StudierenNewsMedizinEnergydrinks erhöhen Blutdruck und verlängern QT-Intervall
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Energydrinks erhöhen Blutdruck und verlängern QT-Intervall

Montag, 3. Juni 2019

Energy Drink Dosen /MicroOne, adobe.stock.com
/MicroOne, adobe.stock.com

Stockton/Kalifornien – Der Konsum von Energydrinks hat in einer randomisierten Studie bei jungen Erwachsenen den Blutdruck erhöht und im EKG das QT-Intervall verlängert. Letzteres könnte laut einem Bericht im Journal of the American Heart Association die Anfälligkeit für Herzrhythmusstörungen erhöhen (2019; doi: 10.1161/JAHA.118.011318).

Energydrinks enthalten neben Zucker (oder Süßstoffen) eine höhere Konzentration von Koffein sowie Taurin, Glucuronolacton, B-Vitamine und andere Substanzen, die die Herz-Kreislauf-Funktion beeinflussen können. Bekannt ist, dass Energydrinks den Blutdruck steigern. Für Koffein und Taurin ist eine Auswirkung auf das QT-Intervall im Elektrokardiogramm (EKG) belegt, beim Koffein ab einer Dosis von 400 mg, was etwa 5 Bechern Kaffee entspricht.

Anzeige

Die beiden Energydrinks, die Sachin Shah von der Thomas J. Long School of Pharmacy and Health Sciences in Stockton/Kalifornien und Mitarbeiter an 34 gesunden Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren getestet haben, enthielten 304 bis 320 mg Koffein pro Flasche (32 ounces oder etwa 900 ml). Hinzu kamen unbestimmte Mengen Taurin, Glucuronolacton, B-Vitamine, dazu noch Carnitin, Guarana und Panax-Ginseng.

Alle Teilnehmer tranken an 3 Tagen innerhalb einer Stunde entweder einen der beiden Energydrinks oder einen Placebo-Drink mit Kohlensäure, Zitronensaft und Kirschgeschmack.

Ergebnis: Beide Energydrinks erhöhten über den Verlauf von etwa 2 Stunden den Blutdruck. Der systolische Wert stieg nach einem Energydrink um 15,9 mm Hg und nach dem anderen um 14,4 mm Hg an und damit signifikant stärker als nach dem Placebo-Drink, der den Wert um maximal 9,8 mm Hg erhöhte. Beim diastolischen Blutdruck kam es zu einem Anstieg um maximal 9,6 mm Hg (bei beiden Energy-Drinks) gegenüber 6,1 mm Hg nach dem Placebo-Drink. Für gesunde junge Menschen dürfte der Anstieg risikolos sein, zumal es nach einiger Zeit zu einer Normalisierung kam.

Verlängertes QT-Intervall erhöht Risiko auf ventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Beim QT-Intervall kam es zu einer Verlängerung um 17,9 ms (Energy-Drink A), 19,6 ms (Energy-Drink B) und 11,9 ms (Placebo-Drink) in den nach der Barett-Formel korrigierten Werten. Verlängerungen des QT-Intervalls sind problematisch, weil sie mit einem erhöhten Risiko auf ventrikuläre Herzrhythmusstörungen einhergehen. Im Extremfall kommt es zu sogenannten Torsade de Pointes, die in ein Kammerflimmern abgleiten können.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei einer Verlängerung des QT-Intervalls um mehr als 10 ms. Vereinzelt sind jedoch Medikamente bereits nach einer Verlängerung des QT-Intervalls um 6 ms mit einem Warnhinweis in den Fachinformationen versehen worden. Auch der Entzug der Zulassung ist möglich, wenn das Risiko nicht durch einen höheren Nutzen ausgeglichen wird. Koffein- und Ephedrin-haltige Wirkstoffe wurden vom Markt genommen, nachdem eine nachteilige Wirkung auf das QT-Intervall nachgewiesen wurde.

Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit kardialen Vorschäden. Eine Verlängerung des QT-Intervalls kann (in seltenen Fällen) auch angeboren sein. Die betroffenen jüngeren Menschen sind sich ihres Risikos in der Regel nicht bewusst. Der Food and Drug Administration (FDA) sind 34 Todesfälle im Zusammenhang mit Energydrinks gemeldet worden, wie die US-Behörde 2012 auf Anfrage der Centers for Science in the Public Interest mitteilte. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #768286
Nofri
am Donnerstag, 13. Juni 2019, 17:20

Achtung auch bei Epileptikern. Energy (auch nur 1 Büchse) triggert Anfälle

Mein von fokal- generalisierender Epilepsie betroffener Sohn (17) bekommt jedes mal, wenn er (heimlich) Energy Drinks konsumiert nach einigen Stunden epilepstischen Anfall. Einige Tabletten (so wie seine u.a. Vimpat) verändern schon( als mgl. Nebenwirkung ausgewiesen) ggf. das QT Intervall. Wenn dann noch sowas konsumiert wird, ist dies mit Sicherheit gefährlich. Ich habe schon vor 2 Jahren die Epileptologen in Uni und Ambulanz darauf angesprochen, leider wurde dies nicht als Anfallstrigger akzeptiert, obwohl auch schon vor den Medikamenten eine hohe Auffälligkeit EnergyD und Anfall im Zusammenhang zu bringen war. Ich hatte daraufhin auch das Amt für Lebensmittelsicherheit gebeten vorsorglich einen Warnhinweis für Epileptiker auf derartige Getränke drucken zu lassen, sowie auch für Schwangere geschehen, jedoch wurde dies als nicht notwendig erachtet, es gäbe keine Gefahr.
LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2019
Kopenhagen – Ein Entwurf der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mit Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en rät, wenige gesättigte Fettsäuren zu essen und sie durch ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen. Laut
Zweifel an Empfehlungen zur Reduktion gesättigter Fettsäuren
28. Juni 2019
Düsseldorf – Bei der Versorgung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkope sieht die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK) eine dramatische
Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkope unzureichend versorgt
24. Juni 2019
London – Bei Patienten mit stabiler Angina aber einem erhöhten Herzinfarktrisiko kann eine Perfusionsanalyse mit der Magnetresonanztomografie (MRT) eine behandlungsbedürftige Koronarstenose genauso
Stabile Angina: MRT kann Herzkatheter in der Diagnose ersetzen
21. Juni 2019
New York – Die Koronare Herzkrankheit, die lange allein auf einen ungesunden Lebensstil mit kardiometabolischen Risikofaktoren zurückgeführt wurde, hat auch eine genetische Komponente. Darauf sind
Koronare Herzkrankheit hat häufig genetische Ursachen
20. Juni 2019
Berlin – Kinder mit angeborenem Herzfehler bewältigen ihre Schullaufbahn meist gut. Knapp mehr als 83 Prozent von ihnen besuchen eine normale Grundschule. Dabei starten mehr als 73 Prozent mit sechs
Kinder mit angeborenen Herzfehlern kommen in der Schule meist gut zurecht
12. Juni 2019
Hamilton/Ontario – Wöchentliche Injektionen des GLP-1-Rezeptor-Agonisten Dulaglutid haben in einer randomisierten Studie die Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gesenkt
Typ-2-Diabetes: Dulaglutid senkt Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhält Nierenfunktion
7. Juni 2019
Phoenix/Arizona – Eine strenge Blutzuckereinstellung allein kann Patienten mit Typ-2-Diabetes über das Ende der Behandlung hinaus nicht vor künftigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Dies kam in
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

NEWSLETTER