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Medizin

Schlaganfall: DNA von Bakterien der Mundhöhle in zerebralen Thromben nachgewiesen

Freitag, 24. Mai 2019

/PeJo, stockadobecom

Tampere – Mediziner aus Finnland haben die DNA von Bakterien der Mundhöhle in Thromben nachgewiesen, die bei einer Katheterbehandlung des ischämischen Schlaganfalls aus den Hirngefäßen von Patienten geborgen wurden. Die im Journal of the American Heart Association (2019; 8: e012330) vorgestellten Ergebnisse könnten, falls sie von anderen Teams bestätigt werden, die Diskussion um eine bakterielle Genese der Atherosklerose neu beleben.

Bakterien wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts als Ursache von Gefäß­verkalkungen vermutet. Zuletzt wurde die infektiöse Hypothese Ende der 1990er-Jahre populär, als Spuren von Chlamydia pneumoniae in den Wänden von Blutgefäßen entdeckt wurden. Die daraufhin initiierten Studien zu einer Antibiotikaprophylaxe konnten das Fortschreiten einer koronaren Herzkrankheit jedoch nicht aufhalten, so dass das wissenschaftliche Interesse wieder abnahm. 

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Seit einigen Jahren werden Bakterien der Mundhöhle, die bei zahnärztlichen Eingriffen, aber auch beim Zähneputzen in die Blutbahn gelangen, als Risikofaktor diskutiert. So wiesen beispielsweise finnische Kinder, die im Alter von 8 Jahren an Karies und/oder Parodontose erkrankt waren, im jüngeren Erwachsenenalter eine höhere Intima-Media-Dicke der Karotisarterien auf, die ein Indikator für eine Atherosklerose ist. Zahlreiche Fall-Kontroll­-Studien haben gezeigt, dass Menschen mit chronischer Parodontose häufiger als andere an Herzinfarkt oder Schlaganfall erkranken. 

Da die meisten Schlaganfälle durch Blutgerinnsel ausgelöst werden, die zentrale Hirnarterien verlegen, war es plausibel, dort nach Hinweisen auf eine Infektion zu suchen. Dies ist leicht möglich, seit neurointerventionelle Radiologen begonnen haben Schlaganfälle mittels Thrombektomie zu behandeln. Dabei werden die Blutgerinnsel mit einem Katheter aus den Hirnarterien gezogen. 

Olli Patrakka von der Universität Tempere und Mitarbeiter ließen die Thromben von 75 Schlaganfallpatienten mit Gensonden auf bakterielle Spuren hin untersuchen. Bei 63 Patienten (84 %) wurden in den Proben bakterielle Gene entdeckt, bei 59 Patienten (75 %) stammten sie von Streptokokken und zwar überwiegend von S. mitis. S. mitis gehört zur Viridansgruppe der Streptokokken, die häufig in den Zahnbelägen zu finden sind. P. gingivalis und A. actinomycetemcomitans, die Markerkeime für schwere und aggressive Formen der Parodontose konnten die Forscher jedoch in keinem Fall nachweisen.

Die Studie ist Teil eines finnischen Forschungsprojekts, das seit 10 Jahren die Auswirkungen einer bakteriellen Infektion auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. In früheren Studien hatten die Forscher die gleiche „bakterielle Signatur“ in den Koronararterien von kürzlich am Herzinfarkt gestorbenen Patienten, in den Thrombusaspiraten und dem arteriellen Blut von Herzinfarktpatienten, in rupturierten Hirnaneurysmen und in den Thrombusaspiraten von Patienten mit arterieller oder venöser Thrombose der unteren Extremitäten gefunden. 

Dies alles beweist noch nicht, dass die Bakterien tatsächlich an der Pathogenese beteiligt sind. Sie liefern allerdings Anregungen für neue klinische Studien, in denen versucht werden könnte, die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine verbesserte Mundhygiene zu beeinflussen. © rme/aerzteblatt.de

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