Therapie nicht möglich sind.“

Das NHL ist eine Form von Lymphdrüsenkrebs, also eine Erkrankung des blutbilden­den Systems. Die verschiedenen Formen der Erkrankung sind selten. Reichen in der Behandlung Chemo- und Strahlentherapie nicht aus, kann eine Stammzelltransplan­tation infrage kommen.

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Bei einer allogenen Transplantation – um die es in dem Abschlussbericht des IQWiG geht – werden dazu Stammzellen eines anderen Menschen übertragen. Die Übertra­gung eigener Stammzellen ist dagegen eine „autologe Stammzelltransplantation“.

Die IQWiG-Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben verschiedene therapeuti­schen Situationen untersucht. Teils verglichen sie die allogene Stammzelltransplanta­tion mit der autologen, teils mit einer palliativen Behandlung.

„Die Bewertung der allogenen Stammzelltherapie wird dadurch erschwert, dass die verschiedenen Formen der Erkrankung selten sind. Selbst wenn man alle Non-Hod­gkin-Lymphome gemeinsam betrachtet, gibt es derzeit pro Jahr in Deutschland nur circa 250 Patienten, die eine allogene Stammzelltransplantation erhalten“, umreißen die IQWiG-Autoren die Problematik. Diese verteilten sich zudem auf viele Unter­gruppen.

Insgesamt konnte das Institut 43 Studien in den Abschlussbericht einbeziehen. Die Wissenschaftler untersuchten vor allem, wie lange die Patienten überlebten. „Sofern es überhaupt verwertbare Daten gab, zeigten sie beim sogenannten Gesamtüberle­ben aber keinen klaren Vorteil der allogenen Stammzelltransplantation gegenüber den Vergleichstherapien. Studien, die eine Aussage über die Lebensqualität der Betroffe­nen erlauben würden, gibt es keine“, berichten die IQWiG-Autoren. Sie weisen aber auf das Risiko einer Abwehrreaktion der neu gebildeten Immunzellen gegen den Patienten hin. Das IQWiG sieht hier einen Anhaltspunkt für einen Schaden.

Im Stellungnahmeverfahren zum Vorbericht wurde laut dem IQWiG eine große Dis­krepanz zwischen der Nutzenbewertung und der klinischen Erfahrung deutlich, ins­be­sondere bei Patienten, bei denen andere therapeutische Optionen ausgeschöpft sind.

Nach Darstellung der stellungnehmenden Kliniker sind im Durchschnitt rund 30 Pro­zent der Transplantierten fünf Jahre nach dem Eingriff noch am Leben, während fast alle ohne diese Therapie bereits im ersten Jahr versterben. „Diese Diskrepanz zwischen klinischer Erfahrung und Studienergebnissen hat das Institut auch nach erneuter Prüfung der Daten nicht auflösen können“, berichtet das IQWiG. © hil/aerzteblatt.de

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