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Medizin

Erste Geburten nach Gebärmutter­transplantation in Deutschland

Donnerstag, 23. Mai 2019

3D-Bild der Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane. /Sebastian Kaulitzki, stockadobecom
Bei Frauen mit dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom werden während der Entwicklung im Mutterleib zwar Eierstöcke, aber keine Scheide und auch keine Gebärmutter angelegt. /Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Tübingen – In Deutschland sind nach jahrelanger Vorbereitung die ersten beiden Kinder nach Uterustransplantationen geboren worden. Das erste Kind kam im März, das zweite im Mai per Kaiserschnitt zur Welt. Damit brachten die beiden jungen Mütter das weltweit 15. beziehungsweise 17. Kind zur Welt, das nach einer Gebärmutter­transplantation geboren wurde. Das teilte das Universitätsklinikum Tübingen heute mit.

Die beiden 25 und 26 Jahre alten Frauen sind aufgrund einer angeborenen Fehlbildung, dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hau­ser-Syndrom, ohne Gebärmutter und Scheide geboren worden. Eierstöcke sind jedoch angelegt. Nach dem Anlegen einer Scheide im Jugendalter, einer Neovagina, erfolgte im Oktober 2016 die erste Lebendspende. In beiden Fällen handelte es sich bei den Spenderinnen um die Mütter der Frauen. 

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Bei beiden Frauen musste die Gebärmutter auch nach der Geburt noch nicht wieder explantiert werden. „Eine zweite Schangerschaften ist möglich, wenn – wie in diesen Fällen – die erste Schwangerschaft problemlos verlaufen ist und keine Nebenwirkun­gen aufgrund der Immunssuppressiva aufgetreten sind“, erklärte Sara Brucker, Ge­schäftsführende Ärztliche Direktorin des Departments für Frauengesundheit am Universitätsklinikum Tübingen.

Eine dritte Uterustranslplantation haben Ärzte in Tübingen im Januar durchgeführt. Ein Jahr sollte mindestens vergehen, bis eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) in Frage komme, erklärte Brucker. Über eine dritte Geburt könne man daher ziemlich sicher erst wieder 2020 berichten.

Noch keine Option für Transsexuelle

Eine Gebärmuttertransplantation bei umoperierten transsexuellen Männern beantwor­tet Brucker nach derzeitigem medizinischen Stand mit „nein“. „Denn diese transsexu­ellen Männer haben keine Eierstöcke und keine Hormonproduktion.“

Daher wäre es wahrscheinlich sehr schwierig, diesen (jetzt) Frauen eine künstlich be­fruchtete Eizelle einzupflanzen. Das Embryonenschutzgesetz verbietet in Deutschland zudem die Eizellspende, auf die Transsexuelle angewiesen wären. Wenn es medizi­nisch möglich werden würde, spräche aus ethischer Sicht aber nichts gegen eine Ute­rustransplantation, ergänzt der Medizinethiker Urban Wiesing.

An den Transplantationen in Tübingen waren jeweils auch Ärzte aus Göteborg (Schweden) beteiligt, die als Pioniere auf dem Gebiet der Gebärmuttertrans­planta­tion gelten. Bisher gab es weltweit zirka 40 Transplan­tationen dieser Art mit mehr als 10 Geburten. In Süd­amerika brachte eine Frau im vergangenen Jahr das erste Kind nach einer Uterustransplantation von einer verstorbenen Spenderin zur Welt.

Im deutschsprachigen Raum wird diese Art der Trans­plantation bislang nur im Rahmen von Forschungs­pro­jekten durchgeführt. Auch die Nationale Ethik­kommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) der Schweiz bewertet die Uterus­transplantation als ein experimentelles Verfahren, schließt allerdings nicht aus, dass es nach weiterer  Forschung – vor allem zu mittel- und langfristigen Effekten auf die Gesundheit der Kinder – Eingang in die Therapie finden könnte.

Kostenübernahme noch unklar

Die Kostenübernahme für die Uterustransplantation würden derzeit von den Kassen überprüft, erklärte Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauen­klinik und weiter: „Die ersten Analysen unseres Klinikums zeigen, dass die Kosten im üblichen Rahmen, vergleichbar der Nieren- oder Lebertransplantation liegen.“ Dazu kommen die Kosten für die ambulante IVF.

„Es sind Kosten, die deutlich unter 50.000 Euro liegen“, schätzt Brucker. Da es sich bei den Frauen, die eine Gebärmutter erhalten, um gesunde Patientinnen handle, seien die Kosten aber nur bedingt vergleichbar mit denen einer Nieren- oder Leber­transplantation, ergänzte Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie.

Es wäre nur logisch, dass – ähnlich wie bei der ovariellen Infertilität durch Eizell- oder Embryotransfer – auch die Behandlung von uteriner Infertilität in Zukunft von den Krankenkassen übernommen wird. Xavier Rogiers, Universitätskrankenhaus Gent in Belgien

„Es wird nun immer klarer, dass Uterustransplantation eine bleibende Rolle in der Behandlung von uteriner Infertilität spielen wird“, ist Xavier Rogiers vom Universitäts­krankenhaus Gent in Belgien überzeugt.

Nach Meinung des Leiters des dort ansässigen Transplantationszentrums könnten auch andere Indikationen, wie Uterus-Entfernung bei Frühstadien von Krebs, Uterus-Trauma oder uterine Infertilität durch Verwachsungen im Inneren des Uterus, eine Rolle spielen.

„Es wäre nur logisch, dass – ähnlich wie bei der ovariellen Infertilität durch Eizell- oder Embryotransfer – auch die Behandlung von uteriner Infertilität in Zukunft von den Krankenkassen übernommen wird.“ Sonst würde diese therapeutische Möglichkeit nur den Reichen vorbehalten bleiben, befürchtet Rogiers. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #760388
Helen Maaß
am Donnerstag, 23. Mai 2019, 22:41

Korr.:

Statt: "denn genau Stellungnahme" "dessen genaue Stellungnahme"
Avatar #760388
Helen Maaß
am Donnerstag, 23. Mai 2019, 22:39

"Wenn es medizi­nisch möglich werden würde, ...": JA und Nein

Einerseits ist die Transfrau nach dem jetzigen Stand der Medizin leider nur unvollkommen; das ist für die Transfrau u.U. auch ein psychisches Problem, da der Kinderwunsch ihr bislang versagt bleibt. Auf der anderen Seite implizierte die heterologe Eispende für die Kinder dann das Problem, dass sie (u.U.) nicht wissen, wer die genetische Mutter ist. Der Medizinethiker Urban Wiesing, denn genau Stellungnahme mir nun nicht vorliegt, macht es sich möglicherweise zu einfach.
LNS

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