StudierenNewsMedizinHerzinfarkt: Stammzellen aus der Plazenta reparieren Herzmuskel bei Mäusen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzinfarkt: Stammzellen aus der Plazenta reparieren Herzmuskel bei Mäusen

Donnerstag, 23. Mai 2019

/mp_images, stockadobecom

New York – US-Forscher haben in der Plazenta einen Zelltyp entdeckt, der bei Mäusen nach einer intravenösen Injektion selbstständig den Weg in den Herzmuskel fand und laut ihrem Bericht in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2019; doi: 10.1073/pnas.1811827116) durch einen Herzinfarkt geschädigte Muskelzellen erneuerte.

Die Regenerationsfähigkeit des Herzmuskels ist beschränkt. Nach einem Herzinfarkt werden abgestorbene Muskelzellen durch Bindegewebszellen ersetzt, die den Herzmuskel weiter schwächen. Viele Patienten, die einen Herzinfarkt dank einer Katheterbehandlung überleben, sterben Jahre später an einer Herzinsuffizienz. 

Anzeige

Es hat in den letzten Jahren verschiedene Versuche gegeben, die Regeneration des Herzmuskels durch Stammzellen zu fördern. Die Behandlungserfolge waren jedoch bescheiden und die klinische Entwicklung wurde weitgehend eingestellt. Die Stammzellen hatten die Forscher zumeist dem Knochenmark entnommen, das jedoch primär für die Erneuerung von Blutzellen zuständig ist. 

Ein Team um Hina Chaudhry von der Icahn School of Medicine in New York hat vor einiger Zeit entdeckt, dass bei trächtigen Mäusen Stammzellen aus der Plazenta den Herzmuskel des Muttertieres besiedeln und sich dort in funktionierende Muskelzellen verwandeln können. Das Ziel könnte eine Unterstützung des mütterlichen Herzmuskels sein, der während der Schwangerschaft erhöhten Belastungen ausgesetzt ist. 

Inzwischen konnten die Forscher die Zellen genauer charakterisieren. Die Zellen exprimieren das Protein Cdx2 („Caudal-type homeobox-2“), das eine wichtige Aufgabe in der Entwicklung der Plazenta hat. Die jetzt von Chaudhry vorgestellten Experimente lassen vermuten, dass die Zellen auch außerhalb der Plazenta aktiv sind und unter anderem den Herzmuskel erreichen.

Um die regenerativen Eigenschaften der Cdx2-Zellen zu testen, lösten die Forscher durch Blockade einer Koronararterie in 3 Gruppen männlicher Mäuse einen Herzinfarkt aus. Eine Gruppe erhielt eine Woche später eine Infusion von Cdx2-Stammzellen in die Schwanzvene injiziert. Die zweite Gruppe wurde mit nicht charakterisierten Zellen der Plazenta und die dritte Gruppe mit einer Kochsalzlösung behandelt.

Die Forscher untersuchten die Herzfunktion unmittelbar nach dem Herzinfarkt und 3 Monate nach der Behandlung mit einem Magnetresonanztomografen. Sie fanden heraus, dass es bei allen Mäusen, die mit den Cdx2-Stammzellen behandelt worden waren, zu einer signifikanten Verbesserung der Herzleistung kam.

Die histologische Untersuchung des Herzmuskels nach 3 Monaten ergab, dass die Stammzellen in die geschädigten Regionen des Herzmuskels eingewandert waren. Sie hatten dort die Bildung neuer Blutgefäße und neuer Muskelzellen ausgelöst. In den beiden anderen Gruppen, denen Nicht-Cdx2-Plazentazellen oder eine Kochsalzlösung infundiert worden waren, hatten eine Herzinsuffizienz entwickelt. Im Herzmuskel gab es keine Anzeichen für eine Regeneration.

Eine Untersuchung der Cdx2-Zellen ergab nicht nur, dass sie alle Eigenschaften von ​​embryonalen Stammzellen aufwiesen. Sie waren auch für das Immunsystem nicht erkennbar. Dies ist eine Besonderheit von Plazentazellen, die ja teilweise vom Embryo stammen. Die Zellen benötigen eine immunologische Toleranz, da sie sonst von vom Immunsystem der Mutter angegriffen und zerstört würden. Für eine etwaige Behandlung hätte dies den Vorteil, dass zur Stammzellbehandlung des Herzinfarktes auch die Plazenta von nicht verwandten Schwangeren verwendet werden könnte. 

Die Forscher haben Cdx2-Zellen bereits in der menschlichen Plazenta nachgewiesen und damit eine erste Voraussetzung für klinische Studien geschaffen, die derzeit aber noch nicht geplant sind. Zunächst sollen weitere vorbereitende tierexperimentelle Untersuchungen durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Juni 2019
Dortmund/Köln – Testmodelle aus künstlich erzeugten, menschlichen Stammzellen können in der Forschung eine Alternative zu Tiermodellen sein. Anstatt Versuche direkt an Tieren durchzuführen, könnten
Zellsysteme können Tierversuche noch nicht ersetzen
17. Juni 2019
Kiel – Im Kampf gegen Blutkrebs hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) zur Teilnahme an einer Aktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS beim Heavy-Metal-Festival Wacken
Günther unterstützt Stammzellenspendeaktion beim Wacken Open Air
12. Juni 2019
Magdeburg – In Sachsen-Anhalt sterben besonders viele Menschen an einem Herzinfarkt – eine Aufklärungskampagne rückt jetzt die Erste Hilfe in solchen Notfällen in den Fokus. Unter dem Motto „Trau dich
Herzwoche in Sachsen-Anhalt soll Erste Hilfe beim Herzinfarkt verbessern
3. Juni 2019
Miami – US-Forscher haben eine Stammzelltherapie von Riechstörungen entwickelt, die laut einer Studie in Stem Cell Reports bei Mäusen erfolgreich eingesetzt wurde (2019; doi:
Nasentropfen mit Stammzellen heilen Riechstörung bei Mäusen
22. Mai 2019
Köln – Es fehlen aussagekräftige Studien dazu, ob Patienten mit einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) von einer allogenen Stammzelltransplantation profitieren. Das Institut für Qualität und
Nutzen der allogenen Stammzelltransplantation bei Non-Hodgkin-Lymphom unklar
22. Mai 2019
Tübingen/Erfurt – Seit Beginn der Ausstrahlung der TV-Serie „Club der roten Bänder“ haben sich etwa 10.000 Zuschauer bei der Knochenmarkspenderdatei DKMS als Spender registrieren lassen. 19 von ihnen
Tausende registrieren sich nach TV-Serie als Knochenmarkspender
15. Mai 2019
Berlin – Das Interesse an der Forschung mit humanen pluripotenten Stammzellen (hPS-Zellen) nimmt auch in Deutschland weiter zu. Das zeigt der achte Erfahrungsbericht über die Durchführung des
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER